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Die Bayerische Presse. Nr. 138. Würzburg, 10. Juni 1850.

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Die Bayerische Presse.
[Beginn Spaltensatz]
Abonnement:
Ganzjährig 6 fl.
Halbjährig 3 fl.
Vierteljährig 1 fl. 30 kr.
Monatlich für die Stadt 30 kr.

[Spaltenumbruch]
Eine constitutionell-monarchische Zeitung.

[Spaltenumbruch]

Erpedition: Jm Schenkhofe 2. Distr.
Nr. 533.

Einrückungsgebühr: die gespaltene Pe-
titzeile oder deren Raum 3 kr. Briefe
und Gelder frei.

[Ende Spaltensatz]

Nr. 138.
Würzburg, Montag den 10. Juni. 1850.


[Beginn Spaltensatz]
Amtliche Nachrichten.

München, 8. Juni. Das heute erschienene
Regierungs=Blatt Nro. 30 enthält Eingangs eine
Bekanntmachung über den Vollzug des Gesetzes
vom 22. d. Js. den Credit für außerordentliche
Bedürfnisse der Armee betr. Behufs solcher Auf-
nahme von weiteren 7 Millionen Gulden werden
5procent. Anlehens = Schuldscheine zu 1000 fl.,
500 fl. und zu 100 fl. ausgegeben und solche
nach Wunsch des Darleihers entweder auf den
Jnhaber ( au porteur ) oder auf Namen derselben
ausgestellt werden.



Die deutsche Einheit.

g München, 5. Juni. Es fängt an schön zu
werden in Deutschland! Alle Nachrichten aus Ber-
lin und anderen preußischen Städten stimmen da-
rin überein, daß man sich preußischerseits scharf
rüstet und zwar gegen Oesterreich. Wenn es ein
Mal so weit ist, daß man die Festungswälle ra-
sirt, so wird man dieß kaum mehr für bloße De-
monstrationen ansehen dürfen. Der Zeitpunkt zu
einem deutschen Bürgerkrieg ist wirklich gut ge-
wählt: die Rheingrenze von Frankreich her täglich
bedroht, die Lombardei vor Kurzem erst wieder
unterworfen, die Ostgrenze Oesterreichs in zweifel-
haftem Zustand, und Rußland's Horden dicht an
der Nordgrenze Preußens. Doch nein, Rußland
ist ja jetzt ein guter Freund von Deutschland, ich
wollte sagen von Preußen. Rußland muß plötz-
lich sehr weit im politischen Leben und in der Ci-
vilisation fortgeschritten sein, denn das liberale,
für Deutschlands Einheit schwärmende Preußen
ruft es in herzlichem Einverständniß zum Vermitt-
ler in den deutschen Verfassungsangelegenheiten
auf gegenüber dem höchst reaktionären Oesterreich.
Es ist dabei nur zu verwundern, daß man gleich-
zeitig den preußischen Truppen befiehlt, die deut-
schen Cokarden von den Mützen zu nehmen. Viel-
leicht ist dieß nicht so bös gemeint, vielleicht ist
es nur, um die Truppen durch dieses Abwerfen
des überflüssigen Gepäckes desto mobiler zu machen.
Doch nein, wir wissen ja, daß der nüchtere, klare
Verstand sich besonders in Preußen heimisch fühlt,
und einer nüchternen Logik muß allerdings die
deutsche Cokarde in Deutschland gegenwärtig als
etwas sehr unlogisches erscheinen. Es zeigt sich
jetzt auf einmal deutsch genug, welchen Halt die
Jnsinuationen der kleindeutschen Presse hatten, als
sie stets von einem herzlichen Einverständniß Oester-
reichs mit Rußland redete. Die Hülfeleistung
Rußlands für Oesterreich gegen den ungarischen
Aufstand war eine rein selbstsüchtige. Rußland
fühlte sich ebensosehr durch jene Revolution be-
droht, als Oesterreich. Wie Rußland zu Oester-
reich in Bezug auf die östlichsten Territorien des
letzteren steht, weiß man. Es sucht Oesterreich so
viel als möglich zurückzudrängen. Das ist das
herzliche Einverständniß! Die öffentliche Meinung
Deutschlands wird jetzt eines Andern belehrt, als
was noch vor Kurzem die kleindeutsche Presse mit
so viel Mühe sie glauben machen wollte, Preußen
geht jetzt zum Alleinherrscher aller Reußen, und
verklagt -- es erinnert einem unwillkührlich an
die liebe alte Knabenzeit -- Deutschland verklagt
[Spaltenumbruch] Bayern, Württemberg, Sachsen, Oesterreich bei'm
Czaren. Es verläumdet zwar Oesterreich nicht;
es verklagt Oesterreich gewiß nicht wegen dessen
zu großer Stabilität; denn das würde ja dem
Czaren im Gegentheil wohlgefallen. Sondern
Preußen verklagt Oesterreich, daß es ein großes
Deutschland wolle, und verklagt Bayern, Würt-
temberg, Sachsen, daß auch sie ein großes Deutsch-
land wollen. Das stimmt allerdings gut mit der
Cokarden=Geschichte und noch besser mit der Mo-
bilisirung der preußischen Armeen gegen Oester-
reich; denn dieß ist gewiß ein probates Mittel
gegen die Größe Deutschlands. Der russische
Czar wird sich nicht übel in's Fäusichen lachen,
wenn er dieses anhören und ansehen muß. Er
wird denken, mit den Deutschen lasse sich doch
noch was anfangen; die seien nicht so intraktabel
wie die Engländer, die sich auch gar zu wenig
um das Ausland bekümmern.



