Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Stieve, Gottfried: Europäisches Hoff-Ceremoniel. Leipzig, 1715.

Bild:
<< vorherige Seite

Vorbericht.
tivae kein Mensch auf Erden zu finden, der den
Sententz darüber sprechen könne, er sey dann da-
zu als Arbiter ersuchet worden. Wenn aber gleich-
wohl etwas in dem Context den Schein eines
Beyfalls, welchen man einem für dem andern in
der Praerogativa gegeben, hätte; so ist dieser
Schein nur ein Effect der vorgebrachten Argu-
mentorum,
derer sich einer oder der andere Sou-
verain
bedienet: und weiter für nichts als eine
Consequentz, welche aus den Praemissis fliesset,
anzunehmen. Denn man protestiret auf das aller-
feyerlichste wieder alle ungleiche Interpretation,
so etwan ein Criticus gantz unnöthiger Weise ma-
chen möchte; weil weder die allegirten Facta, noch
auch die mit eingestreueten Raisonnements sol-
len und können eine Decision abgeben: sondern
die ersteren nur historice zeigen was geschehen;
die andern aber das geschehene politice zu be-
trachten, Anlaß geben. Wenn man auch etwan
einerley Factum und Materiam in dem Context
zweymahl gesetzet fände, darf man solches nicht
so bald für eine Tavtologie ausdeuten, sondern
nur auf den Modum, wie solches geschehen, acht
haben; da sich denn bald eusern wird, daß von einer
Sache in einem Orte als ihrem sede ex professo
zu handeln, derer in einem andern Orte wieder-
um nur accidentaliter zu gedencken gewesen: Und
gleichwie derjenige Ton oder Note, so in einer Aria
vielfältig vorkommt, dennoch derselben Melodie

nicht
)( )(

Vorbericht.
tivæ kein Menſch auf Erden zu finden, der den
Sententz daruͤber ſprechen koͤnne, er ſey dann da-
zu als Arbiter erſuchet worden. Weñ aber gleich-
wohl etwas in dem Context den Schein eines
Beyfalls, welchen man einem fuͤr dem andern in
der Prærogativa gegeben, haͤtte; ſo iſt dieſer
Schein nur ein Effect der vorgebrachten Argu-
mentorum,
derer ſich einer oder der andere Sou-
verain
bedienet: und weiter fuͤr nichts als eine
Conſequentz, welche aus den Præmisſis flieſſet,
anzunehmen. Deñ man proteſtiret auf das aller-
feyerlichſte wieder alle ungleiche Interpretation,
ſo etwan ein Criticus gantz unnoͤthiger Weiſe ma-
chen moͤchte; weil weder die allegirten Facta, noch
auch die mit eingeſtreueten Raiſonnements ſol-
len und koͤnnen eine Deciſion abgeben: ſondern
die erſteren nur hiſtorice zeigen was geſchehen;
die andern aber das geſchehene politice zu be-
trachten, Anlaß geben. Wenn man auch etwan
einerley Factum und Materiam in dem Context
zweymahl geſetzet faͤnde, darf man ſolches nicht
ſo bald fuͤr eine Tavtologie ausdeuten, ſondern
nur auf den Modum, wie ſolches geſchehen, acht
haben; da ſich denn bald euſern wird, daß von einer
Sache in einem Orte als ihrem ſede ex profeſſo
zu handeln, derer in einem andern Orte wieder-
um nur accidentaliter zu gedencken geweſen: Und
gleichwie derjenige Ton oder Note, ſo in einer Aria
vielfaͤltig vorkommt, dennoch derſelben Melodie

