Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sturza, Marie Tihanyi: Das Gelübde einer dreißigjährigen Frau. Leipzig, 1905

Bild:
<< vorherige Seite

Ihnen ist. Die Liebenswürdigkeiten und Galanterien dieses alten Hagestolzen enervieren mich. Und dann diese Provinzlermanie, jedem eine Etikette auf den Rücken zu heften. Und Ihnen macht es Spaß, daß Herr Deaken der Liebhaber der Frau von Ellissen genannt wird."

"Ach, was soll das jetzt noch für Konsequenzen haben!"

"Möglich. Es ist ganz unschuldig. Sogar sehr lächerlich für ihn, daß Sie ihn für so ungefährlich halten und sich sein platonisches Hofmachen so ruhig gefallen lassen. Aber es ärgert mich, daß Sie es sich gefallen lassen und es erfaßt mich eine unbezähmbare Lust, ihn zu ohrfeigen, wenn er so frech ist, sich mit seinem kahlen Schädel bis zu Ihren Knieen zu verneigen."

"Unartiger Knabe! Wie jung Sie noch sind! Also gut, trollen Sie sich, baby!"

"Und wenn ich bleiben wollte?"

"Dann bleiben Sie."

"Nein, ich gehe, denn ich könnte eine Dummheit machen."

Sie blickte ihm lächelnd nach, während er rücklings gehend einen Seitenpfad im dichtesten Tannendickicht

Ihnen ist. Die Liebenswürdigkeiten und Galanterien dieses alten Hagestolzen enervieren mich. Und dann diese Provinzlermanie, jedem eine Etikette auf den Rücken zu heften. Und Ihnen macht es Spaß, daß Herr Deaken der Liebhaber der Frau von Ellissen genannt wird.“

„Ach, was soll das jetzt noch für Konsequenzen haben!“

„Möglich. Es ist ganz unschuldig. Sogar sehr lächerlich für ihn, daß Sie ihn für so ungefährlich halten und sich sein platonisches Hofmachen so ruhig gefallen lassen. Aber es ärgert mich, daß Sie es sich gefallen lassen und es erfaßt mich eine unbezähmbare Lust, ihn zu ohrfeigen, wenn er so frech ist, sich mit seinem kahlen Schädel bis zu Ihren Knieen zu verneigen.“

„Unartiger Knabe! Wie jung Sie noch sind! Also gut, trollen Sie sich, baby!

„Und wenn ich bleiben wollte?“

„Dann bleiben Sie.“

„Nein, ich gehe, denn ich könnte eine Dummheit machen.“

Sie blickte ihm lächelnd nach, während er rücklings gehend einen Seitenpfad im dichtesten Tannendickicht

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0036" n="35"/>
Ihnen ist. Die Liebenswürdigkeiten und Galanterien dieses alten Hagestolzen enervieren mich. Und dann diese Provinzlermanie, jedem eine Etikette auf den Rücken zu heften. Und Ihnen macht es Spaß, daß Herr Deaken der Liebhaber der Frau von Ellissen genannt wird.&#x201C;</p>
        <p>&#x201E;Ach, was soll das jetzt noch für Konsequenzen haben!&#x201C;</p>
        <p>&#x201E;Möglich. Es ist ganz unschuldig. Sogar sehr lächerlich für ihn, daß Sie ihn für so ungefährlich halten und sich sein platonisches Hofmachen so ruhig gefallen lassen. Aber es ärgert mich, daß Sie es sich gefallen lassen und es erfaßt mich eine unbezähmbare Lust, ihn zu ohrfeigen, wenn er so frech ist, sich mit seinem kahlen Schädel bis zu Ihren Knieen zu verneigen.&#x201C;</p>
        <p>&#x201E;Unartiger Knabe! Wie jung Sie noch sind! Also gut, trollen Sie sich, <hi rendition="#aq">baby!</hi>&#x201C;</p>
        <p>&#x201E;Und wenn ich bleiben wollte?&#x201C;</p>
        <p>&#x201E;Dann bleiben Sie.&#x201C;</p>
        <p>&#x201E;Nein, ich gehe, denn ich könnte eine Dummheit machen.&#x201C;</p>
        <p>Sie blickte ihm lächelnd nach, während er rücklings gehend einen Seitenpfad im dichtesten Tannendickicht
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[35/0036] Ihnen ist. Die Liebenswürdigkeiten und Galanterien dieses alten Hagestolzen enervieren mich. Und dann diese Provinzlermanie, jedem eine Etikette auf den Rücken zu heften. Und Ihnen macht es Spaß, daß Herr Deaken der Liebhaber der Frau von Ellissen genannt wird.“ „Ach, was soll das jetzt noch für Konsequenzen haben!“ „Möglich. Es ist ganz unschuldig. Sogar sehr lächerlich für ihn, daß Sie ihn für so ungefährlich halten und sich sein platonisches Hofmachen so ruhig gefallen lassen. Aber es ärgert mich, daß Sie es sich gefallen lassen und es erfaßt mich eine unbezähmbare Lust, ihn zu ohrfeigen, wenn er so frech ist, sich mit seinem kahlen Schädel bis zu Ihren Knieen zu verneigen.“ „Unartiger Knabe! Wie jung Sie noch sind! Also gut, trollen Sie sich, baby!“ „Und wenn ich bleiben wollte?“ „Dann bleiben Sie.“ „Nein, ich gehe, denn ich könnte eine Dummheit machen.“ Sie blickte ihm lächelnd nach, während er rücklings gehend einen Seitenpfad im dichtesten Tannendickicht

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-29T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-29T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-29T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/sturza_geluebde_1905
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/sturza_geluebde_1905/36
Zitationshilfe: Sturza, Marie Tihanyi: Das Gelübde einer dreißigjährigen Frau. Leipzig, 1905, S. 35. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sturza_geluebde_1905/36>, abgerufen am 14.04.2024.