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Thomasius, Christian: Einleitung zu der Vernunfft-Lehre. Halle (Saale), 1691.

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Das 3. Hauptstück von der

87. Und dieser Schluß forschet entweder
das Vergangene den Ursprung und die Ursa-
che eines Dinges/ oder er rechnet das Zukünff-
tige/
die Würckungen/ und Erfolgungen des-
selbigen aus.

88 Nach Unterscheid derer itzo erzehlten
Würckungen des Verstandes/ oder die Er-
käntnüssen desselbigen/ erlangen dieselbe auch
unterschiedene Nahmen. Denn bald werden
sie klar oder dunckel/ bald handgreifflich oder
subtil, bald confus oder distinct ge-
nennt.

89. Eine klare Erkäntnüß ist diejenige/
wenn dem Verstand etwas durch die euserli-
chen Sinne durch eine starcke Bewegung bey-
gebracht wird/ wenn nemlich die Sache denen
Sinnen nahe ist.

90. Eine dunckele Erkäntnüß ist diese/
wenn die Sache von denen Sinnen entweder
gantz entfernet ist/ oder doch dieselben auf schwa-
che Art berühret.

91. Eine handgreiffliche (augenscheinli-
che) Erkäntnüß (cognitio crassa) ist/ wenn
man dasjenige/ was man erkennet/ einem an-
dern wieder so deutlich beybringen kan/ als
wenn es ihm für den Augen läge/ oder wenn

man
Das 3. Hauptſtuͤck von der

87. Und dieſer Schluß forſchet entweder
das Vergangene den Urſprung und die Urſa-
che eines Dinges/ oder er rechnet das Zukuͤnff-
tige/
die Wuͤrckungen/ und Erfolgungen deſ-
ſelbigen aus.

88 Nach Unterſcheid derer itzo erzehlten
Wuͤrckungen des Verſtandes/ oder die Er-
kaͤntnuͤſſen deſſelbigen/ erlangen dieſelbe auch
unterſchiedene Nahmen. Denn bald werden
ſie klar oder dunckel/ bald handgreifflich oder
ſubtil, bald confus oder diſtinct ge-
nennt.

89. Eine klare Erkaͤntnuͤß iſt diejenige/
wenn dem Verſtand etwas durch die euſerli-
chen Sinne durch eine ſtarcke Bewegung bey-
gebracht wird/ wenn nemlich die Sache denen
Sinnen nahe iſt.

90. Eine dunckele Erkaͤntnuͤß iſt dieſe/
wenn die Sache von denen Sinnen entweder
gantz entfernet iſt/ oder doch dieſelben auf ſchwa-
che Art beruͤhret.

91. Eine handgreiffliche (augenſcheinli-
che) Erkaͤntnuͤß (cognitio craſſa) iſt/ wenn
man dasjenige/ was man erkennet/ einem an-
dern wieder ſo deutlich beybringen kan/ als
wenn es ihm fuͤr den Augen laͤge/ oder wenn

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[118/0136] Das 3. Hauptſtuͤck von der 87. Und dieſer Schluß forſchet entweder das Vergangene den Urſprung und die Urſa- che eines Dinges/ oder er rechnet das Zukuͤnff- tige/ die Wuͤrckungen/ und Erfolgungen deſ- ſelbigen aus. 88 Nach Unterſcheid derer itzo erzehlten Wuͤrckungen des Verſtandes/ oder die Er- kaͤntnuͤſſen deſſelbigen/ erlangen dieſelbe auch unterſchiedene Nahmen. Denn bald werden ſie klar oder dunckel/ bald handgreifflich oder ſubtil, bald confus oder diſtinct ge- nennt. 89. Eine klare Erkaͤntnuͤß iſt diejenige/ wenn dem Verſtand etwas durch die euſerli- chen Sinne durch eine ſtarcke Bewegung bey- gebracht wird/ wenn nemlich die Sache denen Sinnen nahe iſt. 90. Eine dunckele Erkaͤntnuͤß iſt dieſe/ wenn die Sache von denen Sinnen entweder gantz entfernet iſt/ oder doch dieſelben auf ſchwa- che Art beruͤhret. 91. Eine handgreiffliche (augenſcheinli- che) Erkaͤntnuͤß (cognitio craſſa) iſt/ wenn man dasjenige/ was man erkennet/ einem an- dern wieder ſo deutlich beybringen kan/ als wenn es ihm fuͤr den Augen laͤge/ oder wenn man

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Zitationshilfe: Thomasius, Christian: Einleitung zu der Vernunfft-Lehre. Halle (Saale), 1691, S. 118. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thomasius_einleitungvernufftlehre_1691/136>, abgerufen am 23.04.2024.