äusserem Ende das Manometer befestigt ist, liefert jedenfalls zweifel- hafte Ergebnisse, da die Gasspannung in einem und demselben Quer- schnitte des Gestelles noch weit grössere Abweichungen zeigen wird als in der Windleitung; eine von Rittinger vorgeschlagene Methode, den Wind aus derselben Düse, welche ihn zuerst in den Ofen führte, dann bei gleicher Anzahl Spiele des Gebläses in die freie Luft aus- strömen zu lassen und die Spannung zu messen, um dann ohne Weiteres (da jetzt h2 = Null ist) die ausgeblasene Windmenge zu berechnen, dürfte doch, wenn sie richtig ausgeführt werden soll, wenigstens beim Hochofenbetriebe nicht unerheblichen praktischen Schwierigkeiten be- gegnen.1)
Eine letzte Methode der Windberechnung, die allerdings nur aus- nahmsweise angewendet werden kann, dann aber die zuverlässigsten Ergebnisse liefern dürfte, stützt sich auf den Umstand, dass der Stick- stoff der eingeblasenen Luft unverändert, ohne erheblich vermehrt oder verringert zu werden, in den Gichtgasen wieder gefunden wird. Ist also die Zusammensetzung der letzteren und die Menge derselben inner- halb bestimmter Zeiträume bekannt, so lässt sich, da in der atmosphä- rischen Luft 79 Raumtheile Stickstoff neben 21 Raumtheilen Sauer- stoff enthalten sind, mithin 100 Raumtheile Stickstoff 126.5 Raumtheilen atmosphärischer Luft entsprechen, die Menge der eingeblasenen Luft ohne Schwierigkeit berechnen.
Die Zusammensetzung der Gichtgase wird durch chemische Analyse ermittelt; ihre Menge ergiebt sich aus der Menge des in bestimmten Zeiträumen theils durch den Brennstoff, theils durch die kohlensäure- haltigen Erze und Zuschläge dem Hochofen zugeführten Kohlenstoffs, von welchem die durch das Roheisen aufgenommene kleine Menge in Abzug zu bringen ist. Aller übrige Kohlenstoff findet sich in den Gichtgasen wieder.
Es sei
k1 der durch den Brennstoff,
k2 der durch den Kalkstein und kohlensäurehaltige Erze dem Hochofen zugeführte Kohlenstoff per Minute in Kilogrammen;
k3 der von dem per Minute erzeugten Roheisen aufgenommene Kohlenstoff, ebenfalls in Kilogrammen,
so entweichen aus der Gicht per Minute k1 + k2 -- k3 kg Kohlen- stoff. Dieser Kohlenstoff tritt gewöhnlich in drei verschiedenen Ver- bindungen in den Gichtgasen auf: in der Kohlensäure, dem Kohlenoxyd und dem Kohlenwasserstoff. Kohlensäure enthält 0.2727 ihres eigenen Gewichts Kohlenstoff, Kohlenoxyd 0.4286, leichtes Kohlenwasserstoffgas 0.75. Aus der Zusammensetzung der Gichtgase ergiebt sich also leicht die Menge Kohlenstoff, welche von jedem der erwähnten Bestandtheile derselben aus der Gicht geführt wird; und da die Gesammtmenge des per Minute entweichenden Kohlenstoffs nach obigem = k1 + k2 -- k3 ist, so lässt sich leicht auch die Menge der per Minute ausströmenden
1) Vergl. C. Schinz, Studien über den Hochofen zur Darstellung von Roh- eisen. Augsburg 1871, S. 83.
Die Windberechnung.
äusserem Ende das Manometer befestigt ist, liefert jedenfalls zweifel- hafte Ergebnisse, da die Gasspannung in einem und demselben Quer- schnitte des Gestelles noch weit grössere Abweichungen zeigen wird als in der Windleitung; eine von Rittinger vorgeschlagene Methode, den Wind aus derselben Düse, welche ihn zuerst in den Ofen führte, dann bei gleicher Anzahl Spiele des Gebläses in die freie Luft aus- strömen zu lassen und die Spannung zu messen, um dann ohne Weiteres (da jetzt h2 = Null ist) die ausgeblasene Windmenge zu berechnen, dürfte doch, wenn sie richtig ausgeführt werden soll, wenigstens beim Hochofenbetriebe nicht unerheblichen praktischen Schwierigkeiten be- gegnen.1)
Eine letzte Methode der Windberechnung, die allerdings nur aus- nahmsweise angewendet werden kann, dann aber die zuverlässigsten Ergebnisse liefern dürfte, stützt sich auf den Umstand, dass der Stick- stoff der eingeblasenen Luft unverändert, ohne erheblich vermehrt oder verringert zu werden, in den Gichtgasen wieder gefunden wird. Ist also die Zusammensetzung der letzteren und die Menge derselben inner- halb bestimmter Zeiträume bekannt, so lässt sich, da in der atmosphä- rischen Luft 79 Raumtheile Stickstoff neben 21 Raumtheilen Sauer- stoff enthalten sind, mithin 100 Raumtheile Stickstoff 126.5 Raumtheilen atmosphärischer Luft entsprechen, die Menge der eingeblasenen Luft ohne Schwierigkeit berechnen.
