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Thomasius, Christian: Einleitung zu der Vernunfft-Lehre. Halle (Saale), 1691.

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Jrrthümern und deren Ursprung.
und dunckeler Wörter/ die die Sache ver-
drüßlich machen/ sich bedienet; theils aber
mehr umb specificirung etlicher allge-
meiner Jrrthümer/ als um Erforschung de-
rer Haupt-Quellen/ oder doch nur um den Ur-
sprung der Jrrthümer in der Religion nach
Anleitung der heiligen Schrifft besorgt ge-
wesen/ zu geschweigen/ daß auch etliche von
denen/ die von dieser materie geschrieben/ von
andern Gelehrten vor Atheisten pflegen aus-
geschrien zu werden.

4. Wir werden aber nichts füglicher hier-
innen schaffen können/ als wenn wir die Na-
tur des Menschen von Jugend auff
wie-
derum in Betrachtung ziehen/ damit wir ge-
wahr werden/ zu welcher Zeit denn die Jrr-
thümer bey denselben anheben.

5. Obschon der Mensch eine viel vollkom-
menere Creatur ist als die unvernünfftigen
Thiere; so ist doch offenbahr/ daß in gewisser
masse sein Zustand in seiner zarten Jugend
mit grössern Elende ümbgeben sey als de-
rer Bestien.

6. Denn viele unvernünfftige Thiere sind
alsobald nach der Geburt in der Vollkom-
menheit/ daß zur Noth/ auch ohne Zuthuung

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T

Jrrthuͤmern und deren Urſprung.
und dunckeler Woͤrter/ die die Sache ver-
druͤßlich machen/ ſich bedienet; theils aber
mehr umb ſpecificirung etlicher allge-
meiner Jrrthuͤmer/ als um Erforſchung de-
rer Haupt-Quellen/ oder doch nur um den Ur-
ſprung der Jrrthuͤmer in der Religion nach
Anleitung der heiligen Schrifft beſorgt ge-
weſen/ zu geſchweigen/ daß auch etliche von
denen/ die von dieſer materie geſchrieben/ von
andern Gelehrten vor Atheiſten pflegen aus-
geſchrien zu werden.

4. Wir werden aber nichts fuͤglicher hier-
innen ſchaffen koͤnnen/ als wenn wir die Na-
tur des Menſchen von Jugend auff
wie-
derum in Betrachtung ziehen/ damit wir ge-
wahr werden/ zu welcher Zeit denn die Jrr-
thuͤmer bey denſelben anheben.

5. Obſchon der Menſch eine viel vollkom-
menere Creatur iſt als die unvernuͤnfftigen
Thiere; ſo iſt doch offenbahr/ daß in gewiſſer
maſſe ſein Zuſtand in ſeiner zarten Jugend
mit groͤſſern Elende uͤmbgeben ſey als de-
rer Beſtien.

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menheit/ daß zur Noth/ auch ohne Zuthuung

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[289/0307] Jrrthuͤmern und deren Urſprung. und dunckeler Woͤrter/ die die Sache ver- druͤßlich machen/ ſich bedienet; theils aber mehr umb ſpecificirung etlicher allge- meiner Jrrthuͤmer/ als um Erforſchung de- rer Haupt-Quellen/ oder doch nur um den Ur- ſprung der Jrrthuͤmer in der Religion nach Anleitung der heiligen Schrifft beſorgt ge- weſen/ zu geſchweigen/ daß auch etliche von denen/ die von dieſer materie geſchrieben/ von andern Gelehrten vor Atheiſten pflegen aus- geſchrien zu werden. 4. Wir werden aber nichts fuͤglicher hier- innen ſchaffen koͤnnen/ als wenn wir die Na- tur des Menſchen von Jugend auff wie- derum in Betrachtung ziehen/ damit wir ge- wahr werden/ zu welcher Zeit denn die Jrr- thuͤmer bey denſelben anheben. 5. Obſchon der Menſch eine viel vollkom- menere Creatur iſt als die unvernuͤnfftigen Thiere; ſo iſt doch offenbahr/ daß in gewiſſer maſſe ſein Zuſtand in ſeiner zarten Jugend mit groͤſſern Elende uͤmbgeben ſey als de- rer Beſtien. 6. Denn viele unvernuͤnfftige Thiere ſind alſobald nach der Geburt in der Vollkom- menheit/ daß zur Noth/ auch ohne Zuthuung an- T

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Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Einleitung zu der Vernunfft-Lehre. Halle (Saale), 1691, S. 289. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_einleitungvernufftlehre_1691/307>, abgerufen am 13.04.2024.