Obgleich im Distrikt Stoke nur 30.6 %, und in Wolstanton nur 30.4 % der männlichen Bevölkerung über 20 Jahre in den Töpfereien beschäftigt sind, fällt im ersten Distrikt mehr als die Hälfte der Todesfälle an Brustkrankheiten unter Männern über 20 Jahren, und im letzteren Distrikt ungefähr 2/5 , auf Töpfer. Dr. Boothroyd, praktischer Arzt zu Han- ley, sagt aus: "Jede successive Generation der Töpfer ist zwerghafter und schwächer als die vorhergehende." Ebenso ein anderer Arzt, Herr Mc Bean: "Seit ich vor 25 Jahren meine Praxis unter den Töpfern be- gann, hat sich die auffallende Entartung dieser Klasse fortschreitend in Abnahme von Gestalt und Gewicht gezeigt." Diese Aussagen sind dem Bericht des Dr. Greenhow von 1860 entnommen68).
Aus dem Bericht der Kommissäre von 1863 Folgendes: Dr. J. T. Arledge, Oberarzt des North Staffordshire Krankenhauses, sagt: "Als eine Klasse repräsentiren die Töpfer, Männer und Frauen ... eine entartete Bevölkerung, physisch und moralisch. Sie sind in der Regel verzwergt, schlecht gebaut, und oft an der Brust verwachsen. Sie altern vorzeitig und sind kurzlebig; phlegmatisch und blutlos, verrathen sie die Schwäche ihrer Konstitution durch hartnäckige Anfälle von Dyspepsie, Leber- und Nierenstörungen und Rheumatismus. Vor allem aber sind sie Brustkrank- heiten unterworfen, der Pneumonie, Phthisis, Bronchitis und dem Asthma. Eine Form des letztern ist ihnen eigenthümlich und bekannt unter dem Namen des Töpfer-Asthma oder der Töpfer-Schwindsucht. Skrophulose, die Mandeln, Knochen oder andre Körpertheile angreift, ist eine Krank- heit von mehr als zwei Dritttheilen der Töpfer ... Dass die Entartung (Degenerescence) der Bevölkerung dieses Distrikts nicht noch viel grösser ist, verdankt sie ausschliesslich der Rekrutirung aus den umliegenden Landdistrikten und den Zwischenheirathen mit gesundern Racen." Herr Charles Pearson, vor kurzem noch House Surgeon derselben Kran- kenanstalt, schreibt in einem Briefe an den Kommissär Longe u. a.: "Ich kann nur aus persönlicher Beobachtung, nicht statistisch sprechen, aber ich stehe nicht an zu versichern, dass meine Empörung wieder und wieder aufkochte bei dem Anblick dieser armen Kinder, deren Gesundheit geopfert wurde, um der Habgier ihrer Eltern und Arbeitsgeber zu fröhnen." Er zählt die Ursachen der Töpferkrankheiten auf und schliesst sie culminirend
68) "Public Health. 3d Report etc.", p. 102, 104, 105.
Obgleich im Distrikt Stoke nur 30.6 %, und in Wolstanton nur 30.4 % der männlichen Bevölkerung über 20 Jahre in den Töpfereien beschäftigt sind, fällt im ersten Distrikt mehr als die Hälfte der Todesfälle an Brustkrankheiten unter Männern über 20 Jahren, und im letzteren Distrikt ungefähr ⅖, auf Töpfer. Dr. Boothroyd, praktischer Arzt zu Han- ley, sagt aus: „Jede successive Generation der Töpfer ist zwerghafter und schwächer als die vorhergehende.“ Ebenso ein anderer Arzt, Herr Mc Bean: „Seit ich vor 25 Jahren meine Praxis unter den Töpfern be- gann, hat sich die auffallende Entartung dieser Klasse fortschreitend in Abnahme von Gestalt und Gewicht gezeigt.“ Diese Aussagen sind dem Bericht des Dr. Greenhow von 1860 entnommen68).