Landtagsverhandlungen.

München, 7. Juni. ( CXXV. Sitzung der
Kammer der Abgeordneten.
) Die Gallerien
sind schwach besetzt. Am Ministertische: Staats-
minister v. d. Pfordten, später v. Lüder und Mi-
nisterialrath Wolfanger. Der I. Präsident eröff-
net nach viertel über 9 Uhr die Sitzung. Nach
der Verlesung des letzten Sitzungsprotokolls er-
hält Fürst Wallerstein das Wort zu einer An-
frage. Derselbe ersucht den Vorstand des deut-
schen Ausschusses, ihm zu sagen, wann die deut-
schen Vorlagen endlich einmal zur Berathung kä-
men. Es wäre gerade sehr wichtig, zu verneh-
men, was die bayerische Regierung spricht, wäh-
rend in einem andern Staate die Beantwortung
der deutschen Frage die Auflösung der Kammer
herbeigeführt und die Verhandlungen im Osten
immer mehr hervortreten. -- Thinnes als Vor-
stand bemerkt, daß das Referat fertig, es schiene
ihm aber nicht gar so zu eilen, denn in Frank-
furt ginge es sehr langsam. -- Fürst Waller-
stein:
Aber desto schneller in Warschau. --
Staatsminister v. o. Pfordten erklärt sich jeden
Augenblick bereit zur Berathung der Vorlagen. --
Es werden folgende Beschlüsse verlesen: vom Ref.
Förg der Beschluß über die Rückäußerungen der
Kammer der Reichsräthe, bezüglich des Gesetzent-
wurfes, die Einquartierungs= und Vorspannslasten
betr., vom Referenten Dr. v. Hopf der Gesammt-
beschluß über die Nachweisungen bezüglich der
Rechnungen der königlichen Staatsschuldentil-
gungs=Anstalt, dann des Standes der Staats-
schuld. Es wird nun zur Berathung und
Schlußfassung über die Anträge auf Ausscheidung
aus der allgemeinen Jmmobiliar=Feuerversicherungs-
Anstalt und beziehungsweise Abänderung des Ge-
setzes vom 1. Juli 1834 -- die allgemeinen
Brandversicherungsanstalten betreffend, geschritten.
Die Anträge des Ausschusses lauten: I. Den
Anträgen auf Aufhebung der allgemeinen bayeri-
schen Jmmobiliar=Versicherungsanstalt sowohl als
auch auf bloße Decentralisation derselben der Aus-
scheidung nach Kreisen und Städten sei nicht statt
zu geben, dagegen II. an die kgl. Staatsregier-
ung unter Mittheilung sämmtlicher Original=Vor-
stellungen die Bitte zu stellen: 1 ) die dermalen
[Spaltenumbruch] geltende Brandversicherungsordnung unter beson-
derer Rücksichtsnahme auf die erhobenen Beschwer-
den a ) über mangelhafte Classifikation, b ) über
Ueberschätzungen des Gebäudewerthes, c ) über
Mangel an Contolle durch die Betheiligten, d )
über mangelhafte Handhabung der Feuerpolizei
und e ) über Mängel im Vollzug überhaupt, ei-
ner gründlichen Revision zu unterstellen, und einen
hierauf gegründeten Gesetzentwurf dem nächsten
Landtage vorzulegen. 2 ) Die Abstellung jener
Gebrechen, deren Beseitigung schon nach den ge-
genwärtig geltenden Gesetzen und Verordnungen
verfügt werden kann, selbst anzuordnen. -- Kirch-
geßner
beantragt folgende Modifikation zu dem
Ausschußbeschluß Nro. I.: Die hohe Kammer
wolle an Se. Majestät die allerehrfurchtsvollste
