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Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Bd. 2. Berlin, 1793.

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fächer, den er vor einem gesessenen Gericht für
Beatens ihren eidlich erkläret hätte -- einige Heu¬
wägen von Wouvermanns Gras, einige Zentner
von Salvatore Rosa's Felsen und eine Quadrat¬
meile von Everdingens Gründen hätt' er hinge¬
geschenkt für den bloßen Fächer. . . .

Jetzt wird mein Held, der dem Spiegel gegen¬
über sitzt, um sich aus ihm herauszuzeichnen, von
drei Zeichenmeistern auf einmal besehen und gema¬
let: vom Biographen oder mir -- vom Romancier
oder dem H. v. Oefel, der in seinen Roman ein
Kapitel setzt, worin er von Gustavs Liebe gegen
die Bouse anonymisch handelt -- und vom Maler
und Helden selbst.

Von Oefels Roman-Großsultan erscheinet in
der Hofbuchhandlung künftige Messe nichts als das
erste Bändchen; und es wird dem minorennen Pu¬
blikum, das unsre meisten Romane lieset und macht,
angenehm zu hören seyn, daß ich in den Oefel¬
schen Großsultan ein wenig geguckt und daß die meisten
Karaktere darin nicht aus der elenden wirklichen
Welt, die man ja ohnehin alle Wochen um sich
hat und so gut kennt wie sich selbst, sondern meist
aus der Luft gegriffen sind, diesem Zeughaus und

faͤcher, den er vor einem geſeſſenen Gericht fuͤr
Beatens ihren eidlich erklaͤret haͤtte — einige Heu¬
waͤgen von Wouvermanns Gras, einige Zentner
von Salvatore Roſa's Felſen und eine Quadrat¬
meile von Everdingens Gruͤnden haͤtt' er hinge¬
geſchenkt fuͤr den bloßen Faͤcher. . . .

Jetzt wird mein Held, der dem Spiegel gegen¬
uͤber ſitzt, um ſich aus ihm herauszuzeichnen, von
drei Zeichenmeiſtern auf einmal beſehen und gema¬
let: vom Biographen oder mir — vom Romancier
oder dem H. v. Oefel, der in ſeinen Roman ein
Kapitel ſetzt, worin er von Guſtavs Liebe gegen
die Bouſe anonymiſch handelt — und vom Maler
und Helden ſelbſt.

Von Oefels Roman-Großſultan erſcheinet in
der Hofbuchhandlung kuͤnftige Meſſe nichts als das
erſte Baͤndchen; und es wird dem minorennen Pu¬
blikum, das unſre meiſten Romane lieſet und macht,
angenehm zu hoͤren ſeyn, daß ich in den Oefel¬
ſchen Großſultan ein wenig geguckt und daß die meiſten
Karaktere darin nicht aus der elenden wirklichen
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[29/0039] faͤcher, den er vor einem geſeſſenen Gericht fuͤr Beatens ihren eidlich erklaͤret haͤtte — einige Heu¬ waͤgen von Wouvermanns Gras, einige Zentner von Salvatore Roſa's Felſen und eine Quadrat¬ meile von Everdingens Gruͤnden haͤtt' er hinge¬ geſchenkt fuͤr den bloßen Faͤcher. . . . Jetzt wird mein Held, der dem Spiegel gegen¬ uͤber ſitzt, um ſich aus ihm herauszuzeichnen, von drei Zeichenmeiſtern auf einmal beſehen und gema¬ let: vom Biographen oder mir — vom Romancier oder dem H. v. Oefel, der in ſeinen Roman ein Kapitel ſetzt, worin er von Guſtavs Liebe gegen die Bouſe anonymiſch handelt — und vom Maler und Helden ſelbſt. Von Oefels Roman-Großſultan erſcheinet in der Hofbuchhandlung kuͤnftige Meſſe nichts als das erſte Baͤndchen; und es wird dem minorennen Pu¬ blikum, das unſre meiſten Romane lieſet und macht, angenehm zu hoͤren ſeyn, daß ich in den Oefel¬ ſchen Großſultan ein wenig geguckt und daß die meiſten Karaktere darin nicht aus der elenden wirklichen Welt, die man ja ohnehin alle Wochen um ſich hat und ſo gut kennt wie ſich ſelbſt, ſondern meiſt aus der Luft gegriffen ſind, dieſem Zeughaus und

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Zitationshilfe: Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Bd. 2. Berlin, 1793, S. 29. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/paul_loge02_1793/39>, abgerufen am 01.03.2024.