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Sturza, Marie Tihanyi: Das Gelübde einer dreißigjährigen Frau. Leipzig, 1905

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einschlug, ihr dabei einen Schwarm von Kußhänden zuwerfend. Sobald er ihren Blicken entschwunden war, eilte sie Miß entgegen, die mit kleinen kurzen Schritten, auf ihren Schirm, wie auf einen Stock gestützt, näherkam.

Frau von Ellissen rief ihr von weitem zu:

"Was haben Sie mit Stella gemacht?"

"Das fragen Sie mich?" antwortete die Miß. "Kaum hier angelangt, lief sie davon, um ihr Dreirad zu holen. Eine tolle Idee von Ihnen, ihr diese Laune zu gestatten."

Frau von Ellissen lächelte:

"Was hätte ich tun sollen?"

"Ah, erlauben Sie, daß ich mich setze, meine alten Beine wollen nicht mehr!"

Frau von Ellissen schob ihr eine Bank zurecht und fuhr fort:

"Das möchte ich sehen: Stella etwas verweigern, was sie sich in den Kopf gesetzt! Sie ist ganz ihr Vater."

"Aber ... ich weiß, ich weiß," entgegnete die Miß. "Übrigens tut es ihr gut, nicht wahr? Sie hat so viel überschüssige Kräfte, diese nervöse Kleine."

einschlug, ihr dabei einen Schwarm von Kußhänden zuwerfend. Sobald er ihren Blicken entschwunden war, eilte sie Miß entgegen, die mit kleinen kurzen Schritten, auf ihren Schirm, wie auf einen Stock gestützt, näherkam.

Frau von Ellissen rief ihr von weitem zu:

„Was haben Sie mit Stella gemacht?“

„Das fragen Sie mich?“ antwortete die Miß. „Kaum hier angelangt, lief sie davon, um ihr Dreirad zu holen. Eine tolle Idee von Ihnen, ihr diese Laune zu gestatten.“

Frau von Ellissen lächelte:

„Was hätte ich tun sollen?“

„Ah, erlauben Sie, daß ich mich setze, meine alten Beine wollen nicht mehr!“

Frau von Ellissen schob ihr eine Bank zurecht und fuhr fort:

„Das möchte ich sehen: Stella etwas verweigern, was sie sich in den Kopf gesetzt! Sie ist ganz ihr Vater.“

„Aber … ich weiß, ich weiß,“ entgegnete die Miß. „Übrigens tut es ihr gut, nicht wahr? Sie hat so viel überschüssige Kräfte, diese nervöse Kleine.“

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[36/0037] einschlug, ihr dabei einen Schwarm von Kußhänden zuwerfend. Sobald er ihren Blicken entschwunden war, eilte sie Miß entgegen, die mit kleinen kurzen Schritten, auf ihren Schirm, wie auf einen Stock gestützt, näherkam. Frau von Ellissen rief ihr von weitem zu: „Was haben Sie mit Stella gemacht?“ „Das fragen Sie mich?“ antwortete die Miß. „Kaum hier angelangt, lief sie davon, um ihr Dreirad zu holen. Eine tolle Idee von Ihnen, ihr diese Laune zu gestatten.“ Frau von Ellissen lächelte: „Was hätte ich tun sollen?“ „Ah, erlauben Sie, daß ich mich setze, meine alten Beine wollen nicht mehr!“ Frau von Ellissen schob ihr eine Bank zurecht und fuhr fort: „Das möchte ich sehen: Stella etwas verweigern, was sie sich in den Kopf gesetzt! Sie ist ganz ihr Vater.“ „Aber … ich weiß, ich weiß,“ entgegnete die Miß. „Übrigens tut es ihr gut, nicht wahr? Sie hat so viel überschüssige Kräfte, diese nervöse Kleine.“

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Zitationshilfe: Sturza, Marie Tihanyi: Das Gelübde einer dreißigjährigen Frau. Leipzig, 1905, S. 36. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sturza_geluebde_1905/37>, abgerufen am 22.04.2024.