nicht
)( )(
<TEI>
  <text>
    <front>
      <div type="preface" n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0021"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Vorbericht.</hi></fw><lb/><hi rendition="#aq">tivæ</hi> kein Men&#x017F;ch auf Erden zu finden, der den<lb/><hi rendition="#aq">Senten</hi>tz daru&#x0364;ber &#x017F;prechen ko&#x0364;nne, er &#x017F;ey dann da-<lb/>
zu als <hi rendition="#aq">Arbiter</hi> er&#x017F;uchet worden. Wen&#x0303; aber gleich-<lb/>
wohl etwas in dem <hi rendition="#aq">Context</hi> den Schein eines<lb/>
Beyfalls, welchen man einem fu&#x0364;r dem andern in<lb/>
der <hi rendition="#aq">Prærogativa</hi> gegeben, ha&#x0364;tte; &#x017F;o i&#x017F;t die&#x017F;er<lb/>
Schein nur ein <hi rendition="#aq">Effect</hi> der vorgebrachten <hi rendition="#aq">Argu-<lb/>
mentorum,</hi> derer &#x017F;ich einer oder der andere <hi rendition="#aq">Sou-<lb/>
verain</hi> bedienet: und weiter fu&#x0364;r nichts als eine<lb/><hi rendition="#aq">Con&#x017F;equen</hi>tz, welche aus den <hi rendition="#aq">Præmis&#x017F;is</hi> flie&#x017F;&#x017F;et,<lb/>
anzunehmen. Den&#x0303; man <hi rendition="#aq">prote&#x017F;ti</hi>ret auf das aller-<lb/>
feyerlich&#x017F;te wieder alle ungleiche <hi rendition="#aq">Interpretation,</hi><lb/>
&#x017F;o etwan ein <hi rendition="#aq">Criticus</hi> gantz unno&#x0364;thiger Wei&#x017F;e ma-<lb/>
chen mo&#x0364;chte; weil weder die <hi rendition="#aq">allegir</hi>ten <hi rendition="#aq">Facta,</hi> noch<lb/>
auch die mit einge&#x017F;treueten <hi rendition="#aq">Rai&#x017F;onnements</hi> &#x017F;ol-<lb/>
len und ko&#x0364;nnen eine <hi rendition="#aq">Deci&#x017F;io</hi>n abgeben: &#x017F;ondern<lb/>
die er&#x017F;teren nur <hi rendition="#aq">hi&#x017F;torice</hi> zeigen was ge&#x017F;chehen;<lb/>
die andern aber das ge&#x017F;chehene <hi rendition="#aq">politice</hi> zu be-<lb/>
trachten, Anlaß geben. Wenn man auch etwan<lb/>
einerley <hi rendition="#aq">Factum</hi> und <hi rendition="#aq">Materiam</hi> in dem <hi rendition="#aq">Context</hi><lb/>
zweymahl ge&#x017F;etzet fa&#x0364;nde, darf man &#x017F;olches nicht<lb/>
&#x017F;o bald fu&#x0364;r eine <hi rendition="#aq">Tavtologi</hi>e ausdeuten, &#x017F;ondern<lb/>
nur auf den <hi rendition="#aq">Modum,</hi> wie &#x017F;olches ge&#x017F;chehen, acht<lb/>
haben; da &#x017F;ich denn bald eu&#x017F;ern wird, daß von einer<lb/>
Sache in einem Orte als ihrem <hi rendition="#aq">&#x017F;ede ex profe&#x017F;&#x017F;o</hi><lb/>
zu handeln, derer in einem andern Orte wieder-<lb/>
um nur <hi rendition="#aq">accidentaliter</hi> zu gedencken gewe&#x017F;en: Und<lb/>
gleichwie derjenige <hi rendition="#aq">Ton</hi> oder <hi rendition="#aq">Note,</hi> &#x017F;o in einer <hi rendition="#aq">Aria</hi><lb/>
vielfa&#x0364;ltig vorkommt, dennoch der&#x017F;elben <hi rendition="#aq">Melodi</hi>e<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">)( )(</fw><fw place="bottom" type="catch">nicht</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0021] Vorbericht. tivæ kein Menſch auf Erden zu finden, der den Sententz daruͤber ſprechen koͤnne, er ſey dann da- zu als Arbiter erſuchet worden. Weñ aber gleich- wohl etwas in dem Context den Schein eines Beyfalls, welchen man einem fuͤr dem andern in der Prærogativa gegeben, haͤtte; ſo iſt dieſer Schein nur ein Effect der vorgebrachten Argu- mentorum, derer ſich einer oder der andere Sou- verain bedienet: und weiter fuͤr nichts als eine Conſequentz, welche aus den Præmisſis flieſſet, anzunehmen. Deñ man proteſtiret auf das aller- feyerlichſte wieder alle ungleiche Interpretation, ſo etwan ein Criticus gantz unnoͤthiger Weiſe ma- chen moͤchte; weil weder die allegirten Facta, noch auch die mit eingeſtreueten Raiſonnements ſol- len und koͤnnen eine Deciſion abgeben: ſondern die erſteren nur hiſtorice zeigen was geſchehen; die andern aber das geſchehene politice zu be- trachten, Anlaß geben. Wenn man auch etwan einerley Factum und Materiam in dem Context zweymahl geſetzet faͤnde, darf man ſolches nicht ſo bald fuͤr eine Tavtologie ausdeuten, ſondern nur auf den Modum, wie ſolches geſchehen, acht haben; da ſich denn bald euſern wird, daß von einer Sache in einem Orte als ihrem ſede ex profeſſo zu handeln, derer in einem andern Orte wieder- um nur accidentaliter zu gedencken geweſen: Und gleichwie derjenige Ton oder Note, ſo in einer Aria vielfaͤltig vorkommt, dennoch derſelben Melodie nicht )( )(

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/stieve_hoffceremoniel_1715
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/stieve_hoffceremoniel_1715/21
Zitationshilfe: Stieve, Gottfried: Europäisches Hoff-Ceremoniel. Leipzig, 1715, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/stieve_hoffceremoniel_1715/21>, abgerufen am 16.05.2021.