Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Staden, Hans: Warhaftige Historia und beschreibung eyner Landtschafft der Wilden/ Nacketen/ Grimmigen Menschfresser Leuthen [...]. Marpurg [Marburg], 1557.

Bild:
<< vorherige Seite

wissem grundt die Eclipses/ das ist/ verdunckelung Sonn
vnd Mons/ vff gewisse tag vnd stund wan sie kommen sol-
ten. Ja etzliche hundert jar vorher angezeygt/ vnd findet sich
in der erfarung also war sein. Ja sprechen sie: Wer ist am hy
mel geweßt vnd dise ding gesehen/ vnd hat es abgemessen.
Antwort: Weil die tegliche erfarung in disen dingen mit den
demonstrationibus zustimmet/ So muß man eben so gewiss
halten/ als gewiss ist/ so ich iij. vnd ij. zusamenlege in der zal/
werden v. daraus. Vnd auß den gewissen gründen vnd de-
monstrationibus der kunst/ tregt sichs zu/ das man abmes-
sen vnd rechen kan/ wie hoch biß an des mons hymel/ vnd
von dannen zu allen Planeten/ vnd entlich biß an den ge-
stirnten hymel sei. Ja auch wie dick vnd groß die son/ mond
vnd andere corpora am hymel seien/ vnd auß vberlegung des
hymels/ oder astronomia/ mit der Geometria / rechnet man
gar eygentlich ab/ wie weit/ rond/ breyt vnd lang das erdtrich
sei/ so doch dise ding alle dem gemeynen man verborgen vnd
als vnglaublich geachtet werden. Dise vnwissenheyt were
dem gemeynen man auch wol zuuerzeihen/ als der nicht vil
in der Philosophia studirt hab. Das aber hochwichtige vnd
fast gelerte leute/ an den dingen so wahr erfunden werden/
zweiffeln/ ist schimpflich vnd auch schedlich/ dieweil der ge-
meyne man vff dieselbigen sihet/ vnd jren yrthumb dadurch
bestetiget/ also sagende: Wenn das war were/ so hetten es dise
vnd jene Scribenten nicht widersprochen. Ergo etc.

Das S. Augustinus vnd Lactantius Firmianus (die bey-
de heylige gelerteste/ neben der Theologia auch in guten kün
sten wol erfarne männer/ dubitiren/ vnd nicht zulassen wöl-
len/ das die Antipodes sein künden/ das ist/ das man leute
finde/ die am gegen ort des erdtrichs/ vnden vnder vns mit
jren füssen gen vns gehen/ vnd also den kopff vnd leib vnder-

wiſſem grundt die Eclipſes/ das iſt/ verdunckelung Sonn
vnd Mons/ vff gewiſſe tag vnd ſtund wan ſie kommen ſol-
ten. Ja etzliche hundert jar voꝛher angezeygt/ vnd findet ſich
in der erfarung also war ſein. Ja ſprechen ſie: Wer ist am hy
mel geweßt vnd diſe ding geſehen/ vnd hat es abgemeſſen.
Antwort: Weil die tegliche erfarung in diſen dingen mit den
demonſtrationibus zůſtimmet/ So muß man eben ſo gewiſs
halten/ als gewiſs ist/ ſo ich iij. vnd ij. zuſamenlege in der zal/
werden v. daraus. Vnd auß den gewiſſen gruͤnden vnd de-
monſtrationibus der kunſt/ tregt ſichs zů/ das man abmeſ-
ſen vnd rechen kan/ wie hoch biß an des mons hymel/ vnd
von dannen zů allen Planeten/ vnd entlich biß an den ge-
ſtirnten hymel ſei. Ja auch wie dick vnd groß die ſon/ mond
vnd andere corpoꝛa am hymel ſeien/ vnd auß vberlegung des
hymels/ oder aſtronomia/ mit der Geometria / rechnet man
gar eygentlich ab/ wie weit/ rond/ bꝛeyt vñ lang das erdtrich
ſei/ ſo doch diſe ding alle dem gemeynen man verboꝛgen vnd
als vnglaublich geachtet werden. Diſe vnwiſſenheyt were
dem gemeynen man auch wol zuuerzeihen/ als der nicht vil
in der Philoſophia ſtudirt hab. Das aber hochwichtige vnd
faſt gelerte leute/ an den dingen ſo wahꝛ erfunden werden/
zweiffeln/ iſt ſchimpflich vnd auch ſchedlich/ dieweil der ge-
meyne man vff dieſelbigen ſihet/ vnd jren yꝛthumb dadurch
beſtetiget/ alſo ſagende: Wenn das war were/ so hetten es diſe
vnd jene Scribenten nicht widerspꝛochen. Ergo ꝛc.

