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Die Bayerische Presse. Nr. 279. Würzburg, 21. November 1850.

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[Spaltenumbruch] gibt ihm dafür den Bruderkuß, den Hr. Gabriel
wird einrahmen lassen und hängen neben den Ga-
gern 'schen, den weltberühmten, als er die schöne
Rede gehaltrn in der Paulskirche für den preu-
ßischen Kaiser und den Untergang Deutschlands.

   

Hanau, 20. Nov. Von der, den Mitgliedern
des hiesigen Obergerichts am 18. d. M. eingeleg-
ten militärischen Execution ist dieselbe außer bei
den beiden, welche ihren Abschied eingereicht, noch
bei zwei anderen Mitgliedern gestern wieder zu-
rückgezogen worden. Das Eine war als Jnstruk-
tionsrichter nicht in der Lage, Stempel zu ver-
wenden und das Andere hatte sich gleich nach dem
Einzuge der Bundestruppen für Nachgiebigkeit
ausgesprochen. Man hofft aus ahnlichem Grunde
und in Berücksichtigung einer eigenthümlichen
Stellung als Vorstand eines Collegiums, daß dem
Obergerichtsdirektor Mackeldey das Executions-
kommando ebenfalls noch heute wieder werde zu-
rückgezogen werden. Wie übrigens bei der Auf-
lehnung der Behörden und Staatsdiener das
Volk sich gleich anfangs völlig passiv und theil-
nahmslos verhalten hat, so hat der fernere Wider-
stand derselben im besonneneren Theil der hiesigen
Bevölkerung durchaus keinen Rückhalt. Die Dinge
haben bereits bei den Offizieren ihren Culminations-
punkt erreicht, man sieht die Sache als abgemacht
an, und wünscht sich je eher je lieber aus den
gegenwärtigen drückenden Zuständen heraus, weß-
halb man jeden ferneren Widerstand, als diesen
Zeitpunkt verzögernd, mißbilligt. Daher haben
denn auch die beiden eingereichten Abschiede bei
diesem Theile durchaus keinen Eindruck gemacht.
Andere, die Ganz = und hauptsächlich die Halbde-
mokraten, sind natürlich andrer Ansicht und stellen
ihre ganze Hoffnung auf einen Krieg zwischen Oe-
sterreich und Preußen. Sie unterlassen dabei nicht,
allerlei darauf bezügliche Gerüchte zur Beunruhig-
ung der Gemüther auszusprengen, wie z. B. das
hier gestern und vorgestern allgemein geglaubte
Gerücht, daß der König von Preußen in Folge
einer Militärrevolte abgedankt habe, was natür-
lich ebenso unwahr war, als die kürzliche Nach-
richt der Deutschen Zeitung von der Abdankung
des Kurfürsten.

   

Frankfurt, 20. Nov. Die Deutsche Zeitung
theilt folgendes Schreiben mit, das der König
von Preußen eigenhändig an Hrn. v. Radowitz,
unmittelbar nach dessen Rücktritt, gerichtet hat:
"Sansouci, 5. Nov. 1850, nach 6 Uhr Abends. So-
eben gehen sie zur Thür hinaus, mein treuer und
theuerster Freund, und schon nehme ich die Feder,
um Jhnen ein Wort der Trauer, der Treue und
der Hoffnung nachzurufen. Jch habe Jhre Ent-
lassung aus dem auswärtigen Amte gezeichnet,
Gott weiß es mit schwerem Herzen. Aber ich
habe ja in Freundestreue noch mehr thun müssen.
Jch habe Sie im versammelten Rathe um Jhres
Entlassungsbegehrens willen gelobt. Das sagt
Alles und bezeichnet meine Lage schärfer als es
Bücher vermöchten. Jch danke Jhnen aus mei-
nem tiefsten Herzen für ihre Amtsführung. Sie
war die meisterhafte und geistreiche Ausführung
meiner Gedanken und meines Wrllens. Und beide
kräftigtrn und hoben sich an Jhrem Willen und
Jhren Gedanken, denn wir hatten dieselben. Es
war trotz aller Tribulationen eine schöne Zeit,
ein schöner Moment meines Lebens und ich werde
dem Herrn ( den wir beide bekennen, und auf den
wir beide hoffen ) so lang' ich athme, dankbar da-
für sein. Gott der Herr geleite Sie und führe
in Gnaden bald unsere Wege wieder zusammen.
Sein Friede bewahre, umlagere und beselige Sie
bis auf Wiedersehen. Das zum Abschied von
Jhrem ewig treuen Freunde