Bitte stellen, mit Gesetzeskraft auszusprechen, daß
der Austritt aus der allgemeinen Brandversicher-
ungs=Gesellschaft und die Bildung einer eigenen
Brandversicherungs=Gesellschaft unter der bestehen-
den und resp. gesetzlich zu revidirenden Versicher-
ungsordnung einem jeden Kreise des Königreichs
zu gestatten fei. -- Es wird hierauf die Debatte
eröffnet und es haben sich folgende Redner ge-
meldet: Ruland, Forndran, Wagner, Köhl,
Reinhard.
-- Ruland findet es heute sehr
schwer zu sprechen, da wohl jeder Abgeordnete für
seinen Kreis sprechen möchte. -- Wagner beant-
wortet den Kirchgeßner'schen Antrag. -- Nar, I.
Secr., spricht sich für den Ausschuß aus. -- Es
wird nun noch viel debattirt über diesen Punkt.
-- Stöcker sieht sich sogar veranlaßt, die Mög-
lichkeit, daß Erlangen, Nürnberg, Fürth eine ei-
gene Versicherungs=Anstalt gründen könnten, wi-
dersprechen zu müssen, wodurch derselbe allgemeine
Heiterkeit erregt. -- Nach endlicher Schlußäußer-
ung des Referenten und des Ministerialraths
Wolfanger wird zur Abstimmung geschritten,
die Anträge des Ausschusses werden angenommen,
alle übrigen abgeworfen. Es wird nun zur Be-
rathung und Schlußfassung über die Vorstellung
von Bewohnern von Burg= und Alten = Kundstadt
um Zulassung nicht bayerischer Mobiliarversicher-
ungs=Anstalten betreffend, geschritten. Der Aus-
schuß schlägt vor: 1 ) Dieses Gesuch der königl.
Staatsregierung zur Kenntnißnahme und Würdig-
ung mitzutheilen. 2 ) Die königl. Staatsregier-
ung wolle den betreffenden Mobiliarfeuerversicher-
ungs=Gesellschaften die Auflage machen, gegen be-
stimmte billige Prämien und sonst nothwendige
Kauteln, kein Gesuch um Versicherung abzuweisen,
-- eventuell, wenn diese Gesellschaften dieser Auf-
lage nicht nachkommen sollten, neue Gesellschaften
für den Zweck der Mobiliar - Feuerversicherungs-
Anstalt unter solchen Bedingungen zu autorisiren.
-- Kirchgeßner und Morgenstern stellen
hiezu Modifikationen, welche beide auch die Theil-
nahmserlaubniß für andere Brandassekuranz - Ge-
sellschaften bezwecken. Die Modifikation Kirch-
geßners
und der erste Beschluß des Ausschusses
werden angenommen. Staats = Minister von der
Pfordten: Ein geehrter Redner hat darauf
hingedeutet, daß ein Souverän nach Warschau
gereist sei, wie mehrere Blätter berichten. Red-
ner sei selbst bei der österreichischen Gesandtschaft
während der Kammersitzung gewesen und habe
dort erfahren, daß der Kaiser Wien nicht ver-

Die Bayerische Presse.
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Würzburg, Montag den 10. Juni. 1850.


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Bekanntmachung über den Vollzug des Gesetzes
vom 22. d. Js. den Credit für außerordentliche
Bedürfnisse der Armee betr. Behufs solcher Auf-
nahme von weiteren 7 Millionen Gulden werden
5procent. Anlehens = Schuldscheine zu 1000 fl.,
500 fl. und zu 100 fl. ausgegeben und solche
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ausgestellt werden.



