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[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 8. Göttingen, 1753.

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het, daß die Sachen zwischen euch und dem ver-
haßten Lovelace schon weit gekommen sind, so
wollen sie nichts von dem glauben, was ihr sagt,
ausser wenn ihr euch entschliesset, den einzigen
Beweis zu geben, der sie an der Aufrichtigkeit eu-
rer Versprechungen weiter nicht zweifeln läßt.

Wie, Kind! ihr werdet bestürzt? - - könnt
ihr nicht reden? - - Jhr habt also, wie es schei-
net, einen ganz andern Ausgang erwartet? nicht
wahr? - - wunderlich genug! - - Mit allen eu-
ren offenherzigen Bekenntnissen, die bei eurer
bekannten Verschlagenheit so vielen Glau-
ben verdienen! - -

Jn der That war ich eine Zeitlang sprachlos.
Meine Augen starrten, und hörten auf, zu wei-
nen. Aber wie die harte Arabella mit ihren
trotzigen Minen fortfuhr; So habe ich mich be-
trogen! sagte ich, gewiß betrogen! denn in euch,
Arabella! erwartete ich, hoffte ich, eine Schwe-
ster - -

Was? unterbrach sie mich, konntet ihr bei
aller eurer artigen Bitterkeit, bei euren verächt-
lichen Minen erwarten, daß ich euch zu gute
Unwarheiten sagen würde? Glaubet ihr, da
man meine Meinung von der Aufrichtigkeit eu-
rer Erklärungen zu wissen verlangte, ich würde
ihnen nicht sagen: wie weit ihr euch mit
eurem Liebhaber eingelassen hättet?
Da
man darauf bedacht ist, euren Eigensinn zu sei-
ner Pflicht zu zwingen, glaubet ihr, ich würde

sie



het, daß die Sachen zwiſchen euch und dem ver-
haßten Lovelace ſchon weit gekommen ſind, ſo
wollen ſie nichts von dem glauben, was ihr ſagt,
auſſer wenn ihr euch entſchlieſſet, den einzigen
Beweis zu geben, der ſie an der Aufrichtigkeit eu-
rer Verſprechungen weiter nicht zweifeln laͤßt.

Wie, Kind! ihr werdet beſtuͤrzt? ‒ ‒ koͤnnt
ihr nicht reden? ‒ ‒ Jhr habt alſo, wie es ſchei-
net, einen ganz andern Ausgang erwartet? nicht
wahr? ‒ ‒ wunderlich genug! ‒ ‒ Mit allen eu-
ren offenherzigen Bekenntniſſen, die bei eurer
bekannten Verſchlagenheit ſo vielen Glau-
ben verdienen! ‒ ‒

Jn der That war ich eine Zeitlang ſprachlos.
Meine Augen ſtarrten, und hoͤrten auf, zu wei-
nen. Aber wie die harte Arabella mit ihren
trotzigen Minen fortfuhr; So habe ich mich be-
trogen! ſagte ich, gewiß betrogen! denn in euch,
Arabella! erwartete ich, hoffte ich, eine Schwe-
ſter ‒ ‒

Was? unterbrach ſie mich, konntet ihr bei
aller eurer artigen Bitterkeit, bei euren veraͤcht-
lichen Minen erwarten, daß ich euch zu gute
Unwarheiten ſagen wuͤrde? Glaubet ihr, da
man meine Meinung von der Aufrichtigkeit eu-
rer Erklaͤrungen zu wiſſen verlangte, ich wuͤrde
ihnen nicht ſagen: wie weit ihr euch mit
eurem Liebhaber eingelaſſen haͤttet?
Da
man darauf bedacht iſt, euren Eigenſinn zu ſei-
ner Pflicht zu zwingen, glaubet ihr, ich wuͤrde

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[10/0018] het, daß die Sachen zwiſchen euch und dem ver- haßten Lovelace ſchon weit gekommen ſind, ſo wollen ſie nichts von dem glauben, was ihr ſagt, auſſer wenn ihr euch entſchlieſſet, den einzigen Beweis zu geben, der ſie an der Aufrichtigkeit eu- rer Verſprechungen weiter nicht zweifeln laͤßt. Wie, Kind! ihr werdet beſtuͤrzt? ‒ ‒ koͤnnt ihr nicht reden? ‒ ‒ Jhr habt alſo, wie es ſchei- net, einen ganz andern Ausgang erwartet? nicht wahr? ‒ ‒ wunderlich genug! ‒ ‒ Mit allen eu- ren offenherzigen Bekenntniſſen, die bei eurer bekannten Verſchlagenheit ſo vielen Glau- ben verdienen! ‒ ‒ Jn der That war ich eine Zeitlang ſprachlos. Meine Augen ſtarrten, und hoͤrten auf, zu wei- nen. Aber wie die harte Arabella mit ihren trotzigen Minen fortfuhr; So habe ich mich be- trogen! ſagte ich, gewiß betrogen! denn in euch, Arabella! erwartete ich, hoffte ich, eine Schwe- ſter ‒ ‒ Was? unterbrach ſie mich, konntet ihr bei aller eurer artigen Bitterkeit, bei euren veraͤcht- lichen Minen erwarten, daß ich euch zu gute Unwarheiten ſagen wuͤrde? Glaubet ihr, da man meine Meinung von der Aufrichtigkeit eu- rer Erklaͤrungen zu wiſſen verlangte, ich wuͤrde ihnen nicht ſagen: wie weit ihr euch mit eurem Liebhaber eingelaſſen haͤttet? Da man darauf bedacht iſt, euren Eigenſinn zu ſei- ner Pflicht zu zwingen, glaubet ihr, ich wuͤrde ſie

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Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 8. Göttingen, 1753, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa08_1753/18>, abgerufen am 14.05.2021.