Das S. Auguſtinus vñ Lactantius Firmianus (die bey-
de heylige gelerteſte/ neben der Theologia auch in gůten kuͤn
ſten wol erfarne maͤnner/ dubitiren/ vnd nicht zulaſſen woͤl-
len/ das die Antipodes ſein kuͤnden/ das iſt/ das man leute
finde/ die am gegen oꝛt des erdtrichs/ vnden vnder vns mit
jren fuͤſſen gen vns gehen/ vnd alſo den kopff vnd leib vnder-

<TEI>
  <text>
    <front>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0009"/>
wi&#x017F;&#x017F;em grundt die Eclip&#x017F;es/ das i&#x017F;t/ verdunckelung Sonn<lb/>
vnd Mons/ vff gewi&#x017F;&#x017F;e tag vnd &#x017F;tund wan &#x017F;ie kommen &#x017F;ol-<lb/>
ten. Ja etzliche hundert jar vo&#xA75B;her angezeygt/ vnd findet &#x017F;ich<lb/>
in der erfarung also war &#x017F;ein. Ja &#x017F;prechen &#x017F;ie: Wer ist am hy<lb/>
mel geweßt vnd di&#x017F;e ding ge&#x017F;ehen/ vnd hat es abgeme&#x017F;&#x017F;en.<lb/>
Antwort: Weil die tegliche erfarung in di&#x017F;en dingen mit den <hi rendition="#aq"><lb/>
demon&#x017F;trationibus</hi> z&#x016F;&#x017F;timmet/ So muß man eben &#x017F;o gewi&#x017F;s<lb/>
halten/ als gewi&#x017F;s ist/ &#x017F;o ich iij. vnd ij. zu&#x017F;amenlege in der zal/<lb/>
werden v. daraus. Vnd auß den gewi&#x017F;&#x017F;en gru&#x0364;nden vnd de-<lb/>
mon&#x017F;trationibus der kun&#x017F;t/ tregt &#x017F;ichs z&#x016F;/ das man abme&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en vnd rechen kan/ wie hoch biß an des mons hymel/ vnd<lb/>
von dannen z&#x016F; allen Planeten/ vnd entlich biß an den ge-<lb/>
&#x017F;tirnten hymel &#x017F;ei. Ja auch wie dick vnd groß die &#x017F;on/ mond<lb/>
vnd andere corpo&#xA75B;a am hymel &#x017F;eien/ vnd auß vberlegung des<lb/>
hymels/ oder a&#x017F;tronomia/ mit der Geometria / rechnet man<lb/>
gar eygentlich ab/ wie weit/ rond/ b&#xA75B;eyt vñ lang das erdtrich<lb/>
&#x017F;ei/ &#x017F;o doch di&#x017F;e ding alle dem gemeynen man verbo&#xA75B;gen vnd<lb/>
als vnglaublich geachtet werden. Di&#x017F;e vnwi&#x017F;&#x017F;enheyt were<lb/>
dem gemeynen man auch wol zuuerzeihen/ als der nicht vil<lb/>
in der Philo&#x017F;ophia &#x017F;tudirt hab. Das aber hochwichtige vnd<lb/>
fa&#x017F;t gelerte leute/ an den dingen &#x017F;o wah&#xA75B; erfunden werden/<lb/>
zweiffeln/ i&#x017F;t &#x017F;chimpflich vnd auch &#x017F;chedlich/ dieweil der ge-<lb/>
meyne man vff die&#x017F;elbigen &#x017F;ihet/ vnd jren y&#xA75B;thumb dadurch<lb/>
be&#x017F;tetiget/ al&#x017F;o &#x017F;agende: Wenn das war were/ so hetten es di&#x017F;e<lb/>
vnd jene Scribenten nicht widersp&#xA75B;ochen. Ergo &#xA75B;c.</p>
        <p>Das S. Augu&#x017F;tinus vñ Lactantius Firmianus (die bey-<lb/>
de heylige gelerte&#x017F;te/ neben der Theologia auch in g&#x016F;ten ku&#x0364;n<lb/>
&#x017F;ten wol erfarne ma&#x0364;nner/ dubitiren/ vnd nicht zula&#x017F;&#x017F;en wo&#x0364;l-<lb/>
len/ das die Antipodes &#x017F;ein ku&#x0364;nden/ das i&#x017F;t/ das man leute<lb/>
finde/ die am gegen o&#xA75B;t des erdtrichs/ vnden vnder vns mit<lb/>
