Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695.

Bild:
<< vorherige Seite
Judas Jscarioth würcket gleich andere
Apostlen grosse Miracul nnd
Wunderwerck.

OB schon dieser verruchte Böswicht in seinem unmenschli-
chen Hertzen bereits die verrätherische Gedancken gehabt/
JESUM das unschuldige Lamm auf die Schlacht-
Banck zu liesern/ so hat gleichwol der gütigste Heyland/ unan-
gesehen solcher grundlosen Boßheit/ ihme/ wie andern Apostlen
ertheilt die sondere Gnad/ allerley grosse Miracul und Wunder in
seinem Namen zu würcken; wie er dann/ nach Aussag Hierony-
mi
und Anastasij, und vieler andern Heiligen Lehrern/ nit allein
die Aussätzige gereiniget/ sondern so gar die Todte zum Leben erwe-
cket hat: Ja andere wollen/ daß er auch dem Petro gleich/ mit sei-
nem Schatten die Kranckheiten gewendt habe.

Vielen kommt es sehr frembd/ und zwar ungründlich vor/
absonderlich denen gemeinen Leuthen/ dero Witz durch die Theo-
logi
sche Lehr nicht ist abgeschliffen/ wann man ihnen vorträgt/
was Gestalten auch ein lasterhaffter und böser Mensch könne
Miracul und Wunder würcken/ so aber gleichwohl ein wahrer
Ausspruch ist bey allen Schrifftgelehrten; dann wohl zu mercken/
daß die Miracul und Wunderwerck nicht anderst geschehen/ als
durch Göttliche Krafft/ und auf zweyerley Weiß: Entweders
zur Bekräfftigung der Evangelischen Warheit seines Göttlichen
Worts/ und des allein seeligmachenden Glaubens/ oder aber
zur Offenbahrung eines Menschens Heiligkeit und Tugenden.
Auf die erste Weiß kan auch ein böser Mensch/ wann er steiff
und warhafftig in Christum glaubt/ und seinen allerheiligsten
Namen anrufft/ bißweilen Wunderwerck würcken/ welches doch
GOTT gar selten zulast/ und ist glaublich nach Aussag Petri
Damiani
, daß solches möchte von Anfang der Catholischen Kirchen
geschehen seyn/ allwo die Göttliche Allmacht auch durch nicht heilige

Per-
Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andere
Apoſtlen groſſe Miracul nnd
Wunderwerck.

OB ſchon dieſer verruchte Boͤswicht in ſeinem unmenſchli-
chen Hertzen bereits die verraͤtheriſche Gedancken gehabt/
JESUM das unſchuldige Lamm auf die Schlacht-
Banck zu lieſern/ ſo hat gleichwol der guͤtigſte Heyland/ unan-
geſehen ſolcher grundloſen Boßheit/ ihme/ wie andern Apoſtlen
ertheilt die ſondere Gnad/ allerley groſſe Miracul und Wunder in
ſeinem Namen zu wuͤrcken; wie er dann/ nach Auſſag Hierony-
mi
und Anaſtaſij, und vieler andern Heiligen Lehrern/ nit allein
die Ausſaͤtzige gereiniget/ ſondern ſo gar die Todte zum Leben erwe-
cket hat: Ja andere wollen/ daß er auch dem Petro gleich/ mit ſei-
nem Schatten die Kranckheiten gewendt habe.

