Schiller, [Friedrich]: Maria Stuart. Tübingen u. a., 1801.
Wenn du gleich jetzt, jetzt wie du bist, hinträtest Vor sie, du findest keine schön're Stunde -- Elisabeth. Jetzt -- Nein -- Nein -- Jetzt nicht, Lester -- Nein, das muß ich Erst wohl bedenken -- mich mit Burleigh -- Leicester (lebhaft einfallend). Burleigh! Der denkt allein auf deinen Staatsvortheil, Auch deine Weiblichkeit hat ihre Rechte, Der zarte Punkt gehört vor Dein Gericht, Nicht vor des Staatsma[n]ns -- ja auch Staatskunst will es Daß du sie siehst, die öffentliche Meinung Durch eine That der Großmuth dir gewinnest! Magst du nachher dich der verhaßten Feindin, Auf welche Weise dirs gefällt, entladen. Elisabeth. Nicht wohlanständig wär mir's, die verwandte Im Mangel und in Schmach zu sehn. Man sagt, Daß sie nicht königlich umgeben sey, Vorwerfend wär mir ihres Mangels Anblick. Leicester. Nicht ihrer Schwelle brauchst du dich zu nahn. Hör meinen Rath. Der Zufall hat es eben Nach Wunsch gefügt. Heut ist das große Jagen, An Fotheringhay führt der Weg vorbei,
Wenn du gleich jetzt, jetzt wie du biſt, hintraͤteſt Vor ſie, du findeſt keine ſchoͤn're Stunde — Eliſabeth. Jetzt — Nein — Nein — Jetzt nicht, Leſter — Nein, das muß ich Erſt wohl bedenken — mich mit Burleigh — Leiceſter (lebhaft einfallend). Burleigh! Der denkt allein auf deinen Staatſvortheil, Auch deine Weiblichkeit hat ihre Rechte, Der zarte Punkt gehoͤrt vor Dein Gericht, Nicht vor des Staatsma[n]ns — ja auch Staatskunſt will es Daß du ſie ſiehſt, die oͤffentliche Meinung Durch eine That der Großmuth dir gewinneſt! Magſt du nachher dich der verhaßten Feindin, Auf welche Weiſe dirs gefaͤllt, entladen. Eliſabeth. Nicht wohlanſtaͤndig waͤr mir's, die verwandte Im Mangel und in Schmach zu ſehn. Man ſagt, Daß ſie nicht koͤniglich umgeben ſey, Vorwerfend waͤr mir ihres Mangels Anblick. Leiceſter. Nicht ihrer Schwelle brauchſt du dich zu nahn. Hoͤr meinen Rath. Der Zufall hat es eben Nach Wunſch gefuͤgt. Heut iſt das große Jagen, An Fotheringhay fuͤhrt der Weg vorbei, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <sp who="#LEIGRA"> <p><pb facs="#f0120" n="114"/> Wenn du gleich jetzt, jetzt wie du biſt, hintraͤteſt<lb/> Vor ſie, du findeſt keine ſchoͤn're Stunde —</p><lb/> </sp> <sp who="#ELI"> <speaker><hi rendition="#g">Eliſabeth</hi>.</speaker><lb/> <p>Jetzt — Nein — Nein — Jetzt nicht, Leſter — Nein, das muß ich<lb/> Erſt wohl bedenken — mich mit Burleigh —</p><lb/> </sp> <sp who="#LEIGRA"> <speaker> <hi rendition="#g">Leiceſter</hi> </speaker> <stage>(lebhaft einfallend).</stage><lb/> <p>Burleigh!<lb/> Der denkt allein auf deinen Staatſvortheil,<lb/> Auch deine Weiblichkeit hat ihre Rechte,<lb/> Der zarte Punkt gehoͤrt vor <hi rendition="#g">Dein</hi> Gericht,<lb/> Nicht vor des Staatsma<supplied>n</supplied>ns — ja auch Staatskunſt will es<lb/> Daß du ſie ſiehſt, die oͤffentliche Meinung<lb/> Durch eine That der Großmuth dir gewinneſt!<lb/> Magſt du nachher dich der verhaßten Feindin,<lb/> Auf welche Weiſe dirs gefaͤllt, entladen.</p><lb/> </sp> <sp who="#ELI"> <speaker><hi rendition="#g">Eliſabeth</hi>.</speaker><lb/> <p>Nicht wohlanſtaͤndig waͤr mir's, die verwandte<lb/> Im Mangel und in Schmach zu ſehn. Man ſagt,<lb/> Daß ſie nicht koͤniglich umgeben ſey,<lb/> Vorwerfend waͤr mir ihres Mangels Anblick.</p><lb/> </sp> <sp who="#LEIGRA"> <speaker><hi rendition="#g">Leiceſter</hi>.</speaker><lb/> <p>Nicht ihrer Schwelle brauchſt du dich zu nahn.<lb/> Hoͤr meinen Rath. Der Zufall hat es eben<lb/> Nach Wunſch gefuͤgt. Heut iſt das große Jagen,<lb/> An Fotheringhay fuͤhrt der Weg vorbei,<lb/></p> </sp> </div> </div> </body> </text> </TEI> [114/0120]
Wenn du gleich jetzt, jetzt wie du biſt, hintraͤteſt
Vor ſie, du findeſt keine ſchoͤn're Stunde —
Eliſabeth.
Jetzt — Nein — Nein — Jetzt nicht, Leſter — Nein, das muß ich
Erſt wohl bedenken — mich mit Burleigh —
Leiceſter (lebhaft einfallend).
Burleigh!
Der denkt allein auf deinen Staatſvortheil,
Auch deine Weiblichkeit hat ihre Rechte,
Der zarte Punkt gehoͤrt vor Dein Gericht,
Nicht vor des Staatsmanns — ja auch Staatskunſt will es
Daß du ſie ſiehſt, die oͤffentliche Meinung
Durch eine That der Großmuth dir gewinneſt!
Magſt du nachher dich der verhaßten Feindin,
Auf welche Weiſe dirs gefaͤllt, entladen.
Eliſabeth.
Nicht wohlanſtaͤndig waͤr mir's, die verwandte
Im Mangel und in Schmach zu ſehn. Man ſagt,
Daß ſie nicht koͤniglich umgeben ſey,
Vorwerfend waͤr mir ihres Mangels Anblick.
Leiceſter.
Nicht ihrer Schwelle brauchſt du dich zu nahn.
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Nach Wunſch gefuͤgt. Heut iſt das große Jagen,
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Zitationshilfe: | Schiller, [Friedrich]: Maria Stuart. Tübingen u. a., 1801, S. 114. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schiller_stuart_1801/120>, abgerufen am 16.02.2025. |