gegen Süden *) . . . . . Dann wurden Erfrischungen gereicht in sehr unceremonieller Weise. . . . . . . Er (Hideyoshi) schien überhaupt zu thun, was ihm gefiel, und benahm sich so gleichgültig, als ob sonst Niemand zugegen wäre".
Riyen Koku-o (König) von Korea sah aus dem Tone des Briefes und dem Berichte seiner zurückgekehrten Gesandten, dass der Krieg mit Japan unvermeidlich war. Hideyoshi hatte ihn beschlossen, darum halfen auch die Versuche, ein freundliches Abkommen zu Wege zu bringen, welche Yoshitoshi von Tsushima noch machte, nichts, denn sie wollten nur den Theil zum Nachgeben bringen, der nichts ver- brochen hatte, und sprachen nur von den umfangreichen Rüstungen, die Hideyoshi anstellte. In der Antwort, welche der Gesandte nach Kioto überbrachte, wurde das Project, China zu erobern, verglichen mit einem Versuch, den Ocean zu messen mit einer Herzmuschel, oder mit einer Biene, die sich abmühe, eine Schildkröte durch ihren Panzer zu stechen.
Diese Vergleiche erregten Hideyoshi's Zorn. Er selbst wollte sich an die Spitze des Heeres stellen, dessen Ausrüstung mit ver- stärktem Eifer betrieben wurde. Darum gab er das Amt eines Ku- wambaku an seinen Adoptivsohn und Neffen Hidetsugu ab, doch nur mit einem Schein von Gewalt. In Wirklichkeit behielt er die Zügel der Regierung bis zu seinem Tode in Händen. Mit dieser Aenderung war sein letzter Namenswechsel verbunden. Er nannte sich von nun ab Taiko (grosses Verdienst), ein Titel, den zwar jeder emeritierte Kuwambaku führte, der aber mit dem Zusatze "sama", Herr, beim japanischen Volke und in der Geschichte nur auf ihn angewandt wird.
Auf beiden Seiten wurde das Jahr 1591 mit eifrigen Rüstungen zugebracht, doch mit sehr ungleichem Erfolg. Korea hatte einen zwei- hundertjährigen Frieden genossen und war dem Kriege entfremdet. Es kannte keine Feuerwaffen und war auch von dieser Seite Japan gegenüber in grossem Nachtheile. Ganz anders stand Japan da. Da der Hauptzweck nicht Krieg gegen Korea, sondern die Eroberung Chinas war, so wurden hier die Vorbereitungen in viel grösserem Umfange betrieben, als dies sonst nöthig gewesen wäre. Die Haupt- last fiel Kiushiu zu. Jeder Daimio musste hier auf je 10000 Koku Reis, die seine Ländereien brachten, 600 Mann ausrüsten, und jeder, dessen Besitzung ans Meer grenzte, ausserdem zwei grosse Dschunken. Zu ihrer Bemannung hatte jedes Fischerdorf auf je 10 Häuser einen Matrosen zu stellen. Der Sammelpunkt war Karatsu
*) Eine Anmassung und Nachahmung königlicher Sitte im Orient.
I. Geschichte des japanischen Volkes.
gegen Süden *) . . . . . Dann wurden Erfrischungen gereicht in sehr unceremonieller Weise. . . . . . . Er (Hideyoshi) schien überhaupt zu thun, was ihm gefiel, und benahm sich so gleichgültig, als ob sonst Niemand zugegen wäre«.
Riyen Koku-ô (König) von Korea sah aus dem Tone des Briefes und dem Berichte seiner zurückgekehrten Gesandten, dass der Krieg mit Japan unvermeidlich war. Hideyoshi hatte ihn beschlossen, darum halfen auch die Versuche, ein freundliches Abkommen zu Wege zu bringen, welche Yoshitoshi von Tsushima noch machte, nichts, denn sie wollten nur den Theil zum Nachgeben bringen, der nichts ver- brochen hatte, und sprachen nur von den umfangreichen Rüstungen, die Hideyoshi anstellte. In der Antwort, welche der Gesandte nach Kiôto überbrachte, wurde das Project, China zu erobern, verglichen mit einem Versuch, den Ocean zu messen mit einer Herzmuschel, oder mit einer Biene, die sich abmühe, eine Schildkröte durch ihren Panzer zu stechen.
Diese Vergleiche erregten Hideyoshi’s Zorn. Er selbst wollte sich an die Spitze des Heeres stellen, dessen Ausrüstung mit ver- stärktem Eifer betrieben wurde. Darum gab er das Amt eines Ku- wambaku an seinen Adoptivsohn und Neffen Hidetsugu ab, doch nur mit einem Schein von Gewalt. In Wirklichkeit behielt er die Zügel der Regierung bis zu seinem Tode in Händen. Mit dieser Aenderung war sein letzter Namenswechsel verbunden. Er nannte sich von nun ab Taikô (grosses Verdienst), ein Titel, den zwar jeder emeritierte Kuwambaku führte, der aber mit dem Zusatze »sama«, Herr, beim japanischen Volke und in der Geschichte nur auf ihn angewandt wird.