Die deutsche Einheit.

g München, 5. Juni. Es fängt an schön zu
werden in Deutschland! Alle Nachrichten aus Ber-
lin und anderen preußischen Städten stimmen da-
rin überein, daß man sich preußischerseits scharf
rüstet und zwar gegen Oesterreich. Wenn es ein
Mal so weit ist, daß man die Festungswälle ra-
sirt, so wird man dieß kaum mehr für bloße De-
monstrationen ansehen dürfen. Der Zeitpunkt zu
einem deutschen Bürgerkrieg ist wirklich gut ge-
wählt: die Rheingrenze von Frankreich her täglich
bedroht, die Lombardei vor Kurzem erst wieder
unterworfen, die Ostgrenze Oesterreichs in zweifel-
haftem Zustand, und Rußland's Horden dicht an
der Nordgrenze Preußens. Doch nein, Rußland
ist ja jetzt ein guter Freund von Deutschland, ich
wollte sagen von Preußen. Rußland muß plötz-
lich sehr weit im politischen Leben und in der Ci-
vilisation fortgeschritten sein, denn das liberale,
für Deutschlands Einheit schwärmende Preußen
ruft es in herzlichem Einverständniß zum Vermitt-
ler in den deutschen Verfassungsangelegenheiten
auf gegenüber dem höchst reaktionären Oesterreich.
Es ist dabei nur zu verwundern, daß man gleich-
zeitig den preußischen Truppen befiehlt, die deut-
schen Cokarden von den Mützen zu nehmen. Viel-
leicht ist dieß nicht so bös gemeint, vielleicht ist
es nur, um die Truppen durch dieses Abwerfen
des überflüssigen Gepäckes desto mobiler zu machen.
Doch nein, wir wissen ja, daß der nüchtere, klare
Verstand sich besonders in Preußen heimisch fühlt,
und einer nüchternen Logik muß allerdings die
deutsche Cokarde in Deutschland gegenwärtig als
etwas sehr unlogisches erscheinen. Es zeigt sich
jetzt auf einmal deutsch genug, welchen Halt die
Jnsinuationen der kleindeutschen Presse hatten, als
sie stets von einem herzlichen Einverständniß Oester-
reichs mit Rußland redete. Die Hülfeleistung
Rußlands für Oesterreich gegen den ungarischen
Aufstand war eine rein selbstsüchtige. Rußland
fühlte sich ebensosehr durch jene Revolution be-
droht, als Oesterreich. Wie Rußland zu Oester-
reich in Bezug auf die östlichsten Territorien des
letzteren steht, weiß man. Es sucht Oesterreich so
viel als möglich zurückzudrängen. Das ist das
herzliche Einverständniß! Die öffentliche Meinung
Deutschlands wird jetzt eines Andern belehrt, als
was noch vor Kurzem die kleindeutsche Presse mit
so viel Mühe sie glauben machen wollte, Preußen
geht jetzt zum Alleinherrscher aller Reußen, und
verklagt -- es erinnert einem unwillkührlich an
die liebe alte Knabenzeit -- Deutschland verklagt
[Spaltenumbruch] Bayern, Württemberg, Sachsen, Oesterreich bei'm
Czaren. Es verläumdet zwar Oesterreich nicht;
es verklagt Oesterreich gewiß nicht wegen dessen
zu großer Stabilität; denn das würde ja dem
Czaren im Gegentheil wohlgefallen. Sondern
Preußen verklagt Oesterreich, daß es ein großes
Deutschland wolle, und verklagt Bayern, Würt-
temberg, Sachsen, daß auch sie ein großes Deutsch-
land wollen. Das stimmt allerdings gut mit der
Cokarden=Geschichte und noch besser mit der Mo-
bilisirung der preußischen Armeen gegen Oester-
reich; denn dieß ist gewiß ein probates Mittel
gegen die Größe Deutschlands. Der russische
Czar wird sich nicht übel in's Fäusichen lachen,
wenn er dieses anhören und ansehen muß. Er
wird denken, mit den Deutschen lasse sich doch
noch was anfangen; die seien nicht so intraktabel
wie die Engländer, die sich auch gar zu wenig
um das Ausland bekümmern.



Landtagsverhandlungen.

