Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336.

Bild:
<< vorherige Seite

Freiberg (in einer Grube auf dem tiefen Fürsten-Stollen,
in dem Baue des Methusalems) ungefähr 35 Lachter un-
ter Tage, an einem Orte, dessen Temperatur meist un-
verändert +8° R. ist*), wurde bei meinem letzten
Aufenthalte in Freiberg, im Monat Juni des verflossenen
Jahres, von dem Herrn Berghauptmann von Herder an-
geordnet. Professor Reich hat die Beobachtungen seit
October 1828 mit dem größten Eifer und der ihm eig-
nen Geschicklichkeit in physischen Arbeiten fortgesetzt.
Ich besitze bereits über 700 Beobachtungen von ihm, die
alle in Bogentheile verwandelt sind. Er hat meist 48
Stunden hinter einander, und sogar von Viertel- zu Vier-
telstunde
, beobachtet. Herr Schichtmeister Lindner, der
Bergamtsauditor Herwig und der Bergacademist Pilz
haben diese mühevolle Arbeit mit Herrn Professor Reich
getheilt.

Der Berliner Apparat, welcher nicht bloß zur Be-
stimmung der stündlichen Abweichung, sondern auch zur
Bestimmung der Intensität der magnetischen Kraft zu ver-
schiedenen Tagesstunden und Jahreszeiten dienen kann,
ist gegenwärtig in dem großen Garten des Stadtraths
Mendelsohn-Bartholdy fast 400 Schritt von dem
Wohnhause aufgestellt, in einem von Bäumen umgebenen
Häuschen, welches nach der freundschaftlichen Anordnung
des Geheimen Ober-Baurath Schinkel eigends dazu
aus Backsteinen erbaut ist, ohne alles Eisen, mit Nägeln,
Hespen und Schloß von rothem Kupfer. Der Besitzer
des Gartens hat, mit dem in seiner Familie gleichsam erb-
lichen Interesse für Wissenschaften und geistige Bestre-
bungen, mit der größten Bereitwilligkeit die kleine An-
lage gestattet, und den Beobachtern jede erwünschte Be-
quemlichkeit verschafft.

Die regelmäßigen täglichen Beobachtungen Morgens

*) **) Die bisherigen Variationen der Temperatur liegen zwischen 7°,7
und 8°,2 R., eine mittlere Temperatur des Erdkörpers, die be-
stimmt größer ist als die der Atmosphäre von Freiberg.

Freiberg (in einer Grube auf dem tiefen Fürsten-Stollen,
in dem Baue des Methusalems) ungefähr 35 Lachter un-
ter Tage, an einem Orte, dessen Temperatur meist un-
verändert +8° R. ist*), wurde bei meinem letzten
Aufenthalte in Freiberg, im Monat Juni des verflossenen
Jahres, von dem Herrn Berghauptmann von Herder an-
geordnet. Professor Reich hat die Beobachtungen seit
October 1828 mit dem größten Eifer und der ihm eig-
nen Geschicklichkeit in physischen Arbeiten fortgesetzt.
Ich besitze bereits über 700 Beobachtungen von ihm, die
alle in Bogentheile verwandelt sind. Er hat meist 48
Stunden hinter einander, und sogar von Viertel- zu Vier-
telstunde
, beobachtet. Herr Schichtmeister Lindner, der
Bergamtsauditor Herwig und der Bergacademist Pilz
haben diese mühevolle Arbeit mit Herrn Professor Reich
getheilt.

Der Berliner Apparat, welcher nicht bloß zur Be-
stimmung der stündlichen Abweichung, sondern auch zur
Bestimmung der Intensität der magnetischen Kraft zu ver-
schiedenen Tagesstunden und Jahreszeiten dienen kann,
ist gegenwärtig in dem großen Garten des Stadtraths
Mendelsohn-Bartholdy fast 400 Schritt von dem
Wohnhause aufgestellt, in einem von Bäumen umgebenen
Häuschen, welches nach der freundschaftlichen Anordnung
des Geheimen Ober-Baurath Schinkel eigends dazu
aus Backsteinen erbaut ist, ohne alles Eisen, mit Nägeln,
Hespen und Schloß von rothem Kupfer. Der Besitzer
des Gartens hat, mit dem in seiner Familie gleichsam erb-
lichen Interesse für Wissenschaften und geistige Bestre-
bungen, mit der größten Bereitwilligkeit die kleine An-
lage gestattet, und den Beobachtern jede erwünschte Be-
quemlichkeit verschafft.

