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Klingemann, Ernst August Friedrich: Nachtwachen. Penig, 1805.

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dien seine Seele, wenn er jemals treulos; zu-
lezt redete er gar noch in der Manier des
Don Juan, dem er diesen Abend beigewohnt
hatte, und schloß mit den bedeutenden Wor-
ten: "dieser Stein soll als furchtbarer Gast
erscheinen bei unserm nächtlichen Mahle, meine
ich's nicht redlich."

Ich merkte mir's und hörte nun noch wie
sie ihm das Haus beschrieb, und eine geheime
Feder an der Thür, wodurch er diese öffnen
könne, zugleich auch die Mitternachtstunde zum
Gastmale festsezte.

Ich war eine halbe Stunde früher auf dem
Plaze, fand das Haus, die Thür, nebst der
geheimen Feder, und schlich leise mehrere Hin-
tertreppen hinauf bis zu einem Saale, auf
dem es dämmerte. Das Licht fiel durch zwei
Glasthüren; ich nahete mich der einen, und
erblickte ein Wesen in einem Schlafrocke am
Arbeitstische, von dem ich anfangs zweifelhaft

dien ſeine Seele, wenn er jemals treulos; zu-
lezt redete er gar noch in der Manier des
Don Juan, dem er dieſen Abend beigewohnt
hatte, und ſchloß mit den bedeutenden Wor-
ten: „dieſer Stein ſoll als furchtbarer Gaſt
erſcheinen bei unſerm naͤchtlichen Mahle, meine
ich’s nicht redlich.

Ich merkte mir’s und hoͤrte nun noch wie
ſie ihm das Haus beſchrieb, und eine geheime
Feder an der Thuͤr, wodurch er dieſe oͤffnen
koͤnne, zugleich auch die Mitternachtſtunde zum
Gaſtmale feſtſezte.

Ich war eine halbe Stunde fruͤher auf dem
Plaze, fand das Haus, die Thuͤr, nebſt der
geheimen Feder, und ſchlich leiſe mehrere Hin-
tertreppen hinauf bis zu einem Saale, auf
dem es daͤmmerte. Das Licht fiel durch zwei
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[30/0032] dien ſeine Seele, wenn er jemals treulos; zu- lezt redete er gar noch in der Manier des Don Juan, dem er dieſen Abend beigewohnt hatte, und ſchloß mit den bedeutenden Wor- ten: „dieſer Stein ſoll als furchtbarer Gaſt erſcheinen bei unſerm naͤchtlichen Mahle, meine ich’s nicht redlich.“ Ich merkte mir’s und hoͤrte nun noch wie ſie ihm das Haus beſchrieb, und eine geheime Feder an der Thuͤr, wodurch er dieſe oͤffnen koͤnne, zugleich auch die Mitternachtſtunde zum Gaſtmale feſtſezte. Ich war eine halbe Stunde fruͤher auf dem Plaze, fand das Haus, die Thuͤr, nebſt der geheimen Feder, und ſchlich leiſe mehrere Hin- tertreppen hinauf bis zu einem Saale, auf dem es daͤmmerte. Das Licht fiel durch zwei Glasthuͤren; ich nahete mich der einen, und erblickte ein Weſen in einem Schlafrocke am Arbeitstiſche, von dem ich anfangs zweifelhaft

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Zitationshilfe: Klingemann, Ernst August Friedrich: Nachtwachen. Penig, 1805, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/klingemann_nachtwachen_1805/32>, abgerufen am 15.04.2024.