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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 1. Berlin, 1788.

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liche Einbildungskraft sucht sich nach dem Vorrathe der wenigen vorhandenen Jdeen in dem Gehirn des ungebildeten Menschenverstandes, Erscheinungen in der Natur durch unsichtbare Wesen zu erklären, und, so weit auch der Begriff eines Geistes ausser der Sphäre eines noch unangebauten Verstandes liegt, sich doch gewisse Kräfte zu personificiren, wovon jene Naturphänomene Würkungen seyn sollen. Denn, daß jede Würkung eine Ursach haben müsse, auf diesen Satz wird auch der ungebildetste Menschenverstand alle Augenblicke so sehr hingerissen, daß er ihm bald zum Axiom wird, so gut er es für den Philosophen ist. Ausserordentliche Würkungen werden also ausserordentlichen Wesen zugeschrieben, die sich aber der menschliche Verstand wohl nie als Geister im metaphysischen Sinn gedacht haben würde, wenn hinterher nicht von speculativen Köpfen ein Unterschied zwischen körperlichen und unkörperlichen Wesen festgesezt worden wäre, den man von dem Menschen selbst abstrahirte. Ob dieser Unterschied reel sey, darüber haben sich die Philosophen alle Jahrhunderte gestritten, und werden sich, - zum Beweis, daß der Begriff eines Geistes noch nicht genau bestimmt ist, - und vielleicht ausser den Gränzen der menschlichen Vernunft liegt, noch ferner darüben streiten.




liche Einbildungskraft sucht sich nach dem Vorrathe der wenigen vorhandenen Jdeen in dem Gehirn des ungebildeten Menschenverstandes, Erscheinungen in der Natur durch unsichtbare Wesen zu erklaͤren, und, so weit auch der Begriff eines Geistes ausser der Sphaͤre eines noch unangebauten Verstandes liegt, sich doch gewisse Kraͤfte zu personificiren, wovon jene Naturphaͤnomene Wuͤrkungen seyn sollen. Denn, daß jede Wuͤrkung eine Ursach haben muͤsse, auf diesen Satz wird auch der ungebildetste Menschenverstand alle Augenblicke so sehr hingerissen, daß er ihm bald zum Axiom wird, so gut er es fuͤr den Philosophen ist. Ausserordentliche Wuͤrkungen werden also ausserordentlichen Wesen zugeschrieben, die sich aber der menschliche Verstand wohl nie als Geister im metaphysischen Sinn gedacht haben wuͤrde, wenn hinterher nicht von speculativen Koͤpfen ein Unterschied zwischen koͤrperlichen und unkoͤrperlichen Wesen festgesezt worden waͤre, den man von dem Menschen selbst abstrahirte. Ob dieser Unterschied reel sey, daruͤber haben sich die Philosophen alle Jahrhunderte gestritten, und werden sich, – zum Beweis, daß der Begriff eines Geistes noch nicht genau bestimmt ist, – und vielleicht ausser den Graͤnzen der menschlichen Vernunft liegt, noch ferner daruͤben streiten.



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[26/0028] liche Einbildungskraft sucht sich nach dem Vorrathe der wenigen vorhandenen Jdeen in dem Gehirn des ungebildeten Menschenverstandes, Erscheinungen in der Natur durch unsichtbare Wesen zu erklaͤren, und, so weit auch der Begriff eines Geistes ausser der Sphaͤre eines noch unangebauten Verstandes liegt, sich doch gewisse Kraͤfte zu personificiren, wovon jene Naturphaͤnomene Wuͤrkungen seyn sollen. Denn, daß jede Wuͤrkung eine Ursach haben muͤsse, auf diesen Satz wird auch der ungebildetste Menschenverstand alle Augenblicke so sehr hingerissen, daß er ihm bald zum Axiom wird, so gut er es fuͤr den Philosophen ist. Ausserordentliche Wuͤrkungen werden also ausserordentlichen Wesen zugeschrieben, die sich aber der menschliche Verstand wohl nie als Geister im metaphysischen Sinn gedacht haben wuͤrde, wenn hinterher nicht von speculativen Koͤpfen ein Unterschied zwischen koͤrperlichen und unkoͤrperlichen Wesen festgesezt worden waͤre, den man von dem Menschen selbst abstrahirte. Ob dieser Unterschied reel sey, daruͤber haben sich die Philosophen alle Jahrhunderte gestritten, und werden sich, – zum Beweis, daß der Begriff eines Geistes noch nicht genau bestimmt ist, – und vielleicht ausser den Graͤnzen der menschlichen Vernunft liegt, noch ferner daruͤben streiten.

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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 6, St. 1. Berlin, 1788, S. 26. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0601_1788/28>, abgerufen am 01.03.2024.