Die regelmäßigen täglichen Beobachtungen Morgens

*) **) Die bisherigen Variationen der Temperatur liegen zwischen 7°,7
und 8°,2 R., eine mittlere Temperatur des Erdkörpers, die be-
stimmt größer ist als die der Atmosphäre von Freiberg.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <p><pb facs="#f0015" n="333"/><hi rendition="#i"><placeName>Freiberg</placeName></hi> (in einer Grube auf dem tiefen Fürsten-Stollen,<lb/>
in dem Baue des Methusalems) ungefähr 35 Lachter un-<lb/>
ter Tage, an einem Orte, dessen Temperatur meist un-<lb/>
verändert +8° R. ist<note place="foot" n="*)">**) Die bisherigen Variationen der Temperatur liegen zwischen 7°,7<lb/>
und 8°,2 R., eine mittlere Temperatur des Erdkörpers, die be-<lb/>
stimmt <hi rendition="#i">größer</hi> ist als die der Atmosphäre von <placeName>Freiberg</placeName>.</note>, wurde bei meinem letzten<lb/>
Aufenthalte in <placeName>Freiberg</placeName>, im Monat Juni des verflossenen<lb/>
Jahres, von dem <choice><abbr>Hrn.</abbr><expan>Herrn</expan></choice> Berghauptmann <hi rendition="#g"><persName>von Herder</persName></hi> an-<lb/>
geordnet. Professor <hi rendition="#g"><persName>Reich</persName></hi> hat die Beobachtungen seit<lb/>
October 1828 mit dem größten Eifer und der ihm eig-<lb/>
nen Geschicklichkeit in physischen Arbeiten fortgesetzt.<lb/>
Ich besitze bereits über 700 Beobachtungen von ihm, die<lb/>
alle in Bogentheile verwandelt sind. Er hat meist 48<lb/>
Stunden hinter einander, und sogar von Viertel- zu <choice><sic>Vier-<lb/>
tesltunde</sic><corr>Vier-<lb/>
telstunde</corr></choice>, beobachtet. <choice><abbr>Hr.</abbr><expan>Herr</expan></choice> Schichtmeister <hi rendition="#g"><persName>Lindner</persName></hi>, der<lb/>
Bergamtsauditor <hi rendition="#g"><persName>Herwig</persName></hi> und der Bergacademist <hi rendition="#g"><persName>Pilz</persName></hi><lb/>
haben diese mühevolle Arbeit mit <choice><abbr>Hrn.</abbr><expan>Herrn</expan></choice> Professor <hi rendition="#g"><persName>Reich</persName></hi><lb/>
getheilt.</p><lb/>
      <p>Der <placeName>Berlin</placeName>er Apparat, welcher nicht bloß zur Be-<lb/>
stimmung der stündlichen Abweichung, sondern auch zur<lb/>
Bestimmung der Intensität der magnetischen Kraft zu ver-<lb/>
schiedenen Tagesstunden und Jahreszeiten dienen kann,<lb/>
ist gegenwärtig in dem großen Garten des Stadtraths<lb/><hi rendition="#g"><persName>Mendelsohn-Bartholdy</persName></hi> fast 400 Schritt von dem<lb/>
Wohnhause aufgestellt, in einem von Bäumen umgebenen<lb/>
Häuschen, welches nach der freundschaftlichen Anordnung<lb/>
des Geheimen Ober-Baurath <hi rendition="#g"><persName>Schinkel</persName></hi> eigends dazu<lb/>
aus Backsteinen erbaut ist, ohne alles Eisen, mit Nägeln,<lb/>
Hespen und Schloß von rothem Kupfer. Der Besitzer<lb/>
des Gartens hat, mit dem in seiner Familie gleichsam erb-<lb/>
lichen Interesse für Wissenschaften und geistige Bestre-<lb/>
bungen, mit der größten Bereitwilligkeit die kleine An-<lb/>
lage gestattet, und den Beobachtern jede erwünschte Be-<lb/>
quemlichkeit verschafft.</p><lb/>
      <p>Die regelmäßigen täglichen Beobachtungen Morgens<lb/></p>
    </body>
  </text>
</TEI>
[333/0015] Freiberg (in einer Grube auf dem tiefen Fürsten-Stollen, in dem Baue des Methusalems) ungefähr 35 Lachter un- ter Tage, an einem Orte, dessen Temperatur meist un- verändert +8° R. ist *), wurde bei meinem letzten Aufenthalte in Freiberg, im Monat Juni des verflossenen Jahres, von dem Hrn. Berghauptmann von Herder an- geordnet. Professor Reich hat die Beobachtungen seit October 1828 mit dem größten Eifer und der ihm eig- nen Geschicklichkeit in physischen Arbeiten fortgesetzt. Ich besitze bereits über 700 Beobachtungen von ihm, die alle in Bogentheile verwandelt sind. Er hat meist 48 Stunden hinter einander, und sogar von Viertel- zu Vier- telstunde, beobachtet. Hr. Schichtmeister Lindner, der Bergamtsauditor Herwig und der Bergacademist Pilz haben diese mühevolle Arbeit mit Hrn. Professor Reich getheilt. Der Berliner Apparat, welcher nicht bloß zur Be- stimmung der stündlichen Abweichung, sondern auch zur Bestimmung der Intensität der magnetischen Kraft zu ver- schiedenen Tagesstunden und Jahreszeiten dienen kann, ist gegenwärtig in dem großen Garten des Stadtraths Mendelsohn-Bartholdy fast 400 Schritt von dem Wohnhause aufgestellt, in einem von Bäumen umgebenen Häuschen, welches nach der freundschaftlichen Anordnung des Geheimen Ober-Baurath Schinkel eigends dazu aus Backsteinen erbaut ist, ohne alles Eisen, mit Nägeln, Hespen und Schloß von rothem Kupfer. Der Besitzer des Gartens hat, mit dem in seiner Familie gleichsam erb- lichen Interesse für Wissenschaften und geistige Bestre- bungen, mit der größten Bereitwilligkeit die kleine An- lage gestattet, und den Beobachtern jede erwünschte Be- quemlichkeit verschafft. Die regelmäßigen täglichen Beobachtungen Morgens *) **) Die bisherigen Variationen der Temperatur liegen zwischen 7°,7 und 8°,2 R., eine mittlere Temperatur des Erdkörpers, die be- stimmt größer ist als die der Atmosphäre von Freiberg.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Weitere Informationen:

Eine weitere Fassung dieses Textes finden Sie in der Ausgabe Sämtliche Schriften digital (2021 ff.) der Universität Bern.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_mittel_1829
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_mittel_1829/15
Zitationshilfe: Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336, hier S. 333. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_mittel_1829/15>, abgerufen am 24.04.2024.