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Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695.

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Judas hat kein gute Meinung/
heilsames Mittel wider allerley Seelen-Zuständ als das Ca-
steyen. Jener einfältige Phantast und Schalcks-Jodel hat end-
lich so ungereimt nicht geredt/ als ihm einer durch gewöhnliches
Voppen gedrohet/ er wolle ihn umbbringen/ er aber solchen
bey der Herrschafft angeklagt/ diese entgegen dem Lappen die
Antwort geben/ daß sie den Kerl/ wofern er ihne solle nieder-
machen/ ohnfehlbar nachmals wolle hencken lassen. Herr!
sagt dieser zum Fürsten diß verlang ich nicht/ sondern mein Bitt
ware/ du soltest ihn ein Tag zuvor/ ehe er mich umbbringt/ las-
sen hencken.

Der Leib ist ein thummer und muthwilliger Gesell/ drohet
immer zu und zwar in Ernst der Seel den Todt/ dahero es gantz
Rathsam ist/ daß man solchen übermüthigen Böswicht ehender
den Rest gebe/ bevor er solches Ubel stifft und vollbringt/ und die-
ses geschicht durch die heylsame und höchstnöthige Casteyung und
Mortification/ wormit die Heilige GOttes als mit dem be-
sten Pantzer bewaffnet allezeit den Sieg erhalten wider die La-
ster und schädliche Anmuthungen des Leibs. Etliche Lehrer
seynd der Aussag/ daß GOtt der Allmächtige den ersten Men-
schen Adam/ wie er ihne von Laim gestaltet/ im Creutz erschaf-
fen habe/ das ist/ er habe ihn mit ausgestreckten Händen oder
Armen auf der Erd formirt/ und nachmals erst den Lebens-
Geist eingeblasen; seye deme wie ihm wolle/ gewiß ist es doch/
daß nie ein guter Geist oder frommes Leben in den Menschen kom-
me/ es seye dann/ daß derselbe den Leib durch stete Casteyung auf
oder in das Creutz lege. Wann man die Erd nicht immerzu mit
Pflugeisen/ Hauen und Krampen zwifftet und plagt/ und der
Himmel nicht bißweilen mit einem starcken Regen ihr den Kopff
wäschet/ so thut sie nicht viel Guts. Dahero die Heilige AEmi-
lia
aus dem Orden St. Dominici ihr Leib nicht ihr Gnaden ge-
west/ sondern ihr Gestreng; indem sie ein gantzes Jahr hindurch
neben andern gebottenen Kirchen-Fasttägen alle Freytag und
Samstag in Wasser und Brodt zugebracht/ auch stäts ein har-
tes Cilicium an dem blossen Leib getragen.

Wann

Judas hat kein gute Meinung/
heilſames Mittel wider allerley Seelen-Zuſtaͤnd als das Ca-
ſteyen. Jener einfaͤltige Phantaſt und Schalcks-Jodel hat end-
lich ſo ungereimt nicht geredt/ als ihm einer durch gewoͤhnliches
Voppen gedrohet/ er wolle ihn umbbringen/ er aber ſolchen
bey der Herꝛſchafft angeklagt/ dieſe entgegen dem Lappen die
Antwort geben/ daß ſie den Kerl/ wofern er ihne ſolle nieder-
machen/ ohnfehlbar nachmals wolle hencken laſſen. Herꝛ!
ſagt dieſer zum Fuͤrſten diß verlang ich nicht/ ſondern mein Bitt
ware/ du ſolteſt ihn ein Tag zuvor/ ehe er mich umbbringt/ laſ-
ſen hencken.

Der Leib iſt ein thummer und muthwilliger Geſell/ drohet
immer zu und zwar in Ernſt der Seel den Todt/ dahero es gantz
Rathſam iſt/ daß man ſolchen uͤbermuͤthigen Boͤswicht ehender
den Reſt gebe/ bevor er ſolches Ubel ſtifft und vollbringt/ und die-
ſes geſchicht durch die heylſame und hoͤchſtnoͤthige Caſteyung und
Mortification/ wormit die Heilige GOttes als mit dem be-
ſten Pantzer bewaffnet allezeit den Sieg erhalten wider die La-
ſter und ſchaͤdliche Anmuthungen des Leibs. Etliche Lehrer
ſeynd der Ausſag/ daß GOtt der Allmaͤchtige den erſten Men-
ſchen Adam/ wie er ihne von Laim geſtaltet/ im Creutz erſchaf-
fen habe/ das iſt/ er habe ihn mit ausgeſtreckten Haͤnden oder
Armen auf der Erd formirt/ und nachmals erſt den Lebens-
Geiſt eingeblaſen; ſeye deme wie ihm wolle/ gewiß iſt es doch/
daß nie ein guter Geiſt oder frommes Leben in den Menſchen kom-
me/ es ſeye dann/ daß derſelbe den Leib durch ſtete Caſteyung auf
oder in das Creutz lege. Wann man die Erd nicht immerzu mit
Pflugeiſen/ Hauen und Krampen zwifftet und plagt/ und der
Himmel nicht bißweilen mit einem ſtarcken Regen ihr den Kopff
waͤſchet/ ſo thut ſie nicht viel Guts. Dahero die Heilige Æmi-
lia
aus dem Orden St. Dominici ihr Leib nicht ihr Gnaden ge-
weſt/ ſondern ihr Geſtreng; indem ſie ein gantzes Jahr hindurch
neben andern gebottenen Kirchen-Faſttaͤgen alle Freytag und
Samſtag in Waſſer und Brodt zugebracht/ auch ſtaͤts ein har-
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Zitationshilfe: Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695, S. 170. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas04_1695/182>, abgerufen am 11.05.2021.