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Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695.

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Judas Jscarioth
das Maul hielten/ so kundte mans vor ein Miracul und Wun-
derwerck ausschreyen/ 6. Tag kein Wort reden? das ist mit ei-
nem Wort bey denen Weibern nit möglich. Es wird vonnö-
then seyn/ daß man vor ein jedes Maul ein Schloß mache/ es
werden die Wort gleichwohl auf der Seiten einen Ausfall ten-
ti
ren. Sylvayra schreibt/ daß nach Aussag der Hebräer/ Jo-
sue habe alle Weiber von der Armee hinweg geschafft/ und an-
bey die Ordre geben/ daß sie am 7. Tag sich wiederumben sollen
einfinden/ massen derselbe Tag werde seyn dies vociferationis,
ein Geschrey und Jubel-Tag; dann er glaubte selbst unmöglich
zu seyn/ daß die Weiber so lang solten schweigen; weil aber der
7. Tag mit allem Fleiß zum Schreyen und Jubilier-Fest gestellt
ware/ also hat er die Weiber darzu beruffen/ der Meynung/
es werde solchen Tag niemand helffen besser celebriren als die
Weiber.

Wann dann diesem Geschlecht das Stillschweigen so gar
nit natürlich/ wie ohnbesunnen thun dann alle dieselbe/ so ih-
nen einige Geheimbnus vertrauen/ wie ungereimbt/ scheint es/
wann die Weiber ehender einen Rathschlag wissen/ bevor die
Sach werckstellig gemacht wird. Dahero mehrmahlen geschicht/
daß durch dererley Offenbahrung viel Sachen den Krebs-Gang
nehmen/ ja von dem Gegentheil öfftern hintertrieben werden.
Nemini dixeritis. Sie ist aber/ sagst du/ mein beste vertrau-
tisti Freundin/ das thut alles nichts/ sag ich; dann es kans die
Zeit geben/ daß sie dein Feindin wird/ so dann wird alles an Tag
kommen/ was du ihr ein und allemahl hast anvertraut. Wer
hatte den Joseph lieber als deß Putiphars sein Frau? der war
ihr einiger Augapffel/ der war ihr einiger Zweck ihrer Gedancken/
der war ihr einiger Auffenthalt ihres Hertzens. Jhr Schauen
war auf den Joseph/ ihr Reden war von dem Joseph/ ihre Ge-
dancken waren von dem Joseph/ ihr Traumen war von dem Jo-
seph. Nachdem sie aber auf ihr vermessenes Begehren ein ab-
schlägige Antwort erhalten/ und ihr der Mantel/ nit aber die

Unschuld

Judas Jſcarioth
das Maul hielten/ ſo kundte mans vor ein Miracul und Wun-
derwerck ausſchreyen/ 6. Tag kein Wort reden? das iſt mit ei-
nem Wort bey denen Weibern nit moͤglich. Es wird vonnoͤ-
then ſeyn/ daß man vor ein jedes Maul ein Schloß mache/ es
werden die Wort gleichwohl auf der Seiten einen Ausfall ten-
ti
ren. Sylvayra ſchreibt/ daß nach Ausſag der Hebraͤer/ Jo-
ſue habe alle Weiber von der Armee hinweg geſchafft/ und an-
bey die Ordre geben/ daß ſie am 7. Tag ſich wiederumben ſollen
einfinden/ maſſen derſelbe Tag werde ſeyn dies vociferationis,
ein Geſchrey und Jubel-Tag; dann er glaubte ſelbſt unmoͤglich
zu ſeyn/ daß die Weiber ſo lang ſolten ſchweigen; weil aber der
7. Tag mit allem Fleiß zum Schreyen und Jubilier-Feſt geſtellt
ware/ alſo hat er die Weiber darzu beruffen/ der Meynung/
es werde ſolchen Tag niemand helffen beſſer celebriren als die
Weiber.

Wann dann dieſem Geſchlecht das Stillſchweigen ſo gar
nit natuͤrlich/ wie ohnbeſunnen thun dann alle dieſelbe/ ſo ih-
nen einige Geheimbnus vertrauen/ wie ungereimbt/ ſcheint es/
wann die Weiber ehender einen Rathſchlag wiſſen/ bevor die
Sach werckſtellig gemacht wird. Dahero mehrmahlen geſchicht/
daß durch dererley Offenbahrung viel Sachen den Krebs-Gang
nehmen/ ja von dem Gegentheil oͤfftern hintertrieben werden.
Nemini dixeritis. Sie iſt aber/ ſagſt du/ mein beſte vertrau-
tiſti Freundin/ das thut alles nichts/ ſag ich; dann es kans die
Zeit geben/ daß ſie dein Feindin wird/ ſo dann wird alles an Tag
kommen/ was du ihr ein und allemahl haſt anvertraut. Wer
hatte den Joſeph lieber als deß Putiphars ſein Frau? der war
ihr einiger Augapffel/ der war ihr einiger Zweck ihrer Gedancken/
der war ihr einiger Auffenthalt ihres Hertzens. Jhr Schauen
war auf den Joſeph/ ihr Reden war von dem Joſeph/ ihre Ge-
dancken waren von dem Joſeph/ ihr Traumen war von dem Jo-
ſeph. Nachdem ſie aber auf ihr vermeſſenes Begehren ein ab-
ſchlaͤgige Antwort erhalten/ und ihr der Mantel/ nit aber die

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Zitationshilfe: Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695, S. 8. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas04_1695/20>, abgerufen am 13.04.2021.