München, 7. Juni. ( CXXV. Sitzung der
Kammer der Abgeordneten.
) Die Gallerien
sind schwach besetzt. Am Ministertische: Staats-
minister v. d. Pfordten, später v. Lüder und Mi-
nisterialrath Wolfanger. Der I. Präsident eröff-
net nach viertel über 9 Uhr die Sitzung. Nach
der Verlesung des letzten Sitzungsprotokolls er-
hält Fürst Wallerstein das Wort zu einer An-
frage. Derselbe ersucht den Vorstand des deut-
schen Ausschusses, ihm zu sagen, wann die deut-
schen Vorlagen endlich einmal zur Berathung kä-
men. Es wäre gerade sehr wichtig, zu verneh-
men, was die bayerische Regierung spricht, wäh-
rend in einem andern Staate die Beantwortung
der deutschen Frage die Auflösung der Kammer
herbeigeführt und die Verhandlungen im Osten
immer mehr hervortreten. -- Thinnes als Vor-
stand bemerkt, daß das Referat fertig, es schiene
ihm aber nicht gar so zu eilen, denn in Frank-
furt ginge es sehr langsam. -- Fürst Waller-
stein:
Aber desto schneller in Warschau. --
Staatsminister v. o. Pfordten erklärt sich jeden
Augenblick bereit zur Berathung der Vorlagen. --
Es werden folgende Beschlüsse verlesen: vom Ref.
Förg der Beschluß über die Rückäußerungen der
Kammer der Reichsräthe, bezüglich des Gesetzent-
wurfes, die Einquartierungs= und Vorspannslasten
betr., vom Referenten Dr. v. Hopf der Gesammt-
beschluß über die Nachweisungen bezüglich der
Rechnungen der königlichen Staatsschuldentil-
gungs=Anstalt, dann des Standes der Staats-
schuld. Es wird nun zur Berathung und
Schlußfassung über die Anträge auf Ausscheidung
aus der allgemeinen Jmmobiliar=Feuerversicherungs-
Anstalt und beziehungsweise Abänderung des Ge-
setzes vom 1. Juli 1834 -- die allgemeinen
Brandversicherungsanstalten betreffend, geschritten.
Die Anträge des Ausschusses lauten: I. Den
Anträgen auf Aufhebung der allgemeinen bayeri-
schen Jmmobiliar=Versicherungsanstalt sowohl als
auch auf bloße Decentralisation derselben der Aus-
scheidung nach Kreisen und Städten sei nicht statt
zu geben, dagegen II. an die kgl. Staatsregier-
ung unter Mittheilung sämmtlicher Original=Vor-
stellungen die Bitte zu stellen: 1 ) die dermalen
[Spaltenumbruch] geltende Brandversicherungsordnung unter beson-
derer Rücksichtsnahme auf die erhobenen Beschwer-
den a ) über mangelhafte Classifikation, b ) über
Ueberschätzungen des Gebäudewerthes, c ) über
Mangel an Contolle durch die Betheiligten, d )
über mangelhafte Handhabung der Feuerpolizei
und e ) über Mängel im Vollzug überhaupt, ei-
ner gründlichen Revision zu unterstellen, und einen
hierauf gegründeten Gesetzentwurf dem nächsten
Landtage vorzulegen. 2 ) Die Abstellung jener
Gebrechen, deren Beseitigung schon nach den ge-
genwärtig geltenden Gesetzen und Verordnungen
verfügt werden kann, selbst anzuordnen. -- Kirch-
geßner
beantragt folgende Modifikation zu dem
Ausschußbeschluß Nro. I.: Die hohe Kammer
wolle an Se. Majestät die allerehrfurchtsvollste
Bitte stellen, mit Gesetzeskraft auszusprechen, daß
der Austritt aus der allgemeinen Brandversicher-
ungs=Gesellschaft und die Bildung einer eigenen
Brandversicherungs=Gesellschaft unter der bestehen-
den und resp. gesetzlich zu revidirenden Versicher-
ungsordnung einem jeden Kreise des Königreichs
zu gestatten fei. -- Es wird hierauf die Debatte
eröffnet und es haben sich folgende Redner ge-
meldet: Ruland, Forndran, Wagner, Köhl,
Reinhard.
-- Ruland findet es heute sehr
schwer zu sprechen, da wohl jeder Abgeordnete für
seinen Kreis sprechen möchte. -- Wagner beant-
wortet den Kirchgeßner'schen Antrag. -- Nar, I.
Secr., spricht sich für den Ausschuß aus. -- Es
wird nun noch viel debattirt über diesen Punkt.
-- Stöcker sieht sich sogar veranlaßt, die Mög-
lichkeit, daß Erlangen, Nürnberg, Fürth eine ei-
gene Versicherungs=Anstalt gründen könnten, wi-