Vielen kommt es ſehr frembd/ und zwar ungruͤndlich vor/
abſonderlich denen gemeinen Leuthen/ dero Witz durch die Theo-
logi
ſche Lehr nicht iſt abgeſchliffen/ wann man ihnen vortraͤgt/
was Geſtalten auch ein laſterhaffter und boͤſer Menſch koͤnne
Miracul und Wunder wuͤrcken/ ſo aber gleichwohl ein wahrer
Ausſpruch iſt bey allen Schrifftgelehrten; dann wohl zu mercken/
daß die Miracul und Wunderwerck nicht anderſt geſchehen/ als
durch Goͤttliche Krafft/ und auf zweyerley Weiß: Entweders
zur Bekraͤfftigung der Evangeliſchen Warheit ſeines Goͤttlichen
Worts/ und des allein ſeeligmachenden Glaubens/ oder aber
zur Offenbahrung eines Menſchens Heiligkeit und Tugenden.
Auf die erſte Weiß kan auch ein boͤſer Menſch/ wann er ſteiff
und warhafftig in Chriſtum glaubt/ und ſeinen allerheiligſten
Namen anrufft/ bißweilen Wunderwerck wuͤrcken/ welches doch
GOTT gar ſelten zulaſt/ und iſt glaublich nach Auſſag Petri
Damiani
, daß ſolches moͤchte von Anfang der Catholiſchen Kirchen
geſchehen ſeyn/ allwo die Goͤttliche Allmacht auch durch nicht heilige

