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Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 4. Düsseldorf, 1839.

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aufgestoßen, ein Knecht kam herausgegangen um
Wasser zu holen und diesen Augenblick benutzte
der Lauerer, um in das Haus zu schlüpfen. Er
lief über den Flur und die Treppe hinauf, sich
vorläufig zu verbergen und während des Tages,
wann, wie er vorher wußte, der Oberhof von allen
Bewohnern verlassen werden würde, mit seiner
Beute zu entkommen.

Nachdem es heller Morgen geworden war, ging
der Hofschulze, zwei große Geldsäcke tragend von
dem oberen Theile des Hauses nach der Stube
unten neben dem Flure und hinter ihm drein
ging der Schwiegersohn. Dort setzten sich Beide
schweigend, wie gestern bei allen wesentlichen Stü-
cken der Hochzeit, an einen großen Tisch. Jeder
von ihnen öffnete einen Sack und zählte aus dem-
selben dreitausend Thaler in harten runden Thalern
auf. Es störte den Hofschulzen nicht, daß mehrere
Hausgenossen und auch einige Nachbarn, welche
sich schon im Hofe eingefunden hatten, vom
Flure aus, oder in der Thüre der Stube stehend,
diesem Aufzählen zusahen. Vielmehr schien es ihm
lieb zu seyn, Zeugen bei dieser Handlung zu haben,
die seinen Reichthum darthat, wie ein hin und

aufgeſtoßen, ein Knecht kam herausgegangen um
Waſſer zu holen und dieſen Augenblick benutzte
der Lauerer, um in das Haus zu ſchlüpfen. Er
lief über den Flur und die Treppe hinauf, ſich
vorläufig zu verbergen und während des Tages,
wann, wie er vorher wußte, der Oberhof von allen
Bewohnern verlaſſen werden würde, mit ſeiner
Beute zu entkommen.

Nachdem es heller Morgen geworden war, ging
der Hofſchulze, zwei große Geldſäcke tragend von
dem oberen Theile des Hauſes nach der Stube
unten neben dem Flure und hinter ihm drein
ging der Schwiegerſohn. Dort ſetzten ſich Beide
ſchweigend, wie geſtern bei allen weſentlichen Stü-
cken der Hochzeit, an einen großen Tiſch. Jeder
von ihnen öffnete einen Sack und zählte aus dem-
ſelben dreitauſend Thaler in harten runden Thalern
auf. Es ſtörte den Hofſchulzen nicht, daß mehrere
Hausgenoſſen und auch einige Nachbarn, welche
ſich ſchon im Hofe eingefunden hatten, vom
Flure aus, oder in der Thüre der Stube ſtehend,
dieſem Aufzählen zuſahen. Vielmehr ſchien es ihm
lieb zu ſeyn, Zeugen bei dieſer Handlung zu haben,
die ſeinen Reichthum darthat, wie ein hin und

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[16/0028] aufgeſtoßen, ein Knecht kam herausgegangen um Waſſer zu holen und dieſen Augenblick benutzte der Lauerer, um in das Haus zu ſchlüpfen. Er lief über den Flur und die Treppe hinauf, ſich vorläufig zu verbergen und während des Tages, wann, wie er vorher wußte, der Oberhof von allen Bewohnern verlaſſen werden würde, mit ſeiner Beute zu entkommen. Nachdem es heller Morgen geworden war, ging der Hofſchulze, zwei große Geldſäcke tragend von dem oberen Theile des Hauſes nach der Stube unten neben dem Flure und hinter ihm drein ging der Schwiegerſohn. Dort ſetzten ſich Beide ſchweigend, wie geſtern bei allen weſentlichen Stü- cken der Hochzeit, an einen großen Tiſch. Jeder von ihnen öffnete einen Sack und zählte aus dem- ſelben dreitauſend Thaler in harten runden Thalern auf. Es ſtörte den Hofſchulzen nicht, daß mehrere Hausgenoſſen und auch einige Nachbarn, welche ſich ſchon im Hofe eingefunden hatten, vom Flure aus, oder in der Thüre der Stube ſtehend, dieſem Aufzählen zuſahen. Vielmehr ſchien es ihm lieb zu ſeyn, Zeugen bei dieſer Handlung zu haben, die ſeinen Reichthum darthat, wie ein hin und

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Zitationshilfe: Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 4. Düsseldorf, 1839, S. 16. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/immermann_muenchhausen04_1839/28>, abgerufen am 26.02.2024.