dersprechen zu müssen, wodurch derselbe allgemeine
Heiterkeit erregt. -- Nach endlicher Schlußäußer-
ung des Referenten und des Ministerialraths
Wolfanger wird zur Abstimmung geschritten,
die Anträge des Ausschusses werden angenommen,
alle übrigen abgeworfen. Es wird nun zur Be-
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schuß schlägt vor: 1 ) Dieses Gesuch der königl.
Staatsregierung zur Kenntnißnahme und Würdig-
ung mitzutheilen. 2 ) Die königl. Staatsregier-
ung wolle den betreffenden Mobiliarfeuerversicher-
ungs=Gesellschaften die Auflage machen, gegen be-
stimmte billige Prämien und sonst nothwendige
Kauteln, kein Gesuch um Versicherung abzuweisen,
-- eventuell, wenn diese Gesellschaften dieser Auf-
lage nicht nachkommen sollten, neue Gesellschaften
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-- Kirchgeßner und Morgenstern stellen
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sellschaften bezwecken. Die Modifikation Kirch-
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und der erste Beschluß des Ausschusses
werden angenommen. Staats = Minister von der
Pfordten: Ein geehrter Redner hat darauf
hingedeutet, daß ein Souverän nach Warschau
gereist sei, wie mehrere Blätter berichten. Red-
ner sei selbst bei der österreichischen Gesandtschaft
während der Kammersitzung gewesen und habe
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[0001] Die Bayerische Presse. Abonnement: Ganzjährig 6 fl. Halbjährig 3 fl. Vierteljährig 1 fl. 30 kr. Monatlich für die Stadt 30 kr. Eine constitutionell-monarchische Zeitung. Erpedition: Jm Schenkhofe 2. Distr. Nr. 533. Einrückungsgebühr: die gespaltene Pe- titzeile oder deren Raum 3 kr. Briefe und Gelder frei. Nr. 138. Würzburg, Montag den 10. Juni. 1850. Amtliche Nachrichten. München, 8. Juni. Das heute erschienene Regierungs=Blatt Nro. 30 enthält Eingangs eine Bekanntmachung über den Vollzug des Gesetzes vom 22. d. Js. den Credit für außerordentliche Bedürfnisse der Armee betr. Behufs solcher Auf- nahme von weiteren 7 Millionen Gulden werden 5procent. Anlehens = Schuldscheine zu 1000 fl., 500 fl. und zu 100 fl. ausgegeben und solche nach Wunsch des Darleihers entweder auf den Jnhaber ( au porteur ) oder auf Namen derselben ausgestellt werden. Die deutsche Einheit. g München, 5. Juni. Es fängt an schön zu werden in Deutschland! Alle Nachrichten aus Ber- lin und anderen preußischen Städten stimmen da- rin überein, daß man sich preußischerseits scharf rüstet und zwar gegen Oesterreich. Wenn es ein Mal so weit ist, daß man die Festungswälle ra- sirt, so wird man dieß kaum mehr für bloße De- monstrationen ansehen dürfen. Der Zeitpunkt zu einem deutschen Bürgerkrieg ist wirklich gut ge- wählt: die Rheingrenze von Frankreich her täglich bedroht, die Lombardei vor Kurzem erst wieder unterworfen, die Ostgrenze Oesterreichs in zweifel- haftem Zustand, und Rußland's Horden dicht an der Nordgrenze Preußens. Doch nein, Rußland ist ja jetzt ein guter Freund von Deutschland, ich wollte sagen von Preußen. Rußland muß plötz- lich sehr weit im politischen Leben und in der Ci- vilisation fortgeschritten sein, denn das liberale, für Deutschlands Einheit schwärmende Preußen ruft es in herzlichem Einverständniß zum Vermitt- ler in den deutschen Verfassungsangelegenheiten auf gegenüber dem höchst reaktionären Oesterreich. Es ist dabei nur zu verwundern, daß man gleich- zeitig den preußischen Truppen befiehlt, die deut- schen Cokarden von den Mützen zu nehmen. Viel- leicht ist dieß nicht so bös gemeint, vielleicht ist es nur, um die Truppen durch dieses Abwerfen des überflüssigen Gepäckes desto mobiler zu machen. Doch nein, wir wissen ja, daß der nüchtere, klare Verstand sich besonders in Preußen