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Sturza, Marie Tihanyi: Das Gelübde einer dreißigjährigen Frau. Leipzig, 1905

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den Ideal-Mechanismus darzustellen, auf den sie ihre Tätigkeit zurückzuleiten bemüht war.

"Prägt euch das nur gut ein," wiederholte sie ihnen stets, "man muß lieben und zu lieben verstehen. Bringt einander Opfer, ohne Rücksicht auf euch selbst, und ihr werdet ruhig, ihr werdet stark, ihr werdet mächtig sein. Wenn ihr euch aber in euren Egoismus, in eure Persönlichkeit vergrabt, werdet ihr nichts Gutes erreichen, nichts, als daß ihr andern und euch selbst Übles zufügt. Findet ihr nicht, daß es Elend und Schmerz genug gibt auf Erden? Nicht wahr? Liebet also alles, was euch umgibt; alles, von den Tieren, die uns so schmerzvoll geopfert sind bis zu euren Brotherren, die von euch selber das Beispiel des Mitleides und der Güte erhalten müssen. Das überträgt sich, seht ihr, sowie sich die Bewegung eurer Maschinen nach und nach auf alle ihre Teile überträgt, bis sie schließlich den kleinsten Zylinder in Bewegung setzt. Seid der Hebel, der ausrückt und die Masse in seine mächtige Umdrehung mitreißt. Glaubt mir, denn ich liebe euch!"

Und sie küßten ihr die entgegengestreckten Hände und kehrten heim, mitgerissen von ihrer Güte und Liebe.

den Ideal-Mechanismus darzustellen, auf den sie ihre Tätigkeit zurückzuleiten bemüht war.

„Prägt euch das nur gut ein,“ wiederholte sie ihnen stets, „man muß lieben und zu lieben verstehen. Bringt einander Opfer, ohne Rücksicht auf euch selbst, und ihr werdet ruhig, ihr werdet stark, ihr werdet mächtig sein. Wenn ihr euch aber in euren Egoismus, in eure Persönlichkeit vergrabt, werdet ihr nichts Gutes erreichen, nichts, als daß ihr andern und euch selbst Übles zufügt. Findet ihr nicht, daß es Elend und Schmerz genug gibt auf Erden? Nicht wahr? Liebet also alles, was euch umgibt; alles, von den Tieren, die uns so schmerzvoll geopfert sind bis zu euren Brotherren, die von euch selber das Beispiel des Mitleides und der Güte erhalten müssen. Das überträgt sich, seht ihr, sowie sich die Bewegung eurer Maschinen nach und nach auf alle ihre Teile überträgt, bis sie schließlich den kleinsten Zylinder in Bewegung setzt. Seid der Hebel, der ausrückt und die Masse in seine mächtige Umdrehung mitreißt. Glaubt mir, denn ich liebe euch!“

Und sie küßten ihr die entgegengestreckten Hände und kehrten heim, mitgerissen von ihrer Güte und Liebe.

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[15/0016] den Ideal-Mechanismus darzustellen, auf den sie ihre Tätigkeit zurückzuleiten bemüht war. „Prägt euch das nur gut ein,“ wiederholte sie ihnen stets, „man muß lieben und zu lieben verstehen. Bringt einander Opfer, ohne Rücksicht auf euch selbst, und ihr werdet ruhig, ihr werdet stark, ihr werdet mächtig sein. Wenn ihr euch aber in euren Egoismus, in eure Persönlichkeit vergrabt, werdet ihr nichts Gutes erreichen, nichts, als daß ihr andern und euch selbst Übles zufügt. Findet ihr nicht, daß es Elend und Schmerz genug gibt auf Erden? Nicht wahr? Liebet also alles, was euch umgibt; alles, von den Tieren, die uns so schmerzvoll geopfert sind bis zu euren Brotherren, die von euch selber das Beispiel des Mitleides und der Güte erhalten müssen. Das überträgt sich, seht ihr, sowie sich die Bewegung eurer Maschinen nach und nach auf alle ihre Teile überträgt, bis sie schließlich den kleinsten Zylinder in Bewegung setzt. Seid der Hebel, der ausrückt und die Masse in seine mächtige Umdrehung mitreißt. Glaubt mir, denn ich liebe euch!“ Und sie küßten ihr die entgegengestreckten Hände und kehrten heim, mitgerissen von ihrer Güte und Liebe.

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Zitationshilfe: Sturza, Marie Tihanyi: Das Gelübde einer dreißigjährigen Frau. Leipzig, 1905, S. 15. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sturza_geluebde_1905/16>, abgerufen am 16.04.2024.