Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pahl, Johann Gottfried: Bertha von Wöllstein. Eine Reihe von Briefen aus dem Mittelalter. Nördlingen, 1794.

Bild:
<< vorherige Seite

zu beherrschen. Wer unzüchtiger Lüste nicht Meister werden kann, ist schwach, und jede Schwäche ist ein Schandflek im Charakter des Ritters. -"

Bin ich nicht recht glüklich, Mechthilde! daß ein solcher Mann mich in das Ehebett führt? Ich habe einmal einige Junker mit ihren Verführungskünsten prahlen hören; es war bei einer großen Zeche, die der Graf von Oettingen zu Aalen gegeben hat. - Pfui, dachte ich damals, lieber ins Kloster als einen Mann! Aber Kunz ist ein reiner keuscher Junggeselle, und den zieh' ich freilich dem Kloster vor.

Ich habe meinen Vater innig lieb, und nichts ergötzt mich mehr, als wenn ich ihm eine Freude machen kann; ich bin auch stets um ihn besorgt, wenn er ausreitet, und wenn ich ihn sehe' wieder den Hügel herauf kommen, hüpft mir allemal das Herz, und allemal dank ich Gott und der heiligen Jungfrau, daß sie ihn unverletzt wieder gebracht haben. Aber diesmal, Mechthilde! - ich

zu beherrschen. Wer unzüchtiger Lüste nicht Meister werden kann, ist schwach, und jede Schwäche ist ein Schandflek im Charakter des Ritters. –“

Bin ich nicht recht glüklich, Mechthilde! daß ein solcher Mann mich in das Ehebett führt? Ich habe einmal einige Junker mit ihren Verführungskünsten prahlen hören; es war bei einer großen Zeche, die der Graf von Oettingen zu Aalen gegeben hat. – Pfui, dachte ich damals, lieber ins Kloster als einen Mann! Aber Kunz ist ein reiner keuscher Junggeselle, und den zieh’ ich freilich dem Kloster vor.

Ich habe meinen Vater innig lieb, und nichts ergötzt mich mehr, als wenn ich ihm eine Freude machen kann; ich bin auch stets um ihn besorgt, wenn er ausreitet, und wenn ich ihn sehe’ wieder den Hügel herauf kommen, hüpft mir allemal das Herz, und allemal dank ich Gott und der heiligen Jungfrau, daß sie ihn unverletzt wieder gebracht haben. Aber diesmal, Mechthilde! – ich

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0030" n="26"/>
zu beherrschen. Wer unzüchtiger Lüste nicht Meister werden kann, ist schwach, und jede Schwäche ist ein Schandflek im Charakter des Ritters. &#x2013;&#x201C;</p>
          <p>Bin ich nicht recht glüklich, <hi rendition="#g">Mechthilde</hi>! daß ein solcher Mann mich in das Ehebett führt? Ich habe einmal einige Junker mit ihren Verführungskünsten prahlen hören; es war bei einer großen Zeche, die der Graf von <hi rendition="#g">Oettingen</hi> zu <hi rendition="#g">Aalen</hi> gegeben hat. &#x2013; Pfui, dachte ich damals, lieber ins Kloster als einen Mann! Aber <hi rendition="#g">Kunz</hi> ist ein reiner keuscher Junggeselle, und <hi rendition="#g">den</hi> zieh&#x2019; ich freilich dem Kloster vor.</p>
          <p>Ich habe meinen Vater innig lieb, und nichts ergötzt mich mehr, als wenn ich ihm eine Freude machen kann; ich bin auch stets um ihn besorgt, wenn er ausreitet, und wenn ich ihn sehe&#x2019; wieder den Hügel herauf kommen, hüpft mir allemal das Herz, und allemal dank ich Gott und der heiligen Jungfrau, daß sie ihn unverletzt wieder gebracht haben. Aber diesmal, <hi rendition="#g">Mechthilde</hi>! &#x2013; ich
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[26/0030] zu beherrschen. Wer unzüchtiger Lüste nicht Meister werden kann, ist schwach, und jede Schwäche ist ein Schandflek im Charakter des Ritters. –“ Bin ich nicht recht glüklich, Mechthilde! daß ein solcher Mann mich in das Ehebett führt? Ich habe einmal einige Junker mit ihren Verführungskünsten prahlen hören; es war bei einer großen Zeche, die der Graf von Oettingen zu Aalen gegeben hat. – Pfui, dachte ich damals, lieber ins Kloster als einen Mann! Aber Kunz ist ein reiner keuscher Junggeselle, und den zieh’ ich freilich dem Kloster vor. Ich habe meinen Vater innig lieb, und nichts ergötzt mich mehr, als wenn ich ihm eine Freude machen kann; ich bin auch stets um ihn besorgt, wenn er ausreitet, und wenn ich ihn sehe’ wieder den Hügel herauf kommen, hüpft mir allemal das Herz, und allemal dank ich Gott und der heiligen Jungfrau, daß sie ihn unverletzt wieder gebracht haben. Aber diesmal, Mechthilde! – ich

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-29T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-29T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-29T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_bertha_1794
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_bertha_1794/30
Zitationshilfe: Pahl, Johann Gottfried: Bertha von Wöllstein. Eine Reihe von Briefen aus dem Mittelalter. Nördlingen, 1794, S. 26. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_bertha_1794/30>, abgerufen am 13.04.2024.