jren fu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en gen vns gehen/ vnd al&#x017F;o den kopff vnd leib vnder-
</p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0009] wiſſem grundt die Eclipſes/ das iſt/ verdunckelung Sonn vnd Mons/ vff gewiſſe tag vnd ſtund wan ſie kommen ſol- ten. Ja etzliche hundert jar voꝛher angezeygt/ vnd findet ſich in der erfarung also war ſein. Ja ſprechen ſie: Wer ist am hy mel geweßt vnd diſe ding geſehen/ vnd hat es abgemeſſen. Antwort: Weil die tegliche erfarung in diſen dingen mit den demonſtrationibus zůſtimmet/ So muß man eben ſo gewiſs halten/ als gewiſs ist/ ſo ich iij. vnd ij. zuſamenlege in der zal/ werden v. daraus. Vnd auß den gewiſſen gruͤnden vnd de- monſtrationibus der kunſt/ tregt ſichs zů/ das man abmeſ- ſen vnd rechen kan/ wie hoch biß an des mons hymel/ vnd von dannen zů allen Planeten/ vnd entlich biß an den ge- ſtirnten hymel ſei. Ja auch wie dick vnd groß die ſon/ mond vnd andere corpoꝛa am hymel ſeien/ vnd auß vberlegung des hymels/ oder aſtronomia/ mit der Geometria / rechnet man gar eygentlich ab/ wie weit/ rond/ bꝛeyt vñ lang das erdtrich ſei/ ſo doch diſe ding alle dem gemeynen man verboꝛgen vnd als vnglaublich geachtet werden. Diſe vnwiſſenheyt were dem gemeynen man auch wol zuuerzeihen/ als der nicht vil in der Philoſophia ſtudirt hab. Das aber hochwichtige vnd faſt gelerte leute/ an den dingen ſo wahꝛ erfunden werden/ zweiffeln/ iſt ſchimpflich vnd auch ſchedlich/ dieweil der ge- meyne man vff dieſelbigen ſihet/ vnd jren yꝛthumb dadurch beſtetiget/ alſo ſagende: Wenn das war were/ so hetten es diſe vnd jene Scribenten nicht widerspꝛochen. Ergo ꝛc. Das S. Auguſtinus vñ Lactantius Firmianus (die bey- de heylige gelerteſte/ neben der Theologia auch in gůten kuͤn ſten wol erfarne maͤnner/ dubitiren/ vnd nicht zulaſſen woͤl- len/ das die Antipodes ſein kuͤnden/ das iſt/ das man leute finde/ die am gegen oꝛt des erdtrichs/ vnden vnder vns mit jren fuͤſſen gen vns gehen/ vnd alſo den kopff vnd leib vnder-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Projekt Gutenberg-DE: Bereitstellung der Texttranskription. (2013-06-28T07:11:29Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Frank Wiegand: Bearbeitung der digitalen Edition (2012-09-04T07:11:29Z)
Frederike Neuber: Überarbeitung der digitalen Edition (2014-01-10T14:11:29Z)
Biblioteca Digital de Obras Raras e Especiais da Universidade de São Paulo: Biblioteca Digital de Obras Raras e Especiais da Universidade de São Paulo (2013-06-28T07:11:29Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Silbentrennung: aufgelöst
  • Zeilenumbrüche markiert: nein



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/staden_landschafft_1557
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/staden_landschafft_1557/9
Zitationshilfe: Staden, Hans: Warhaftige Historia und beschreibung eyner Landtschafft der Wilden/ Nacketen/ Grimmigen Menschfresser Leuthen [...]. Marpurg [Marburg], 1557, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/staden_landschafft_1557/9>, abgerufen am 15.04.2024.