Auf beiden Seiten wurde das Jahr 1591 mit eifrigen Rüstungen zugebracht, doch mit sehr ungleichem Erfolg. Korea hatte einen zwei- hundertjährigen Frieden genossen und war dem Kriege entfremdet. Es kannte keine Feuerwaffen und war auch von dieser Seite Japan gegenüber in grossem Nachtheile. Ganz anders stand Japan da. Da der Hauptzweck nicht Krieg gegen Korea, sondern die Eroberung Chinas war, so wurden hier die Vorbereitungen in viel grösserem Umfange betrieben, als dies sonst nöthig gewesen wäre. Die Haupt- last fiel Kiushiu zu. Jeder Daimio musste hier auf je 10000 Koku Reis, die seine Ländereien brachten, 600 Mann ausrüsten, und jeder, dessen Besitzung ans Meer grenzte, ausserdem zwei grosse Dschunken. Zu ihrer Bemannung hatte jedes Fischerdorf auf je 10 Häuser einen Matrosen zu stellen. Der Sammelpunkt war Karatsu
*) Eine Anmassung und Nachahmung königlicher Sitte im Orient.
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I. Geschichte des japanischen Volkes.
gegen Süden *) . . . . . Dann wurden Erfrischungen gereicht in sehr
unceremonieller Weise. . . . . . . Er (Hideyoshi) schien überhaupt zu
thun, was ihm gefiel, und benahm sich so gleichgültig, als ob sonst
Niemand zugegen wäre«.
Riyen Koku-ô (König) von Korea sah aus dem Tone des Briefes
und dem Berichte seiner zurückgekehrten Gesandten, dass der Krieg
mit Japan unvermeidlich war. Hideyoshi hatte ihn beschlossen, darum
halfen auch die Versuche, ein freundliches Abkommen zu Wege zu
bringen, welche Yoshitoshi von Tsushima noch machte, nichts, denn
sie wollten nur den Theil zum Nachgeben bringen, der nichts ver-
brochen hatte, und sprachen nur von den umfangreichen Rüstungen,
die Hideyoshi anstellte. In der Antwort, welche der Gesandte nach
Kiôto überbrachte, wurde das Project, China zu erobern, verglichen
mit einem Versuch, den Ocean zu messen mit einer Herzmuschel, oder
mit einer Biene, die sich abmühe, eine Schildkröte durch ihren Panzer
zu stechen.
Diese Vergleiche erregten Hideyoshi’s Zorn. Er selbst wollte
sich an die Spitze des Heeres stellen, dessen Ausrüstung mit ver-
stärktem Eifer betrieben wurde. Darum gab er das Amt eines Ku-
wambaku an seinen Adoptivsohn und Neffen Hidetsugu ab, doch nur
mit einem Schein von Gewalt. In Wirklichkeit behielt er die Zügel
der Regierung bis zu seinem Tode in Händen. Mit dieser Aenderung
war sein letzter Namenswechsel verbunden. Er nannte sich von nun
ab Taikô (grosses Verdienst), ein Titel, den zwar jeder emeritierte
Kuwambaku führte, der aber mit dem Zusatze »sama«, Herr, beim
japanischen Volke und in der Geschichte nur auf ihn angewandt wird.
Auf beiden Seiten wurde das Jahr 1591 mit eifrigen Rüstungen
zugebracht, doch mit sehr ungleichem Erfolg. Korea hatte einen zwei-
hundertjährigen Frieden genossen und war dem Kriege entfremdet.
Es kannte keine Feuerwaffen und war auch von dieser Seite Japan
gegenüber in grossem Nachtheile. Ganz anders stand Japan da.
Da der Hauptzweck nicht Krieg gegen Korea, sondern die Eroberung
Chinas war, so wurden hier die Vorbereitungen in viel grösserem
Umfange betrieben, als dies sonst nöthig gewesen wäre. Die Haupt-
last fiel Kiushiu zu. Jeder Daimio musste hier auf je 10000 Koku
Reis, die seine Ländereien brachten, 600 Mann ausrüsten, und
jeder, dessen Besitzung ans Meer grenzte, ausserdem zwei grosse
Dschunken. Zu ihrer Bemannung hatte jedes Fischerdorf auf je 10
Häuser einen Matrosen zu stellen. Der Sammelpunkt war Karatsu
*) Eine Anmassung und Nachahmung königlicher Sitte im Orient.
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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881, S. 326. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan01_1881/352>, abgerufen am 22.11.2024.
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