^ Aus Baden, 18. Nov. Gestern haben
sämmtliche preußische Truppen, welche seither die
Besatzung von Rastatt bildeten, die Festung ver-
lassen und ihren Rückmarsch nach Preußen ange-
treten. -- Jm Laufe des heutigen Tages werden
2 Bataillon badische Truppen und 100 Mann
[Spaltenumbruch] Oesterreicher in Rastatt einrücken. -- Neuerdings
spricht man in wohlunterrichteten Kreisen von der
nahe bevorstehenden Abdankung des Großherzogs,
Auflösung der Kammern und Entlassung des Mi-
nisters v. Marschall. Jn wie weit diese Gerüchte
gegründet sind, wird die nächste Zukunft sehen.
-- Aus Anlaß des großherzogl. Namensfestes sind
mehrere politische Verurtheilte, welche minder gra-
virt sind, begnadigt worden. -- Major v. Lud-
wig ist zum Stadtkommandanten von Karlsruhe
ernannt worden. -- Seit gestern ist der ganze
Oberrhein= und Seekreis sowie Hohenzollern von
den k. preuß. Truppen gänzlich geräumt. -- Die
Verurtheilungen von politisch Angeklagten dauern
fort und sind die Blätter des Landes noch immer
mit Erkenntnissen angefüllt. Seit unserm letzten
Bericht sind 42 Erkenntnisse erfolgt. Zwei lauten
freisprechend 40 auf eine Zuchthausstrafe von 1
bis 9 Jahr. -- Viele politische Flüchtlinge, welche
zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt waren,
haben sich ihren Behörden gestellt und ihre Un-
tersuchungen von Neuem führen lassen, indem sie
auf ein freisprechendes Urtheil rechnen. -- Das
sechste badische Jnf.=Bataillon ist in Karlsruhe
eingerückt und wird die dortige Besatzung bilden.
-- Hofrath Muhl, der bekannte Redakteur der
mittelrheinischen Zeitung, welcher wegen Hochver-
raths=Anklage 1 1 / 2 Jahr Flüchtling war, hat sich
seiner Behörde in Baden=Baden gestellt. -- Sie
werden sich erinnern, daß vor mehreren Monaten
eine den höhern Klassen angehörende Dame in
Baden=Baden wegen Gelderschleichung verhaftet
wurde. Anläßlich dieser Untersuchung soll sich
dringender Verdacht gegen sie gewendet haben, die
Wärterin des im Frühjahr unter sonderbaren Um-
ständen verstorbenen Fräuleins v. Bunsen zu sein.
Man ist auf das weitere Resultat der Untersu-
chung sehr begierig. -- Von dem bekannten und
sehr beliebten Romanschriftsteller Otto Müller in
Mannheim ( seit mehreren Jahren Redakteur des
Mannheimer Journals ) sind wieder drei Romane
unter der Presse und werden nächstens erscheinen.
Personen, welche Gelegenheit hatten, das Ma-
niskript zu lesen, geben ihr Urtheil dahin ab, daß
dieselben äußerst interessant und spannend sind und
den ausgezeichneten Roman "ein deutsches Dich-
terleben " noch übertreffen.

Wiesbaden, 18. Nov. Wie wir aus zuver-
lassiger Quelle so eben erfahren, wurde der hie-
sige Agent der kölnischen Dampfschifffahrtsgesell-
schaft gestern von deren Direction benachrichtigt,
daß bis auf Weiteres auf den kölnischen Dampf-
booten keine Reisenden weiter befördert werden
können, da dieselben sämmtlich zum Truppentrans-
port verwendet werden müßten. Wir erwarten
heute dahier noch den Durchmarsch preußischer
Truppen. Unsere Militärmusik ist angewiesen,
denselben bis Erbenheim auf der Straße nach
Frankfurt entgegen zu gehen, um dieselben hierher
zu geleiten.

   

Gotha, 16. Nov. Koburg und Hildburghau-
sen werden in den nächsten Tagen durch Preußen
besetzt; dieselben werden heute schon in Schleusin-
gen erwartet, wo gestern für zwei Regimenter
Quartier angesagt worden ist. Alle Vorräthe von
Schießwaffen sind aus Suhl nach Erfurt geschafft,
sogar die noch in Arbeit gewesenen Flintenläufe;
auch soll die Fabrik aus Sömmerda nach Mag-
geburg oder Spandau verlegt werden. Jn Er-
furt sollen 15,000 Mann garnisoniren. Die Trup-
penmärsche haben seit acht Tagen aufgehört, da-
gegen kommen große Transporte an Commisbrod
hier durch.

   

Hamburg, 15. Nov. Beim Senat ist eine
Anforderung der preußischen Regierung, auch un-
sere Truppen mobil zu machen, vor einigen Ta-
gen zugegangen, so wie eine gleichlautende For-
derung an alle von der "Union" noch nicht zu-
rückgetretenen Staaten gerichtet wurde. Der Se-
nat hat sich zu einer höflich ablehnenden Antwort
bewogen gefunden, was bei den hier allgemein
als zwecklos angesehenen preußischen Rüstungen
und der neuesten traurigen Schwenkung des Ber-
liner Cabiuets schon in Berücksichtigung unserer
[Spaltenumbruch] -- schwächlichen Finanzverhältnisse nur allgemeine
Billigung finden kann.

   