Die Zusammensetzung der Gichtgase wird durch chemische Analyse ermittelt; ihre Menge ergiebt sich aus der Menge des in bestimmten Zeiträumen theils durch den Brennstoff, theils durch die kohlensäure- haltigen Erze und Zuschläge dem Hochofen zugeführten Kohlenstoffs, von welchem die durch das Roheisen aufgenommene kleine Menge in Abzug zu bringen ist. Aller übrige Kohlenstoff findet sich in den Gichtgasen wieder.
Es sei
k1 der durch den Brennstoff,
k2 der durch den Kalkstein und kohlensäurehaltige Erze dem Hochofen zugeführte Kohlenstoff per Minute in Kilogrammen;
k3 der von dem per Minute erzeugten Roheisen aufgenommene Kohlenstoff, ebenfalls in Kilogrammen,
so entweichen aus der Gicht per Minute k1 + k2 — k3 kg Kohlen- stoff. Dieser Kohlenstoff tritt gewöhnlich in drei verschiedenen Ver- bindungen in den Gichtgasen auf: in der Kohlensäure, dem Kohlenoxyd und dem Kohlenwasserstoff. Kohlensäure enthält 0.2727 ihres eigenen Gewichts Kohlenstoff, Kohlenoxyd 0.4286, leichtes Kohlenwasserstoffgas 0.75. Aus der Zusammensetzung der Gichtgase ergiebt sich also leicht die Menge Kohlenstoff, welche von jedem der erwähnten Bestandtheile derselben aus der Gicht geführt wird; und da die Gesammtmenge des per Minute entweichenden Kohlenstoffs nach obigem = k1 + k2 — k3 ist, so lässt sich leicht auch die Menge der per Minute ausströmenden
1) Vergl. C. Schinz, Studien über den Hochofen zur Darstellung von Roh- eisen. Augsburg 1871, S. 83.
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Die Windberechnung.
äusserem Ende das Manometer befestigt ist, liefert jedenfalls zweifel-
hafte Ergebnisse, da die Gasspannung in einem und demselben Quer-
schnitte des Gestelles noch weit grössere Abweichungen zeigen wird
als in der Windleitung; eine von Rittinger vorgeschlagene Methode,
den Wind aus derselben Düse, welche ihn zuerst in den Ofen führte,
dann bei gleicher Anzahl Spiele des Gebläses in die freie Luft aus-
strömen zu lassen und die Spannung zu messen, um dann ohne Weiteres
(da jetzt h2 = Null ist) die ausgeblasene Windmenge zu berechnen,
dürfte doch, wenn sie richtig ausgeführt werden soll, wenigstens beim
Hochofenbetriebe nicht unerheblichen praktischen Schwierigkeiten be-
gegnen. 1)
Eine letzte Methode der Windberechnung, die allerdings nur aus-
nahmsweise angewendet werden kann, dann aber die zuverlässigsten
Ergebnisse liefern dürfte, stützt sich auf den Umstand, dass der Stick-
stoff der eingeblasenen Luft unverändert, ohne erheblich vermehrt oder
verringert zu werden, in den Gichtgasen wieder gefunden wird. Ist
also die Zusammensetzung der letzteren und die Menge derselben inner-
halb bestimmter Zeiträume bekannt, so lässt sich, da in der atmosphä-
rischen Luft 79 Raumtheile Stickstoff neben 21 Raumtheilen Sauer-
stoff enthalten sind, mithin 100 Raumtheile Stickstoff 126.5 Raumtheilen
atmosphärischer Luft entsprechen, die Menge der eingeblasenen Luft
ohne Schwierigkeit berechnen.
Die Zusammensetzung der Gichtgase wird durch chemische Analyse
ermittelt; ihre Menge ergiebt sich aus der Menge des in bestimmten
Zeiträumen theils durch den Brennstoff, theils durch die kohlensäure-
haltigen Erze und Zuschläge dem Hochofen zugeführten Kohlenstoffs,
von welchem die durch das Roheisen aufgenommene kleine Menge in
Abzug zu bringen ist. Aller übrige Kohlenstoff findet sich in den
Gichtgasen wieder.
Es sei
k1 der durch den Brennstoff,
k2 der durch den Kalkstein und kohlensäurehaltige Erze dem
Hochofen zugeführte Kohlenstoff per Minute in Kilogrammen;
k3 der von dem per Minute erzeugten Roheisen aufgenommene
Kohlenstoff, ebenfalls in Kilogrammen,
so entweichen aus der Gicht per Minute k1 + k2 — k3 kg Kohlen-
stoff. Dieser Kohlenstoff tritt gewöhnlich in drei verschiedenen Ver-
bindungen in den Gichtgasen auf: in der Kohlensäure, dem Kohlenoxyd
und dem Kohlenwasserstoff. Kohlensäure enthält 0.2727 ihres eigenen
Gewichts Kohlenstoff, Kohlenoxyd 0.4286, leichtes Kohlenwasserstoffgas
0.75. Aus der Zusammensetzung der Gichtgase ergiebt sich also leicht
die Menge Kohlenstoff, welche von jedem der erwähnten Bestandtheile
derselben aus der Gicht geführt wird; und da die Gesammtmenge des
per Minute entweichenden Kohlenstoffs nach obigem = k1 + k2 — k3
ist, so lässt sich leicht auch die Menge der per Minute ausströmenden
1) Vergl. C. Schinz, Studien über den Hochofen zur Darstellung von Roh-
eisen. Augsburg 1871, S. 83.
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Ledebur, Adolf: Handbuch der Eisenhüttenkunde. Leipzig, 1884, S. 447. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ledebur_eisenhuettenkunde_1884/507>, abgerufen am 24.11.2024.
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