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[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787.

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ßen Hut, einer Kette darum, und einer weißen
Feder darauf, just wie man izt auf allen Pettschaf-
ten sieht, und wie ich glaube, Freyheits-Hut
heißt. Dieser Heiden Ritter läßt auf der Tafel einen
Bauern, der ihm Wild geschossen, auf einen großen
Hirschen schmieden; aber hinter ihm ist dann der
Teufel abgemahlt, wie er seine schwarzen Klauen
gegen eine weiße Freyheitsfeder, und gegen seinen
Hals ausstreckt, und wie ihm die Worte "Laß ihn
"nur reiten, du mußt dann auch reiten" -- zum
schwarzen Maul hinausfallen. -- Die Buchstaben
sind alle roth, und eng an einander, so daß es ist,
wie wenn er die Worte zum Maul aus blutete.
Auch ist von diesen rothen Buchstaben im Schlosse
das Sprüchwort entstanden, daß man wohl 300
Jahr in dem Hause allen unmenschlichen und harten
Worten, und allen dergleichen Ritterstreichen kei-
nen andern Namen gegeben, als Teufels Blut.

So bald der Karl den Klaus gefunden und
fortgeschickt, gieng er wie er war, die Haare über
die Stirne, und mit Blut am Kleid und an den
Händen, in die Stube, wo man spielte, und dräng-
te sich zwischen Herren und Frauen, die er nicht sah,
hindurch zum Papa ihm zu sagen, was begegnet sey.

Therese sah, daß es etwas unrichtiges seyn müsse,
und stund von ihrem Tisch auf. Sylvia hinge-
gen blieb sitzen, und rief mit den Karten in der

ßen Hut, einer Kette darum, und einer weißen
Feder darauf, juſt wie man izt auf allen Pettſchaf-
ten ſieht, und wie ich glaube, Freyheits-Hut
heißt. Dieſer Heiden Ritter laͤßt auf der Tafel einen
Bauern, der ihm Wild geſchoſſen, auf einen großen
Hirſchen ſchmieden; aber hinter ihm iſt dann der
Teufel abgemahlt, wie er ſeine ſchwarzen Klauen
gegen eine weiße Freyheitsfeder, und gegen ſeinen
Hals ausſtreckt, und wie ihm die Worte „Laß ihn
"nur reiten, du mußt dann auch reiten„ — zum
ſchwarzen Maul hinausfallen. — Die Buchſtaben
ſind alle roth, und eng an einander, ſo daß es iſt,
wie wenn er die Worte zum Maul aus blutete.
Auch iſt von dieſen rothen Buchſtaben im Schloſſe
das Spruͤchwort entſtanden, daß man wohl 300
Jahr in dem Hauſe allen unmenſchlichen und harten
Worten, und allen dergleichen Ritterſtreichen kei-
nen andern Namen gegeben, als Teufels Blut.

So bald der Karl den Klaus gefunden und
fortgeſchickt, gieng er wie er war, die Haare uͤber
die Stirne, und mit Blut am Kleid und an den
Haͤnden, in die Stube, wo man ſpielte, und draͤng-
te ſich zwiſchen Herren und Frauen, die er nicht ſah,
hindurch zum Papa ihm zu ſagen, was begegnet ſey.

Thereſe ſah, daß es etwas unrichtiges ſeyn muͤſſe,
und ſtund von ihrem Tiſch auf. Sylvia hinge-
gen blieb ſitzen, und rief mit den Karten in der

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[31/0049] ßen Hut, einer Kette darum, und einer weißen Feder darauf, juſt wie man izt auf allen Pettſchaf- ten ſieht, und wie ich glaube, Freyheits-Hut heißt. Dieſer Heiden Ritter laͤßt auf der Tafel einen Bauern, der ihm Wild geſchoſſen, auf einen großen Hirſchen ſchmieden; aber hinter ihm iſt dann der Teufel abgemahlt, wie er ſeine ſchwarzen Klauen gegen eine weiße Freyheitsfeder, und gegen ſeinen Hals ausſtreckt, und wie ihm die Worte „Laß ihn "nur reiten, du mußt dann auch reiten„ — zum ſchwarzen Maul hinausfallen. — Die Buchſtaben ſind alle roth, und eng an einander, ſo daß es iſt, wie wenn er die Worte zum Maul aus blutete. Auch iſt von dieſen rothen Buchſtaben im Schloſſe das Spruͤchwort entſtanden, daß man wohl 300 Jahr in dem Hauſe allen unmenſchlichen und harten Worten, und allen dergleichen Ritterſtreichen kei- nen andern Namen gegeben, als Teufels Blut. So bald der Karl den Klaus gefunden und fortgeſchickt, gieng er wie er war, die Haare uͤber die Stirne, und mit Blut am Kleid und an den Haͤnden, in die Stube, wo man ſpielte, und draͤng- te ſich zwiſchen Herren und Frauen, die er nicht ſah, hindurch zum Papa ihm zu ſagen, was begegnet ſey. Thereſe ſah, daß es etwas unrichtiges ſeyn muͤſſe, und ſtund von ihrem Tiſch auf. Sylvia hinge- gen blieb ſitzen, und rief mit den Karten in der

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Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787, S. 31. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard04_1787/49>, abgerufen am 14.05.2021.