Aus dem Bericht der Kommissäre von 1863 Folgendes: Dr. J. T. Arledge, Oberarzt des North Staffordshire Krankenhauses, sagt: „Als eine Klasse repräsentiren die Töpfer, Männer und Frauen … eine entartete Bevölkerung, physisch und moralisch. Sie sind in der Regel verzwergt, schlecht gebaut, und oft an der Brust verwachsen. Sie altern vorzeitig und sind kurzlebig; phlegmatisch und blutlos, verrathen sie die Schwäche ihrer Konstitution durch hartnäckige Anfälle von Dyspepsie, Leber- und Nierenstörungen und Rheumatismus. Vor allem aber sind sie Brustkrank- heiten unterworfen, der Pneumonie, Phthisis, Bronchitis und dem Asthma. Eine Form des letztern ist ihnen eigenthümlich und bekannt unter dem Namen des Töpfer-Asthma oder der Töpfer-Schwindsucht. Skrophulose, die Mandeln, Knochen oder andre Körpertheile angreift, ist eine Krank- heit von mehr als zwei Dritttheilen der Töpfer … Dass die Entartung (Degenerescence) der Bevölkerung dieses Distrikts nicht noch viel grösser ist, verdankt sie ausschliesslich der Rekrutirung aus den umliegenden Landdistrikten und den Zwischenheirathen mit gesundern Racen.“ Herr Charles Pearson, vor kurzem noch House Surgeon derselben Kran- kenanstalt, schreibt in einem Briefe an den Kommissär Longe u. a.: „Ich kann nur aus persönlicher Beobachtung, nicht statistisch sprechen, aber ich stehe nicht an zu versichern, dass meine Empörung wieder und wieder aufkochte bei dem Anblick dieser armen Kinder, deren Gesundheit geopfert wurde, um der Habgier ihrer Eltern und Arbeitsgeber zu fröhnen.“ Er zählt die Ursachen der Töpferkrankheiten auf und schliesst sie culminirend
68) „Public Health. 3d Report etc.“, p. 102, 104, 105.
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Obgleich im Distrikt Stoke nur 30.6 %, und in Wolstanton nur 30.4 % der
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sind, fällt im ersten Distrikt mehr als die Hälfte der Todesfälle
an Brustkrankheiten unter Männern über 20 Jahren, und im letzteren Distrikt
ungefähr ⅖, auf Töpfer. Dr. Boothroyd, praktischer Arzt zu Han-
ley, sagt aus: „Jede successive Generation der Töpfer ist zwerghafter
und schwächer als die vorhergehende.“ Ebenso ein anderer Arzt, Herr
Mc Bean: „Seit ich vor 25 Jahren meine Praxis unter den Töpfern be-
gann, hat sich die auffallende Entartung dieser Klasse fortschreitend in
Abnahme von Gestalt und Gewicht gezeigt.“ Diese Aussagen sind dem
Bericht des Dr. Greenhow von 1860 entnommen 68).
Aus dem Bericht der Kommissäre von 1863 Folgendes: Dr. J. T.
Arledge, Oberarzt des North Staffordshire Krankenhauses, sagt: „Als eine
Klasse repräsentiren die Töpfer, Männer und Frauen … eine entartete
Bevölkerung, physisch und moralisch. Sie sind in der Regel verzwergt,
schlecht gebaut, und oft an der Brust verwachsen. Sie altern vorzeitig
und sind kurzlebig; phlegmatisch und blutlos, verrathen sie die Schwäche
ihrer Konstitution durch hartnäckige Anfälle von Dyspepsie, Leber- und
Nierenstörungen und Rheumatismus. Vor allem aber sind sie Brustkrank-
heiten unterworfen, der Pneumonie, Phthisis, Bronchitis und dem Asthma.
Eine Form des letztern ist ihnen eigenthümlich und bekannt unter dem
Namen des Töpfer-Asthma oder der Töpfer-Schwindsucht. Skrophulose,
die Mandeln, Knochen oder andre Körpertheile angreift, ist eine Krank-
heit von mehr als zwei Dritttheilen der Töpfer … Dass die Entartung
(Degenerescence) der Bevölkerung dieses Distrikts nicht noch viel grösser
ist, verdankt sie ausschliesslich der Rekrutirung aus den umliegenden
Landdistrikten und den Zwischenheirathen mit gesundern Racen.“ Herr
Charles Pearson, vor kurzem noch House Surgeon derselben Kran-
kenanstalt, schreibt in einem Briefe an den Kommissär Longe u. a.: „Ich
kann nur aus persönlicher Beobachtung, nicht statistisch sprechen, aber
ich stehe nicht an zu versichern, dass meine Empörung wieder und wieder
aufkochte bei dem Anblick dieser armen Kinder, deren Gesundheit geopfert
wurde, um der Habgier ihrer Eltern und Arbeitsgeber zu fröhnen.“ Er
zählt die Ursachen der Töpferkrankheiten auf und schliesst sie culminirend
68) „Public Health. 3d Report etc.“, p. 102, 104, 105.
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Marx, Karl: Das Kapital. Buch I: Der Produktionsprocess des Kapitals. Hamburg, 1867, S. 214. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/marx_kapital01_1867/233>, abgerufen am 24.11.2024.
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