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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 2. Berlin, 1788.

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1) Wir Menschen können uns, als Menschen, die Existenz der Seele nicht anders, als im Raume, vorstellen.
2) Jm Raume aber kann die Seele nicht seyn, weil die Materie schon unendlich ist, und es gar keinen leeren Raum giebt, der nicht ausgefüllt werden könnte.
3) Gleichwohl fließt hieraus noch nicht, daß die Seele darum überhaupt nicht existiren könne. Denn, daß wir uns Existenz nicht anders, als im Raume, vorzustellen vermögen, daran sind unsre Sinne schuld. Wenn die Seele dereinst von diesen nicht mehr gehindert werden wird, kann sie sich eine andre Art der Existenz, als im Raume, vorstellen, und folglich kann sie doch seyn.

Theokles.

Jetzt fassen Sie das Resultat zusammen. Daß die Seele nach dem Tode existiren werde, haben wir vorausgesetzt, wo sie existiren, und wie sie existiren wird, wissen wir nicht, und können es als Menschen niemals ergründen.

Damas.

Wie wenig ist es doch, was der Mensch von der Zukunft jenseit des Grabes weiß!-- Man sollte das einem jeden sagen. Denn ich habe Men-


1) Wir Menschen koͤnnen uns, als Menschen, die Existenz der Seele nicht anders, als im Raume, vorstellen.
2) Jm Raume aber kann die Seele nicht seyn, weil die Materie schon unendlich ist, und es gar keinen leeren Raum giebt, der nicht ausgefuͤllt werden koͤnnte.
3) Gleichwohl fließt hieraus noch nicht, daß die Seele darum uͤberhaupt nicht existiren koͤnne. Denn, daß wir uns Existenz nicht anders, als im Raume, vorzustellen vermoͤgen, daran sind unsre Sinne schuld. Wenn die Seele dereinst von diesen nicht mehr gehindert werden wird, kann sie sich eine andre Art der Existenz, als im Raume, vorstellen, und folglich kann sie doch seyn.

Theokles.

Jetzt fassen Sie das Resultat zusammen. Daß die Seele nach dem Tode existiren werde, haben wir vorausgesetzt, wo sie existiren, und wie sie existiren wird, wissen wir nicht, und koͤnnen es als Menschen niemals ergruͤnden.

Damas.

Wie wenig ist es doch, was der Mensch von der Zukunft jenseit des Grabes weiß!— Man sollte das einem jeden sagen. Denn ich habe Men-

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[46/0046] 1) Wir Menschen koͤnnen uns, als Menschen, die Existenz der Seele nicht anders, als im Raume, vorstellen. 2) Jm Raume aber kann die Seele nicht seyn, weil die Materie schon unendlich ist, und es gar keinen leeren Raum giebt, der nicht ausgefuͤllt werden koͤnnte. 3) Gleichwohl fließt hieraus noch nicht, daß die Seele darum uͤberhaupt nicht existiren koͤnne. Denn, daß wir uns Existenz nicht anders, als im Raume, vorzustellen vermoͤgen, daran sind unsre Sinne schuld. Wenn die Seele dereinst von diesen nicht mehr gehindert werden wird, kann sie sich eine andre Art der Existenz, als im Raume, vorstellen, und folglich kann sie doch seyn. Theokles. Jetzt fassen Sie das Resultat zusammen. Daß die Seele nach dem Tode existiren werde, haben wir vorausgesetzt, wo sie existiren, und wie sie existiren wird, wissen wir nicht, und koͤnnen es als Menschen niemals ergruͤnden. Damas. Wie wenig ist es doch, was der Mensch von der Zukunft jenseit des Grabes weiß!— Man sollte das einem jeden sagen. Denn ich habe Men-

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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 2. Berlin, 1788, S. 46. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0602_1788/46>, abgerufen am 14.04.2024.