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Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 4. Düsseldorf, 1839.

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wieder zur Seite geworfener stolzer und schmun-
zelnder Blick andeutete. Das ganze Geschäft nahm
wie es begonnen worden, seinen Fortgang und er-
reichte auch so seine Endschaft; nämlich beide Haupt-
personen redeten kein Wort mit einander während
des Geldzählens. Als sechstausend blanke Thaler
auf dem Tische lagen und von dem Schwiegersohne
sorgfältig nachgesehen worden waren, schrieb dieser
stumm die Quittung über die empfangene Mitgift
und reichte seinem Schwiegervater den Schein,
ohne Dank zu sagen, hin, strich sodann das Geld
wieder in die beiden Säcke ein und setzte sie zur
vorläufigen Verwahrung in einen Wandschrank, der
sich in der Stube befand und von welchem er die
Schlüssel zu sich steckte.

Der alte Schmitz hatte das Geschäft unter-
brechen wollen und war mit der Aeußerung, daß
er nach der Stadt zurück wolle, vorher aber seine
Sache mit dem Hofschulzen in Ordnung bringen
müsse, zu diesem in die Stube getreten. Der
Hofschulze verweigerte jedoch heute wie gestern,
ohne von seinen Thalern aufzusehen, jede Ein-
lassung, bis das ganze Plaisir, wie er sich aus-
druckte, zu Ende seyn werde, worauf er gern

Immermann's Münchhausen. 4. Th. 2

wieder zur Seite geworfener ſtolzer und ſchmun-
zelnder Blick andeutete. Das ganze Geſchäft nahm
wie es begonnen worden, ſeinen Fortgang und er-
reichte auch ſo ſeine Endſchaft; nämlich beide Haupt-
perſonen redeten kein Wort mit einander während
des Geldzählens. Als ſechstauſend blanke Thaler
auf dem Tiſche lagen und von dem Schwiegerſohne
ſorgfältig nachgeſehen worden waren, ſchrieb dieſer
ſtumm die Quittung über die empfangene Mitgift
und reichte ſeinem Schwiegervater den Schein,
ohne Dank zu ſagen, hin, ſtrich ſodann das Geld
wieder in die beiden Säcke ein und ſetzte ſie zur
vorläufigen Verwahrung in einen Wandſchrank, der
ſich in der Stube befand und von welchem er die
Schlüſſel zu ſich ſteckte.

Der alte Schmitz hatte das Geſchäft unter-
brechen wollen und war mit der Aeußerung, daß
er nach der Stadt zurück wolle, vorher aber ſeine
Sache mit dem Hofſchulzen in Ordnung bringen
müſſe, zu dieſem in die Stube getreten. Der
Hofſchulze verweigerte jedoch heute wie geſtern,
ohne von ſeinen Thalern aufzuſehen, jede Ein-
laſſung, bis das ganze Plaiſir, wie er ſich aus-
druckte, zu Ende ſeyn werde, worauf er gern

Immermann’s Münchhauſen. 4. Th. 2
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[17/0029] wieder zur Seite geworfener ſtolzer und ſchmun- zelnder Blick andeutete. Das ganze Geſchäft nahm wie es begonnen worden, ſeinen Fortgang und er- reichte auch ſo ſeine Endſchaft; nämlich beide Haupt- perſonen redeten kein Wort mit einander während des Geldzählens. Als ſechstauſend blanke Thaler auf dem Tiſche lagen und von dem Schwiegerſohne ſorgfältig nachgeſehen worden waren, ſchrieb dieſer ſtumm die Quittung über die empfangene Mitgift und reichte ſeinem Schwiegervater den Schein, ohne Dank zu ſagen, hin, ſtrich ſodann das Geld wieder in die beiden Säcke ein und ſetzte ſie zur vorläufigen Verwahrung in einen Wandſchrank, der ſich in der Stube befand und von welchem er die Schlüſſel zu ſich ſteckte. Der alte Schmitz hatte das Geſchäft unter- brechen wollen und war mit der Aeußerung, daß er nach der Stadt zurück wolle, vorher aber ſeine Sache mit dem Hofſchulzen in Ordnung bringen müſſe, zu dieſem in die Stube getreten. Der Hofſchulze verweigerte jedoch heute wie geſtern, ohne von ſeinen Thalern aufzuſehen, jede Ein- laſſung, bis das ganze Plaiſir, wie er ſich aus- druckte, zu Ende ſeyn werde, worauf er gern Immermann’s Münchhauſen. 4. Th. 2

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Zitationshilfe: Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 4. Düsseldorf, 1839, S. 17. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen04_1839/29>, abgerufen am 27.02.2024.