Wien, 16. Nov. Endlich ist man in Berlin
zu der Einsicht gekommen, daß Oesterreich gar
keine feindlichen Absichten gegen die "Ehre Preu-
ßens " im Schilde geführt hat. Die conservati-
ven Journale, die Reform und die Neue Preu-
ßische Zeitung, erkennen es jetzt an, daß Preu-
ßens Ehre eigentlich gar nicht dabei beschädigt
wird, wenn jenes Land eine noch bessere Stel-
lung in Deutschland einnehmen wird, als es je-
mals inne hatte. Beide Zeitungen beweisen heute
durch ihre Leitartikel, was wir freilich schon viel
früher bewiesen hatten, daß dieses Land die red-
lichsten Absichten gegen Preußen hegt, und gewiß
nicht auf dessen Kosten seine Macht vergrößern
will. Uns nimmt es nur Wunder, wie überhaupt
zu irgend einer Zeit seit dem März 1848 irgend
ein verständiger und redlicher Mensch es hat aus-
sprechen können, daß Oesterreich in irgend einer
Weise den Rechten Preußens zu nahe treten ge-
wollt. Die "Constitutionelle Zeitung," das Or-
gan der Gothaer, ist hingegen zu dieser Zeit em-
sig beschäftigt, "die Gemüther vor Verzweiflung
zu schützen." "Preußens Ehre" verlangt nach
diesem bescheidenen Blatte bloß -- daß " Oester-
reichs Ehre" untergehe. Die Parität der beiden
deutschen Großmächte ist durchaus nicht das, was
den Gothaern genügt; sie wollen die alleinige
Oberherrlichkeit Preußens in Deutschland, oder
wenigstens die Verbannung Oesterreichs aus
Deutschland. Weil Oesterreich weder mit Güte
noch mit Gewalt in eine solche Stellung gebracht
werden kann, darum ist Preußen auf ewig be-
schimpft, und die patriotischen Gemüther von
Gotha, welche nicht einmal die Satisfaction eines
blutigen Bürgerkrieges erlangen können, hüllen
sich darum in Sack und Asche, und vergießen
ihre Thränen in langen Leitartikeln. Es sind
diese Klagen natürlich ein abgekartetes Spiel po-
litischer Charlatans, welche dem Bankerott nahe
stehen, und die gerne unter dem Heere wie unter
den Kammer=Mitgliedern eine künstliche Jndigna-
tion erregen möchten, dessen Fluthen sie selbst
möglicher Weise wieder um flott machen könnten.
Sie werden jedoch ihren Zweck nicht erreichen.
Die Jndignation mag auf ein Paar Stunden
hergestellt werden, der nüchterne, praktische Ver-
stand wird jedoch schnell wieder die Herrschaft ge-
winnen. Wenn Preußen über eine kurze Zeit
seine Stellung in Deutschland nicht allein behaup-
tet und befestigt, sondern auch verbessert und ver-
stärkt haben wird, so wird sich kein Bürger jenes
Landes von den Gothaern, welche die Maske des
preußischen Patriotismus vor das Gesicht nehmen,
um ihren Ehrgeiz und ihren Eigennutz zu ver-
stecken, dem sie so gerne das beste Blut Deutsch-
lands opfern möchten, einreden lassen, daß Preu-
ßen, indem es gewonnen, etwas verloren hat, oder
daß es sich erniedrigte, indem es emporgestiegen ist.

Berlin, 18. Nov. Gestern, Sonntag, begab
sich der bisherige Gesandte der französischen Re-
publik am hiesigen Hofe, Hr. v. Persigny, mit
dem um 11 Uhr abgehenden Bahnzuge nach Pots-
dam und überreichte daselbst Sr. Maj. dem Kö-
nige im Beisein des interimistischen Ministers der
auswärtigen Angelegenheiten, Hrn. v. Manteuffel,
das Schreiben des Präsidenten der französischen
Republik, welches ihn von der hiesigen Mission
zurückberuft.

-- Während französische Blätter bald von 4
Regimentern, bestimmt, die Besatzung Straßburgs
zu verstärken, bald von 14,000 Mann sprechen,
welche ein Beobachtungskorps um jene Stadt bil-
den sollen, wird der N. Pr. Z. aus zuverlässiger
Quelle aus Paris berichtet, daß die Regierung
selber die Stärke des um Straßburg zu bildenden
Beobachtungskorps auf 50,000 Mann angibt.
Nach allen den Rüstungen aber, welche die fran-
zösische Regierung angeordnet hat, scheint es aus
eine weitere Mobilisirung der französischen Armee
abgesehen zu sein, und nicht blos auf die von
50,000 Mann. Wenn man allein auf den in
Limousin, in der Bretagne, Normandie u. s. w.
angeordneten Pferdeankauf blickt, so dürfte diese

[Spaltenumbruch] gibt ihm dafür den Bruderkuß, den Hr. Gabriel
wird einrahmen lassen und hängen neben den Ga-
gern 'schen, den weltberühmten, als er die schöne
Rede gehaltrn in der Paulskirche für den preu-
ßischen Kaiser und den Untergang Deutschlands.

   

Hanau, 20. Nov. Von der, den Mitgliedern
des hiesigen Obergerichts am 18. d. M. eingeleg-
ten militärischen Execution ist dieselbe außer bei
den beiden, welche ihren Abschied eingereicht, noch
bei zwei anderen Mitgliedern gestern wieder zu-
rückgezogen worden. Das Eine war als Jnstruk-
tionsrichter nicht in der Lage, Stempel zu ver-
wenden und das Andere hatte sich gleich nach dem
Einzuge der Bundestruppen für Nachgiebigkeit
ausgesprochen. Man hofft aus ahnlichem Grunde
und in Berücksichtigung einer eigenthümlichen
Stellung als Vorstand eines Collegiums, daß dem
Obergerichtsdirektor Mackeldey das Executions-
kommando ebenfalls noch heute wieder werde zu-
rückgezogen werden. Wie übrigens bei der Auf-
lehnung der Behörden und Staatsdiener das
Volk sich gleich anfangs völlig passiv und theil-
nahmslos verhalten hat, so hat der fernere Wider-
stand derselben im besonneneren Theil der hiesigen
Bevölkerung durchaus keinen Rückhalt. Die Dinge
haben bereits bei den Offizieren ihren Culminations-
punkt erreicht, man sieht die Sache als abgemacht
an, und wünscht sich je eher je lieber aus den
gegenwärtigen drückenden Zuständen heraus, weß-
halb man jeden ferneren Widerstand, als diesen
Zeitpunkt verzögernd, mißbilligt. Daher haben
denn auch die beiden eingereichten Abschiede bei
diesem Theile durchaus keinen Eindruck gemacht.
Andere, die Ganz = und hauptsächlich die Halbde-
mokraten, sind natürlich andrer Ansicht und stellen
ihre ganze Hoffnung auf einen Krieg zwischen Oe-
sterreich und Preußen. Sie unterlassen dabei nicht,
allerlei darauf bezügliche Gerüchte zur Beunruhig-
ung der Gemüther auszusprengen, wie z. B. das
hier gestern und vorgestern allgemein geglaubte
Gerücht, daß der König von Preußen in Folge
einer Militärrevolte abgedankt habe, was natür-
lich ebenso unwahr war, als die kürzliche Nach-
richt der Deutschen Zeitung von der Abdankung
des Kurfürsten.