Per-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0195" n="483[183]"/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Judas J&#x017F;carioth wu&#x0364;rcket gleich andere<lb/>
Apo&#x017F;tlen gro&#x017F;&#x017F;e Miracul nnd<lb/>
Wunderwerck.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">O</hi>B &#x017F;chon die&#x017F;er verruchte Bo&#x0364;swicht in &#x017F;einem unmen&#x017F;chli-<lb/>
chen Hertzen bereits die verra&#x0364;theri&#x017F;che Gedancken gehabt/<lb/><hi rendition="#g">JES<hi rendition="#fr">U</hi>M</hi> das un&#x017F;chuldige Lamm auf die Schlacht-<lb/>
Banck zu lie&#x017F;ern/ &#x017F;o hat gleichwol der gu&#x0364;tig&#x017F;te Heyland/ unan-<lb/>
ge&#x017F;ehen &#x017F;olcher grundlo&#x017F;en Boßheit/ ihme/ wie andern Apo&#x017F;tlen<lb/>
ertheilt die &#x017F;ondere Gnad/ allerley gro&#x017F;&#x017F;e Miracul und Wunder in<lb/>
&#x017F;einem Namen zu wu&#x0364;rcken; wie er dann/ nach Au&#x017F;&#x017F;ag <hi rendition="#aq">Hierony-<lb/>
mi</hi> und <hi rendition="#aq">Ana&#x017F;ta&#x017F;ij</hi>, und vieler andern Heiligen Lehrern/ nit allein<lb/>
die Aus&#x017F;a&#x0364;tzige gereiniget/ &#x017F;ondern &#x017F;o gar die Todte zum Leben erwe-<lb/>
cket hat: Ja andere wollen/ daß er auch dem Petro gleich/ mit &#x017F;ei-<lb/>
nem Schatten die Kranckheiten gewendt habe.</p><lb/>
        <p>Vielen kommt es &#x017F;ehr frembd/ und zwar ungru&#x0364;ndlich vor/<lb/>
ab&#x017F;onderlich denen gemeinen Leuthen/ dero Witz durch die <hi rendition="#aq">Theo-<lb/>
logi</hi>&#x017F;che Lehr nicht i&#x017F;t abge&#x017F;chliffen/ wann man ihnen vortra&#x0364;gt/<lb/>
was Ge&#x017F;talten auch ein la&#x017F;terhaffter und bo&#x0364;&#x017F;er Men&#x017F;ch ko&#x0364;nne<lb/>
Miracul und Wunder wu&#x0364;rcken/ &#x017F;o aber gleichwohl ein wahrer<lb/>
Aus&#x017F;pruch i&#x017F;t bey allen Schrifftgelehrten; dann wohl zu mercken/<lb/>
daß die Miracul und Wunderwerck nicht ander&#x017F;t ge&#x017F;chehen/ als<lb/>
durch Go&#x0364;ttliche Krafft/ und auf zweyerley Weiß: Entweders<lb/>
zur Bekra&#x0364;fftigung der Evangeli&#x017F;chen Warheit &#x017F;eines Go&#x0364;ttlichen<lb/>
Worts/ und des allein &#x017F;eeligmachenden Glaubens/ oder aber<lb/>
zur Offenbahrung eines Men&#x017F;chens Heiligkeit und Tugenden.<lb/>
Auf die er&#x017F;te Weiß kan auch ein bo&#x0364;&#x017F;er Men&#x017F;ch/ wann er &#x017F;teiff<lb/>
und warhafftig in Chri&#x017F;tum glaubt/ und &#x017F;einen allerheilig&#x017F;ten<lb/>
Namen anrufft/ bißweilen Wunderwerck wu&#x0364;rcken/ welches doch<lb/><hi rendition="#g">GOTT</hi> gar &#x017F;elten zula&#x017F;t/ und i&#x017F;t glaublich nach Au&#x017F;&#x017F;ag <hi rendition="#aq">Petri<lb/>
Damiani</hi>, daß &#x017F;olches mo&#x0364;chte von Anfang der Catholi&#x017F;chen Kirchen<lb/>
ge&#x017F;chehen &#x017F;eyn/ allwo die Go&#x0364;ttliche Allmacht auch durch nicht heilige<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Per-</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[483[183]/0195] Judas Jſcarioth wuͤrcket gleich andere Apoſtlen groſſe Miracul nnd Wunderwerck. OB ſchon dieſer verruchte Boͤswicht in ſeinem unmenſchli- chen Hertzen bereits die verraͤtheriſche Gedancken gehabt/ JESUM das unſchuldige Lamm auf die Schlacht- Banck zu lieſern/ ſo hat gleichwol der guͤtigſte Heyland/ unan- geſehen ſolcher grundloſen Boßheit/ ihme/ wie andern Apoſtlen ertheilt die ſondere Gnad/ allerley groſſe Miracul und Wunder in ſeinem Namen zu wuͤrcken; wie er dann/ nach Auſſag Hierony- mi und Anaſtaſij, und vieler andern Heiligen Lehrern/ nit allein die Ausſaͤtzige gereiniget/ ſondern ſo gar die Todte zum Leben erwe- cket hat: Ja andere wollen/ daß er auch dem Petro gleich/ mit ſei- nem Schatten die Kranckheiten gewendt habe. Vielen kommt es ſehr frembd/ und zwar ungruͤndlich vor/ abſonderlich denen gemeinen Leuthen/ dero Witz durch die Theo- logiſche Lehr nicht iſt abgeſchliffen/ wann man ihnen vortraͤgt/ was Geſtalten auch ein laſterhaffter und boͤſer Menſch koͤnne Miracul und Wunder wuͤrcken/ ſo aber gleichwohl ein wahrer Ausſpruch iſt bey allen Schrifftgelehrten; dann wohl zu mercken/ daß die Miracul und Wunderwerck nicht anderſt geſchehen/ als durch Goͤttliche Krafft/ und auf zweyerley Weiß: Entweders zur Bekraͤfftigung der Evangeliſchen Warheit ſeines Goͤttlichen Worts/ und des allein ſeeligmachenden Glaubens/ oder aber zur Offenbahrung eines Menſchens Heiligkeit und Tugenden. Auf die erſte Weiß kan auch ein boͤſer Menſch/ wann er ſteiff und warhafftig in Chriſtum glaubt/ und ſeinen allerheiligſten Namen anrufft/ bißweilen Wunderwerck wuͤrcken/ welches doch GOTT gar ſelten zulaſt/ und iſt glaublich nach Auſſag Petri Damiani, daß ſolches moͤchte von Anfang der Catholiſchen Kirchen geſchehen ſeyn/ allwo die Goͤttliche Allmacht auch durch nicht heilige Per-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas04_1695
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas04_1695/195
Zitationshilfe: Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695, S. 483[183]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas04_1695/195>, abgerufen am 15.05.2021.