heimisch fühlt, und einer nüchternen Logik muß allerdings die deutsche Cokarde in Deutschland gegenwärtig als etwas sehr unlogisches erscheinen. Es zeigt sich jetzt auf einmal deutsch genug, welchen Halt die Jnsinuationen der kleindeutschen Presse hatten, als sie stets von einem herzlichen Einverständniß Oester- reichs mit Rußland redete. Die Hülfeleistung Rußlands für Oesterreich gegen den ungarischen Aufstand war eine rein selbstsüchtige. Rußland fühlte sich ebensosehr durch jene Revolution be- droht, als Oesterreich. Wie Rußland zu Oester- reich in Bezug auf die östlichsten Territorien des letzteren steht, weiß man. Es sucht Oesterreich so viel als möglich zurückzudrängen. Das ist das herzliche Einverständniß! Die öffentliche Meinung Deutschlands wird jetzt eines Andern belehrt, als was noch vor Kurzem die kleindeutsche Presse mit so viel Mühe sie glauben machen wollte, Preußen geht jetzt zum Alleinherrscher aller Reußen, und verklagt -- es erinnert einem unwillkührlich an die liebe alte Knabenzeit -- Deutschland verklagt Bayern, Württemberg, Sachsen, Oesterreich bei'm Czaren. Es verläumdet zwar Oesterreich nicht; es verklagt Oesterreich gewiß nicht wegen dessen zu großer Stabilität; denn das würde ja dem Czaren im Gegentheil wohlgefallen. Sondern Preußen verklagt Oesterreich, daß es ein großes Deutschland wolle, und verklagt Bayern, Würt- temberg, Sachsen, daß auch sie ein großes Deutsch- land wollen. Das stimmt allerdings gut mit der Cokarden=Geschichte und noch besser mit der Mo- bilisirung der preußischen Armeen gegen Oester- reich; denn dieß ist gewiß ein probates Mittel gegen die Größe Deutschlands. Der russische Czar wird sich nicht übel in's Fäusichen lachen, wenn er dieses anhören und ansehen muß. Er wird denken, mit den Deutschen lasse sich doch noch was anfangen; die seien nicht so intraktabel wie die Engländer, die sich auch gar zu wenig um das Ausland bekümmern. Landtagsverhandlungen. München, 7. Juni. ( CXXV. Sitzung der Kammer der Abgeordneten. ) Die Gallerien sind schwach besetzt. Am Ministertische: Staats- minister v. d. Pfordten, später v. Lüder und Mi- nisterialrath Wolfanger. Der I. Präsident eröff- net nach viertel über 9 Uhr die Sitzung. Nach der Verlesung des letzten Sitzungsprotokolls er- hält Fürst Wallerstein das Wort zu einer An- frage. Derselbe ersucht den Vorstand des deut- schen Ausschusses, ihm zu sagen, wann die deut- schen Vorlagen endlich einmal zur Berathung kä- men. Es wäre gerade sehr wichtig, zu verneh- men, was die bayerische Regierung spricht, wäh- rend in einem andern Staate die Beantwortung der deutschen Frage die Auflösung der Kammer herbeigeführt und die Verhandlungen im Osten immer mehr hervortreten. -- Thinnes als Vor- stand bemerkt, daß das Referat fertig, es schiene ihm aber nicht gar so zu eilen, denn in Frank- furt ginge es sehr langsam. -- Fürst Waller- stein: Aber desto schneller in Warschau. -- Staatsminister v. o. Pfordten erklärt sich jeden Augenblick bereit zur Berathung der Vorlagen. -- Es werden folgende Beschlüsse verlesen: vom Ref. Förg der Beschluß über die Rückäußerungen der Kammer der Reichsräthe, bezüglich des Gesetzent- wurfes, die Einquartierungs= und Vorspannslasten betr., vom Referenten Dr. v. Hopf der Gesammt- beschluß über die Nachweisungen bezüglich der Rechnungen der königlichen Staatsschuldentil- gungs=Anstalt, dann des Standes der Staats- schuld. Es wird nun zur Berathung und Schlußfassung über die Anträge auf Ausscheidung aus der allgemeinen Jmmobiliar=Feuerversicherungs- Anstalt und beziehungsweise Abänderung des Ge- setzes vom 1. Juli 1834 -- die allgemeinen Brandversicherungsanstalten betreffend, geschritten. Die Anträge des Ausschusses lauten: I. Den Anträgen auf Aufhebung der