   

Frankfurt, 20. Nov. Die Deutsche Zeitung
theilt folgendes Schreiben mit, das der König
von Preußen eigenhändig an Hrn. v. Radowitz,
unmittelbar nach dessen Rücktritt, gerichtet hat:
„Sansouci, 5. Nov. 1850, nach 6 Uhr Abends. So-
eben gehen sie zur Thür hinaus, mein treuer und
theuerster Freund, und schon nehme ich die Feder,
um Jhnen ein Wort der Trauer, der Treue und
der Hoffnung nachzurufen. Jch habe Jhre Ent-
lassung aus dem auswärtigen Amte gezeichnet,
Gott weiß es mit schwerem Herzen. Aber ich
habe ja in Freundestreue noch mehr thun müssen.
Jch habe Sie im versammelten Rathe um Jhres
Entlassungsbegehrens willen gelobt. Das sagt
Alles und bezeichnet meine Lage schärfer als es
Bücher vermöchten. Jch danke Jhnen aus mei-
nem tiefsten Herzen für ihre Amtsführung. Sie
war die meisterhafte und geistreiche Ausführung
meiner Gedanken und meines Wrllens. Und beide
kräftigtrn und hoben sich an Jhrem Willen und
Jhren Gedanken, denn wir hatten dieselben. Es
war trotz aller Tribulationen eine schöne Zeit,
ein schöner Moment meines Lebens und ich werde
dem Herrn ( den wir beide bekennen, und auf den
wir beide hoffen ) so lang' ich athme, dankbar da-
für sein. Gott der Herr geleite Sie und führe
in Gnaden bald unsere Wege wieder zusammen.
Sein Friede bewahre, umlagere und beselige Sie
bis auf Wiedersehen. Das zum Abschied von
Jhrem ewig treuen Freunde

△ Aus Baden, 18. Nov. Gestern haben
sämmtliche preußische Truppen, welche seither die
Besatzung von Rastatt bildeten, die Festung ver-
lassen und ihren Rückmarsch nach Preußen ange-
treten. -- Jm Laufe des heutigen Tages werden
2 Bataillon badische Truppen und 100 Mann
[Spaltenumbruch] Oesterreicher in Rastatt einrücken. -- Neuerdings
spricht man in wohlunterrichteten Kreisen von der
nahe bevorstehenden Abdankung des Großherzogs,
Auflösung der Kammern und Entlassung des Mi-
nisters v. Marschall. Jn wie weit diese Gerüchte
gegründet sind, wird die nächste Zukunft sehen.
-- Aus Anlaß des großherzogl. Namensfestes sind
mehrere politische Verurtheilte, welche minder gra-
virt sind, begnadigt worden. -- Major v. Lud-
wig ist zum Stadtkommandanten von Karlsruhe
ernannt worden. -- Seit gestern ist der ganze
Oberrhein= und Seekreis sowie Hohenzollern von
den k. preuß. Truppen gänzlich geräumt. -- Die
Verurtheilungen von politisch Angeklagten dauern
fort und sind die Blätter des Landes noch immer
mit Erkenntnissen angefüllt. Seit unserm letzten
Bericht sind 42 Erkenntnisse erfolgt. Zwei lauten
freisprechend 40 auf eine Zuchthausstrafe von 1
bis 9 Jahr. -- Viele politische Flüchtlinge, welche
zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt waren,
haben sich ihren Behörden gestellt und ihre Un-
tersuchungen von Neuem führen lassen, indem sie
auf ein freisprechendes Urtheil rechnen. -- Das
sechste badische Jnf.=Bataillon ist in Karlsruhe
eingerückt und wird die dortige Besatzung bilden.
-- Hofrath Muhl, der bekannte Redakteur der
mittelrheinischen Zeitung, welcher wegen Hochver-
raths=Anklage 1 1 / 2 Jahr Flüchtling war, hat sich
seiner Behörde in Baden=Baden gestellt. -- Sie
werden sich erinnern, daß vor mehreren Monaten
eine den höhern Klassen angehörende Dame in
Baden=Baden wegen Gelderschleichung verhaftet
wurde. Anläßlich dieser Untersuchung soll sich
dringender Verdacht gegen sie gewendet haben, die
Wärterin des im Frühjahr unter sonderbaren Um-
ständen verstorbenen Fräuleins v. Bunsen zu sein.
Man ist auf das weitere Resultat der Untersu-
chung sehr begierig. -- Von dem bekannten und
sehr beliebten Romanschriftsteller Otto Müller in
Mannheim ( seit mehreren Jahren Redakteur des
Mannheimer Journals ) sind wieder drei Romane
unter der Presse und werden nächstens erscheinen.
Personen, welche Gelegenheit hatten, das Ma-
niskript zu lesen, geben ihr Urtheil dahin ab, daß
dieselben äußerst interessant und spannend sind und
den ausgezeichneten Roman „ein deutsches Dich-
terleben “ noch übertreffen.

