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Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336.

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und Mittags (die bequemsten Wechselstunden scheinen,
wie in Paris, 6-8 Uhr Morgens und 1-2 Uhr Nach-
mittags zu seyn) sind bisher mit der rühmlichsten Sorg-
falt von dem Herrn Paul Bartholdy angestellt worden,
wie das Register von 74 Tagen aus den Monaten Ja-
nuar, Februar und März zeigt, welches ich der Acade-
mie zu überreichen die Ehre habe. Das Zerreißen des
Seidenfadens ohne Torsion, am 18. Februar, machte eine
Unterbrechung von 10 Tagen nöthig. Zu besonderen
Zwecken habe ich mehrmals mit diesem jungen Manne,
und zuletzt mit meinem Freunde, Herrn Professor Encke, gemein-
schaftlich beobachtet, z. B. Tags und Nachts, von Stunde
zu Stunde, am 31. Januar 27 Stunden, am 25. März 33
Stunden lang. Gleichzeitig mit den letzten Beobachtungen
beobachtete auch Herr Professor Reich in Freiberg, einem
Orte, der zufällig fast genau im Meridiane von Berlin,
aber 1° 37' südlicher, liegt. Der Zufall hat uns nicht
ganz begünstigt, denn in der Nacht vom 25. März wa-
ren keine so große Störungen zu bemerken, als in Berlin
z. B. am 31. Januar um Mitternacht; und in Freiberg,
wie die graphischen Darstellungen beweisen, am 2. Ja-
nuar um 2 Uhr Morgens, und zwischen 10 und 11 Uhr
Abends. Allein die Vergleichung der 33stündigen cor-
respondirenden Beobachtungen in Freiberg und Berlin
bietet zugleich auffallende Aehnlichkeiten und Verschie-
denheiten dar. Die große westliche Abweichung am Mit-
tage den 24. März ist gar nicht in Freiberg, die große
östliche um 9 Uhr Vormittags den 25. März ist nicht
in Berlin im gleichen Maaße beobachtet worden. Der
ganze nächtliche Gang ist in Freiberg weit ruhiger als
in Berlin gewesen. Ist dieß Folge der Entfernung
oder der unterirdischen Aufstellung des Apparats in Frei-
berg
? Bis jetzt ist darüber nicht zu entscheiden, nur
erinnere ich noch, daß Cassini's Beobachtungen zu
Paris auch unterirdisch waren. Sein Instrument stand
in den Caves de l' Observatoire, und zeigte einen Gang,

der

und Mittags (die bequemsten Wechselstunden scheinen,
wie in Paris, 6–8 Uhr Morgens und 1–2 Uhr Nach-
mittags zu seyn) sind bisher mit der rühmlichsten Sorg-
falt von dem Herrn Paul Bartholdy angestellt worden,
wie das Register von 74 Tagen aus den Monaten Ja-
nuar, Februar und März zeigt, welches ich der Acade-
mie zu überreichen die Ehre habe. Das Zerreißen des
Seidenfadens ohne Torsion, am 18. Februar, machte eine
Unterbrechung von 10 Tagen nöthig. Zu besonderen
Zwecken habe ich mehrmals mit diesem jungen Manne,
und zuletzt mit meinem Freunde, Herrn Professor Encke, gemein-
schaftlich beobachtet, z. B. Tags und Nachts, von Stunde
zu Stunde, am 31. Januar 27 Stunden, am 25. März 33
Stunden lang. Gleichzeitig mit den letzten Beobachtungen
beobachtete auch Herr Professor Reich in Freiberg, einem
Orte, der zufällig fast genau im Meridiane von Berlin,
aber 1° 37′ südlicher, liegt. Der Zufall hat uns nicht
ganz begünstigt, denn in der Nacht vom 25. März wa-
ren keine so große Störungen zu bemerken, als in Berlin
z. B. am 31. Januar um Mitternacht; und in Freiberg,
wie die graphischen Darstellungen beweisen, am 2. Ja-
nuar um 2 Uhr Morgens, und zwischen 10 und 11 Uhr
Abends. Allein die Vergleichung der 33stündigen cor-
respondirenden Beobachtungen in Freiberg und Berlin
bietet zugleich auffallende Aehnlichkeiten und Verschie-
denheiten dar. Die große westliche Abweichung am Mit-
tage den 24. März ist gar nicht in Freiberg, die große
östliche um 9 Uhr Vormittags den 25. März ist nicht
in Berlin im gleichen Maaße beobachtet worden. Der
ganze nächtliche Gang ist in Freiberg weit ruhiger als
in Berlin gewesen. Ist dieß Folge der Entfernung
oder der unterirdischen Aufstellung des Apparats in Frei-
berg
? Bis jetzt ist darüber nicht zu entscheiden, nur
erinnere ich noch, daß Cassini's Beobachtungen zu
Paris auch unterirdisch waren. Sein Instrument stand
in den Caves de l' Observatoire, und zeigte einen Gang,

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[334/0016] und Mittags (die bequemsten Wechselstunden scheinen, wie in Paris, 6–8 Uhr Morgens und 1–2 Uhr Nach- mittags zu seyn) sind bisher mit der rühmlichsten Sorg- falt von dem Hrn. Paul Bartholdy angestellt worden, wie das Register von 74 Tagen aus den Monaten Ja- nuar, Februar und März zeigt, welches ich der Acade- mie zu überreichen die Ehre habe. Das Zerreißen des Seidenfadens ohne Torsion, am 18. Februar, machte eine Unterbrechung von 10 Tagen nöthig. Zu besonderen Zwecken habe ich mehrmals mit diesem jungen Manne, und zuletzt mit meinem Freunde, Hrn. Prof. Encke, gemein- schaftlich beobachtet, z. B. Tags und Nachts, von Stunde zu Stunde, am 31. Januar 27 Stunden, am 25. März 33 Stunden lang. Gleichzeitig mit den letzten Beobachtungen beobachtete auch Hr. Professor Reich in Freiberg, einem Orte, der zufällig fast genau im Meridiane von Berlin, aber 1° 37′ südlicher, liegt. Der Zufall hat uns nicht ganz begünstigt, denn in der Nacht vom 25. März wa- ren keine so große Störungen zu bemerken, als in Berlin z. B. am 31. Januar um Mitternacht; und in Freiberg, wie die graphischen Darstellungen beweisen, am 2. Ja- nuar um 2 Uhr Morgens, und zwischen 10 und 11 Uhr Abends. Allein die Vergleichung der 33stündigen cor- respondirenden Beobachtungen in Freiberg und Berlin bietet zugleich auffallende Aehnlichkeiten und Verschie- denheiten dar. Die große westliche Abweichung am Mit- tage den 24. März ist gar nicht in Freiberg, die große östliche um 9 Uhr Vormittags den 25. März ist nicht in Berlin im gleichen Maaße beobachtet worden. Der ganze nächtliche Gang ist in Freiberg weit ruhiger als in Berlin gewesen. Ist dieß Folge der Entfernung oder der unterirdischen Aufstellung des Apparats in Frei- berg? Bis jetzt ist darüber nicht zu entscheiden, nur erinnere ich noch, daß Cassini's Beobachtungen zu Paris auch unterirdisch waren. Sein Instrument stand in den Caves de l' Observatoire, und zeigte einen Gang, der

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Zitationshilfe: Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336, hier S. 334. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_mittel_1829/16>, abgerufen am 24.04.2024.