allgemeinen bayeri- schen Jmmobiliar=Versicherungsanstalt sowohl als auch auf bloße Decentralisation derselben der Aus- scheidung nach Kreisen und Städten sei nicht statt zu geben, dagegen II. an die kgl. Staatsregier- ung unter Mittheilung sämmtlicher Original=Vor- stellungen die Bitte zu stellen: 1 ) die dermalen geltende Brandversicherungsordnung unter beson- derer Rücksichtsnahme auf die erhobenen Beschwer- den a ) über mangelhafte Classifikation, b ) über Ueberschätzungen des Gebäudewerthes, c ) über Mangel an Contolle durch die Betheiligten, d ) über mangelhafte Handhabung der Feuerpolizei und e ) über Mängel im Vollzug überhaupt, ei- ner gründlichen Revision zu unterstellen, und einen hierauf gegründeten Gesetzentwurf dem nächsten Landtage vorzulegen. 2 ) Die Abstellung jener Gebrechen, deren Beseitigung schon nach den ge- genwärtig geltenden Gesetzen und Verordnungen verfügt werden kann, selbst anzuordnen. -- Kirch- geßner beantragt folgende Modifikation zu dem Ausschußbeschluß Nro. I.: Die hohe Kammer wolle an Se. Majestät die allerehrfurchtsvollste Bitte stellen, mit Gesetzeskraft auszusprechen, daß der Austritt aus der allgemeinen Brandversicher- ungs=Gesellschaft und die Bildung einer eigenen Brandversicherungs=Gesellschaft unter der bestehen- den und resp. gesetzlich zu revidirenden Versicher- ungsordnung einem jeden Kreise des Königreichs zu gestatten fei. -- Es wird hierauf die Debatte eröffnet und es haben sich folgende Redner ge- meldet: Ruland, Forndran, Wagner, Köhl, Reinhard. -- Ruland findet es heute sehr schwer zu sprechen, da wohl jeder Abgeordnete für seinen Kreis sprechen möchte. -- Wagner beant- wortet den Kirchgeßner'schen Antrag. -- Nar, I. Secr., spricht sich für den Ausschuß aus. -- Es wird nun noch viel debattirt über diesen Punkt. -- Stöcker sieht sich sogar veranlaßt, die Mög- lichkeit, daß Erlangen, Nürnberg, Fürth eine ei- gene Versicherungs=Anstalt gründen könnten, wi- dersprechen zu müssen, wodurch derselbe allgemeine Heiterkeit erregt. -- Nach endlicher Schlußäußer- ung des Referenten und des Ministerialraths Wolfanger wird zur Abstimmung geschritten, die Anträge des Ausschusses werden angenommen, alle übrigen abgeworfen. Es wird nun zur Be- rathung und Schlußfassung über die Vorstellung von Bewohnern von Burg= und Alten = Kundstadt um Zulassung nicht bayerischer Mobiliarversicher- ungs=Anstalten betreffend, geschritten. Der Aus- schuß schlägt vor: 1 ) Dieses Gesuch der königl. Staatsregierung zur Kenntnißnahme und Würdig- ung mitzutheilen. 2 ) Die königl. Staatsregier- ung wolle den betreffenden Mobiliarfeuerversicher- ungs=Gesellschaften die Auflage machen, gegen be- stimmte billige Prämien und sonst nothwendige Kauteln, kein Gesuch um Versicherung abzuweisen, -- eventuell, wenn diese Gesellschaften dieser Auf- lage nicht nachkommen sollten, neue Gesellschaften für den Zweck der Mobiliar - Feuerversicherungs- Anstalt unter solchen Bedingungen zu autorisiren. -- Kirchgeßner und Morgenstern stellen hiezu Modifikationen, welche beide auch die Theil- nahmserlaubniß für andere Brandassekuranz - Ge- sellschaften bezwecken. Die Modifikation Kirch- geßners und der erste Beschluß des Ausschusses werden angenommen. Staats = Minister von der Pfordten: Ein geehrter Redner hat darauf hingedeutet, daß ein Souverän nach Warschau gereist sei, wie mehrere Blätter berichten. Red- ner sei selbst bei der österreichischen Gesandtschaft während der Kammersitzung gewesen und habe dort erfahren, daß der Kaiser Wien nicht ver-

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Zitationshilfe: Die Bayerische Presse. Nr. 138. Würzburg, 10. Juni 1850, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_bayerische138_1850/1>, abgerufen am 28.06.2022.