Wiesbaden, 18. Nov. Wie wir aus zuver-
lassiger Quelle so eben erfahren, wurde der hie-
sige Agent der kölnischen Dampfschifffahrtsgesell-
schaft gestern von deren Direction benachrichtigt,
daß bis auf Weiteres auf den kölnischen Dampf-
booten keine Reisenden weiter befördert werden
können, da dieselben sämmtlich zum Truppentrans-
port verwendet werden müßten. Wir erwarten
heute dahier noch den Durchmarsch preußischer
Truppen. Unsere Militärmusik ist angewiesen,
denselben bis Erbenheim auf der Straße nach
Frankfurt entgegen zu gehen, um dieselben hierher
zu geleiten.

   

Gotha, 16. Nov. Koburg und Hildburghau-
sen werden in den nächsten Tagen durch Preußen
besetzt; dieselben werden heute schon in Schleusin-
gen erwartet, wo gestern für zwei Regimenter
Quartier angesagt worden ist. Alle Vorräthe von
Schießwaffen sind aus Suhl nach Erfurt geschafft,
sogar die noch in Arbeit gewesenen Flintenläufe;
auch soll die Fabrik aus Sömmerda nach Mag-
geburg oder Spandau verlegt werden. Jn Er-
furt sollen 15,000 Mann garnisoniren. Die Trup-
penmärsche haben seit acht Tagen aufgehört, da-
gegen kommen große Transporte an Commisbrod
hier durch.

   

Hamburg, 15. Nov. Beim Senat ist eine
Anforderung der preußischen Regierung, auch un-
sere Truppen mobil zu machen, vor einigen Ta-
gen zugegangen, so wie eine gleichlautende For-
derung an alle von der „Union“ noch nicht zu-
rückgetretenen Staaten gerichtet wurde. Der Se-
nat hat sich zu einer höflich ablehnenden Antwort
bewogen gefunden, was bei den hier allgemein
als zwecklos angesehenen preußischen Rüstungen
und der neuesten traurigen Schwenkung des Ber-
liner Cabiuets schon in Berücksichtigung unserer
[Spaltenumbruch] -- schwächlichen Finanzverhältnisse nur allgemeine
Billigung finden kann.

   

Wien, 16. Nov. Endlich ist man in Berlin
zu der Einsicht gekommen, daß Oesterreich gar
keine feindlichen Absichten gegen die „Ehre Preu-
ßens “ im Schilde geführt hat. Die conservati-
ven Journale, die Reform und die Neue Preu-
ßische Zeitung, erkennen es jetzt an, daß Preu-
ßens Ehre eigentlich gar nicht dabei beschädigt
wird, wenn jenes Land eine noch bessere Stel-
lung in Deutschland einnehmen wird, als es je-
mals inne hatte. Beide Zeitungen beweisen heute
durch ihre Leitartikel, was wir freilich schon viel
früher bewiesen hatten, daß dieses Land die red-
lichsten Absichten gegen Preußen hegt, und gewiß
nicht auf dessen Kosten seine Macht vergrößern
will. Uns nimmt es nur Wunder, wie überhaupt
zu irgend einer Zeit seit dem März 1848 irgend
ein verständiger und redlicher Mensch es hat aus-
sprechen können, daß Oesterreich in irgend einer
Weise den Rechten Preußens zu nahe treten ge-
wollt. Die „Constitutionelle Zeitung,“ das Or-
gan der Gothaer, ist hingegen zu dieser Zeit em-
sig beschäftigt, „die Gemüther vor Verzweiflung
zu schützen.“ „Preußens Ehre“ verlangt nach
diesem bescheidenen Blatte bloß -- daß „ Oester-
reichs Ehre“ untergehe. Die Parität der beiden
deutschen Großmächte ist durchaus nicht das, was
den Gothaern genügt; sie wollen die alleinige
Oberherrlichkeit Preußens in Deutschland, oder
wenigstens die Verbannung Oesterreichs aus
Deutschland. Weil Oesterreich weder mit Güte
noch mit Gewalt in eine solche Stellung gebracht
werden kann, darum ist Preußen auf ewig be-
schimpft, und die patriotischen Gemüther von
Gotha, welche nicht einmal die Satisfaction eines
blutigen Bürgerkrieges erlangen können, hüllen
sich darum in Sack und Asche, und vergießen
ihre Thränen in langen Leitartikeln. Es sind
diese Klagen natürlich ein abgekartetes Spiel po-
litischer Charlatans, welche dem Bankerott nahe
stehen, und die gerne unter dem Heere wie unter
den Kammer=Mitgliedern eine künstliche Jndigna-
tion erregen möchten, dessen Fluthen sie selbst
möglicher Weise wieder um flott machen könnten.
Sie werden jedoch ihren Zweck nicht erreichen.
Die Jndignation mag auf ein Paar Stunden
hergestellt werden, der nüchterne, praktische Ver-
stand wird jedoch schnell wieder die Herrschaft ge-
winnen. Wenn Preußen über eine kurze Zeit
seine Stellung in Deutschland nicht allein behaup-
tet und befestigt, sondern auch verbessert und ver-
stärkt haben wird, so wird sich kein Bürger jenes
Landes von den Gothaern, welche die Maske des
preußischen Patriotismus vor das Gesicht nehmen,
um ihren Ehrgeiz und ihren Eigennutz zu ver-
stecken, dem sie so gerne das beste Blut Deutsch-
lands opfern möchten, einreden lassen, daß Preu-
ßen, indem es gewonnen, etwas verloren hat, oder
daß es sich erniedrigte, indem es emporgestiegen ist.

Berlin, 18. Nov. Gestern, Sonntag, begab
sich der bisherige Gesandte der französischen Re-
publik am hiesigen Hofe, Hr. v. Persigny, mit
dem um 11 Uhr abgehenden Bahnzuge nach Pots-
dam und überreichte daselbst Sr. Maj. dem Kö-
nige im Beisein des interimistischen Ministers der
auswärtigen Angelegenheiten, Hrn. v. Manteuffel,
das Schreiben des Präsidenten der französischen
Republik, welches ihn von der hiesigen Mission
zurückberuft.

-- Während französische Blätter bald von 4
Regimentern, bestimmt, die Besatzung Straßburgs
zu verstärken, bald von 14,000 Mann sprechen,
welche ein Beobachtungskorps um jene Stadt bil-
den sollen, wird der N. Pr. Z. aus zuverlässiger
Quelle aus Paris berichtet, daß die Regierung
selber die Stärke des um Straßburg zu bildenden
Beobachtungskorps auf 50,000 Mann angibt.
Nach allen den Rüstungen aber, welche die fran-
zösische Regierung angeordnet hat, scheint es aus
eine weitere Mobilisirung der französischen Armee
abgesehen zu sein, und nicht blos auf die von
50,000 Mann. Wenn man allein auf den in
Limousin, in der Bretagne, Normandie u. s. w.
angeordneten Pferdeankauf blickt, so dürfte diese

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[0002] gibt ihm dafür den Bruderkuß, den Hr. Gabriel wird einrahmen lassen und hängen neben den Ga- gern 'schen, den weltberühmten, als er die schöne Rede gehaltrn in der Paulskirche für den preu- ßischen Kaiser und den Untergang Deutschlands. ( K. Z. ) Hanau, 20. Nov. Von der, den Mitgliedern des hiesigen Obergerichts am 18. d. M. eingeleg- ten militärischen Execution ist dieselbe außer bei den beiden, welche ihren Abschied eingereicht, noch bei zwei anderen Mitgliedern gestern wieder zu- rückgezogen worden. Das Eine war als Jnstruk- tionsrichter nicht in der Lage, Stempel zu ver- wenden und das Andere hatte sich gleich nach dem Einzuge der Bundestruppen für Nachgiebigkeit ausgesprochen. Man hofft aus ahnlichem Grunde und in Berücksichtigung einer eigenthümlichen Stellung als Vorstand eines Collegiums, daß dem Obergerichtsdirektor Mackeldey das Executions- kommando ebenfalls noch heute wieder werde zu- rückgezogen werden. Wie übrigens bei der Auf- lehnung der Behörden und Staatsdiener das Volk sich gleich anfangs völlig passiv und theil- nahmslos verhalten hat, so hat der fernere Wider- stand derselben im besonneneren Theil der hiesigen Bevölkerung durchaus keinen Rückhalt. Die Dinge haben bereits bei den Offizieren ihren Culminations- punkt erreicht, man sieht die Sache als abgemacht an, und wünscht sich je eher je lieber aus den gegenwärtigen drückenden Zuständen heraus, weß- halb man jeden ferneren Widerstand, als diesen Zeitpunkt verzögernd, mißbilligt. Daher haben denn auch die beiden eingereichten Abschiede bei diesem Theile durchaus keinen Eindruck gemacht. Andere, die Ganz = und hauptsächlich die Halbde- mokraten, sind natürlich andrer Ansicht und stellen ihre ganze Hoffnung auf einen Krieg zwischen Oe- sterreich und Preußen. Sie unterlassen dabei nicht, allerlei darauf bezügliche Gerüchte zur Beunruhig- ung der Gemüther auszusprengen, wie z. B. das hier gestern und vorgestern allgemein geglaubte Gerücht, daß der König von Preußen in Folge einer Militärrevolte abgedankt habe, was natür- lich ebenso unwahr war, als die kürzliche Nach- richt der Deutschen Zeitung von der Abdankung des Kurfürsten. ( K. Z. ) Frankfurt, 20. Nov. Die Deutsche Zeitung theilt folgendes Schreiben mit, das der König von Preußen eigenhändig an Hrn. v. Radowitz, unmittelbar nach dessen Rücktritt, gerichtet hat: „Sansouci, 5. Nov. 1850, nach 6 Uhr Abends. So- eben gehen sie zur Thür hinaus, mein treuer und theuerster Freund, und schon nehme ich die Feder, um Jhnen ein Wort der Trauer, der Treue und der Hoffnung nachzurufen. Jch habe Jhre Ent- lassung aus dem auswärtigen Amte gezeichnet, Gott weiß es mit schwerem Herzen. Aber ich habe ja in Freundestreue noch mehr thun müssen. Jch habe Sie im versammelten Rathe um Jhres Entlassungsbegehrens willen gelobt. Das sagt Alles und bezeichnet meine Lage schärfer als es Bücher vermöchten. Jch danke Jhnen aus mei- nem tiefsten Herzen für ihre Amtsführung. Sie war die meisterhafte und geistreiche Ausführung meiner Gedanken und meines Wrllens. Und beide kräftigtrn und hoben sich an Jhrem Willen und Jhren Gedanken, denn wir hatten dieselben. Es war trotz aller Tribulationen eine schöne Zeit, ein schöner Moment meines Lebens und ich werde dem Herrn ( den wir beide bekennen, und auf den wir beide hoffen ) so lang' ich athme, dankbar da- für sein. Gott der Herr geleite Sie und führe in Gnaden bald unsere Wege wieder zusammen. Sein Friede bewahre, umlagere und beselige Sie bis auf Wiedersehen. Das zum Abschied von Jhrem ewig treuen Freunde Friedrich Wilhelm. “ △ Aus Baden, 18. Nov. Gestern haben sämmtliche preußische Truppen, welche seither die Besatzung von Rastatt bildeten, die Festung ver- lassen und ihren Rückmarsch nach Preußen ange- treten. -- Jm Laufe des heutigen Tages werden 2 Bataillon badische Truppen und 100 Mann Oesterreicher in Rastatt einrücken. -- Neuerdings spricht man in wohlunterrichteten Kreisen von der nahe bevorstehenden Abdankung des Großherzogs, Auflösung der Kammern und Entlassung des Mi- nisters v. Marschall. Jn wie weit diese Gerüchte gegründet sind, wird die nächste Zukunft sehen. -- Aus Anlaß des großherzogl. Namensfestes sind mehrere politische Verurtheilte, welche minder gra- virt sind, begnadigt worden. -- Major v. Lud- wig ist zum Stadtkommandanten von Karlsruhe ernannt worden. -- Seit gestern ist der ganze Oberrhein= und Seekreis sowie Hohenzollern von den k. preuß. Truppen gänzlich geräumt. -- Die Verurtheilungen von politisch Angeklagten dauern fort und sind die Blätter des Landes noch immer mit Erkenntnissen angefüllt. Seit unserm letzten Bericht sind 42 Erkenntnisse erfolgt. Zwei lauten freisprechend 40 auf eine Zuchthausstrafe von 1 bis 9 Jahr. -- Viele politische Flüchtlinge, welche zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt waren, haben sich ihren Behörden gestellt und ihre Un- tersuchungen von Neuem führen lassen, indem sie auf ein freisprechendes Urtheil rechnen. -- Das sechste badische Jnf.=Bataillon ist in Karlsruhe eingerückt und wird die dortige Besatzung bilden. -- Hofrath Muhl, der bekannte Redakteur der mittelrheinischen Zeitung, welcher wegen Hochver- raths=Anklage 1 1 / 2 Jahr Flüchtling war, hat sich seiner Behörde in Baden=Baden gestellt. -- Sie werden sich erinnern, daß vor mehreren Monaten eine den höhern Klassen angehörende Dame in Baden=Baden wegen Gelderschleichung verhaftet wurde. Anläßlich dieser Untersuchung soll sich dringender Verdacht gegen sie gewendet haben, die Wärterin des im Frühjahr unter sonderbaren Um- ständen verstorbenen Fräuleins v. Bunsen zu sein. Man ist auf das weitere Resultat der Untersu- chung sehr begierig. -- Von dem bekannten und sehr beliebten Romanschriftsteller Otto Müller in Mannheim ( seit mehreren Jahren Redakteur des Mannheimer Journals ) sind wieder drei Romane unter der Presse und werden nächstens erscheinen. Personen, welche Gelegenheit hatten, das Ma- niskript zu lesen, geben ihr Urtheil dahin ab, daß dieselben äußerst interessant und spannend sind und den ausgezeichneten Roman „ein deutsches Dich- terleben “ noch übertreffen. Wiesbaden, 18. Nov. Wie wir aus zuver- lassiger Quelle so eben erfahren, wurde der hie- sige Agent der kölnischen Dampfschifffahrtsgesell- schaft gestern von deren Direction benachrichtigt, daß bis auf Weiteres auf den kölnischen Dampf- booten keine Reisenden weiter befördert werden können, da dieselben sämmtlich zum Truppentrans- port verwendet werden müßten. Wir erwarten heute dahier noch den Durchmarsch preußischer Truppen. Unsere Militärmusik ist angewiesen, denselben bis Erbenheim auf der Straße nach Frankfurt entgegen zu gehen, um dieselben hierher zu geleiten. ( M. J. ) Gotha, 16. Nov. Koburg und Hildburghau- sen werden in den nächsten Tagen durch Preußen besetzt; dieselben werden heute schon in Schleusin- gen erwartet, wo gestern für zwei Regimenter Quartier angesagt worden ist. Alle Vorräthe von Schießwaffen sind aus Suhl nach Erfurt geschafft, sogar die noch in Arbeit gewesenen Flintenläufe; auch soll die Fabrik aus Sömmerda nach Mag- geburg oder Spandau verlegt werden. Jn Er- furt sollen 15,000 Mann garnisoniren. Die Trup- penmärsche haben seit acht Tagen aufgehört, da- gegen kommen große Transporte an Commisbrod hier durch. ( N. Hess. Z. ) Hamburg, 15. Nov. Beim Senat ist eine Anforderung der preußischen Regierung, auch un- sere Truppen mobil zu machen, vor einigen Ta- gen zugegangen, so wie eine gleichlautende For- derung an alle von der „Union“ noch nicht zu- rückgetretenen Staaten gerichtet wurde. Der Se- nat hat sich zu einer höflich ablehnenden Antwort bewogen gefunden, was bei den hier allgemein als zwecklos angesehenen preußischen Rüstungen und der neuesten traurigen Schwenkung des Ber- liner Cabiuets schon in Berücksichtigung unserer -- schwächlichen Finanzverhältnisse nur allgemeine Billigung finden kann. ( Köln. Z. ) Wien, 16. Nov. Endlich ist man in Berlin zu der Einsicht gekommen, daß Oesterreich gar keine feindlichen Absichten gegen die „Ehre Preu- ßens “ im Schilde geführt hat. Die conservati- ven Journale, die Reform und die Neue Preu- ßische Zeitung, erkennen es jetzt an, daß Preu- ßens Ehre eigentlich gar nicht dabei beschädigt wird, wenn jenes Land eine noch bessere Stel- lung in Deutschland einnehmen wird, als es je- mals inne hatte. Beide Zeitungen beweisen heute durch ihre Leitartikel, was wir freilich schon viel früher bewiesen hatten, daß dieses Land die red- lichsten Absichten gegen Preußen hegt, und gewiß nicht auf dessen Kosten seine Macht vergrößern will. Uns nimmt es nur Wunder, wie überhaupt zu irgend einer Zeit seit dem März 1848 irgend ein verständiger und redlicher Mensch es hat aus- sprechen können, daß Oesterreich in irgend einer Weise den Rechten Preußens zu nahe treten ge- wollt. Die „Constitutionelle Zeitung,“ das Or- gan der Gothaer, ist hingegen zu dieser Zeit em- sig beschäftigt, „die Gemüther vor Verzweiflung zu schützen.“ „Preußens Ehre“ verlangt nach diesem bescheidenen Blatte bloß -- daß „ Oester- reichs Ehre“ untergehe. Die Parität der beiden deutschen Großmächte ist durchaus nicht das, was den Gothaern genügt; sie wollen die alleinige Oberherrlichkeit Preußens in Deutschland, oder wenigstens die Verbannung Oesterreichs aus Deutschland. Weil Oesterreich weder mit Güte noch mit Gewalt in eine solche Stellung gebracht werden kann, darum ist Preußen auf ewig be- schimpft, und die patriotischen Gemüther von Gotha, welche nicht einmal die Satisfaction eines blutigen Bürgerkrieges erlangen können, hüllen sich darum in Sack und Asche, und vergießen ihre Thränen in langen Leitartikeln. Es sind diese Klagen natürlich ein abgekartetes Spiel po- litischer Charlatans, welche dem Bankerott nahe stehen, und die gerne unter dem Heere wie unter den Kammer=Mitgliedern eine künstliche Jndigna- tion erregen möchten, dessen Fluthen sie selbst möglicher Weise wieder um flott machen könnten. Sie werden jedoch ihren Zweck nicht erreichen. Die Jndignation mag auf ein Paar Stunden hergestellt werden, der nüchterne, praktische Ver- stand wird jedoch schnell wieder die Herrschaft ge- winnen. Wenn Preußen über eine kurze Zeit seine Stellung in Deutschland nicht allein behaup- tet und befestigt, sondern auch verbessert und ver- stärkt haben wird, so wird sich kein Bürger jenes Landes von den Gothaern, welche die Maske des preußischen Patriotismus vor das Gesicht nehmen, um ihren Ehrgeiz und ihren Eigennutz zu ver- stecken, dem sie so gerne das beste Blut Deutsch- lands opfern möchten, einreden lassen, daß Preu- ßen, indem es gewonnen, etwas verloren hat, oder daß es sich erniedrigte, indem es emporgestiegen ist. Berlin, 18. Nov. Gestern, Sonntag, begab sich der bisherige Gesandte der französischen Re- publik am hiesigen Hofe, Hr. v. Persigny, mit dem um 11 Uhr abgehenden Bahnzuge nach Pots- dam und überreichte daselbst Sr. Maj. dem Kö- nige im Beisein des interimistischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, Hrn. v. Manteuffel, das Schreiben des Präsidenten der französischen Republik, welches ihn von der hiesigen Mission zurückberuft. -- Während französische Blätter bald von 4 Regimentern, bestimmt, die Besatzung Straßburgs zu verstärken, bald von 14,000 Mann sprechen, welche ein Beobachtungskorps um jene Stadt bil- den sollen, wird der N. Pr. Z. aus zuverlässiger Quelle aus Paris berichtet, daß die Regierung selber die Stärke des um Straßburg zu bildenden Beobachtungskorps auf 50,000 Mann angibt. Nach allen den Rüstungen aber, welche die fran- zösische Regierung angeordnet hat, scheint es aus eine weitere Mobilisirung der französischen Armee abgesehen zu sein, und nicht blos auf die von 50,000 Mann. Wenn man allein auf den in Limousin, in der Bretagne, Normandie u. s. w. angeordneten Pferdeankauf blickt, so dürfte diese

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Zitationshilfe: Die Bayerische Presse. Nr. 279. Würzburg, 21. November 1850, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_bayerische279_1850/2>, abgerufen am 09.05.2021.