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Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336.

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Ganges der Nadel eine fortlaufende ununterbrochene stünd-
liche Beobachtung (observatio perpe[t]ua) von mehreren
Tagen und Nächten den vereinzelten Beobachtungen vie-
ler Monate vorzuziehen ist, beobachtete ich mit Herrn
Oltmanns ununterbrochen, meist von halber zu halber
Stunde, in den Solstitien und Aequinoctien, drei, vier,
sieben, ja selbst neun Tage und eben so viele Nächte.
Bisweilen haben andere sehr zuverlässige Beobachter, Herr
Bau-Conducteur Mämpel, Hr Friesen, Herr Mechani-
kus Mendelsohn und Herr Leopold von Buch, einige
nächtliche Stunden für uns übernommen. Das Journal
der Beobachtungen, welches Herr Oltmanns und ich der
Academie vorzulegen die Ehre haben, enthält an 1500
Resultate, Mittelzahlen von etwa 6000 Beobachtungen,
welche alle schon auf Bogentheile reducirt sind. Die
ganze mühselige Arbeit liegt zum Drucke bereit, und ist
blos deshalb nicht erschienen, weil ich immer die Hoff-
nung hegte, sie in Berlin selbst zu vervollständigen. Diese
Hoffnung ist bei der neuen Vorrichtung, die ich getrof-
fen, zur Gewißheit geworden, und ich werde die älte-
ren und neueren Beobachtungen zugleich herausgeben.
Die älteren haben den Vorzug, daß damals (1806 und
1807) keine ähnlichen, weder in Frankreich noch in
England, angestellt wurden. Sie gaben mir die ersten
Spuren nächtlicher Maxima und Minima, die aber, zur
Elimination der Störungen, nur durch Mittelzahlen aus
vielen Beobachtungen vollständig ergründet werden kön-
nen. Sie lehrten auch die merkwürdigen magnetischen
Gewitter kennen, welche, durch die Stärke der Oscilla-
tionen, oft alle Beobachtung unmöglich machen, ja oft
mehrere Nächte hinter einander zu derselben Zeit eintre-
ten, ohne daß irgend eine Einwirkung meteorologischer
Verhältnisse dabei bisher hat erkannt werden können.

Das Instrument, welches hier seit dem Monat De-
cember beobachtet wird, hat keine Aehnlichkeit mit der
Lunette aimantee von Prony, deren ich mich im George'-

Ganges der Nadel eine fortlaufende ununterbrochene stünd-
liche Beobachtung (observatio perpe[t]ua) von mehreren
Tagen und Nächten den vereinzelten Beobachtungen vie-
ler Monate vorzuziehen ist, beobachtete ich mit Herrn
Oltmanns ununterbrochen, meist von halber zu halber
Stunde, in den Solstitien und Aequinoctien, drei, vier,
sieben, ja selbst neun Tage und eben so viele Nächte.
Bisweilen haben andere sehr zuverlässige Beobachter, Herr
Bau-Conducteur Mämpel, Hr Friesen, Herr Mechani-
kus Mendelsohn und Herr Leopold von Buch, einige
nächtliche Stunden für uns übernommen. Das Journal
der Beobachtungen, welches Herr Oltmanns und ich der
Academie vorzulegen die Ehre haben, enthält an 1500
Resultate, Mittelzahlen von etwa 6000 Beobachtungen,
welche alle schon auf Bogentheile reducirt sind. Die
ganze mühselige Arbeit liegt zum Drucke bereit, und ist
blos deshalb nicht erschienen, weil ich immer die Hoff-
nung hegte, sie in Berlin selbst zu vervollständigen. Diese
Hoffnung ist bei der neuen Vorrichtung, die ich getrof-
fen, zur Gewißheit geworden, und ich werde die älte-
ren und neueren Beobachtungen zugleich herausgeben.
Die älteren haben den Vorzug, daß damals (1806 und
1807) keine ähnlichen, weder in Frankreich noch in
England, angestellt wurden. Sie gaben mir die ersten
Spuren nächtlicher Maxima und Minima, die aber, zur
Elimination der Störungen, nur durch Mittelzahlen aus
vielen Beobachtungen vollständig ergründet werden kön-
nen. Sie lehrten auch die merkwürdigen magnetischen
Gewitter kennen, welche, durch die Stärke der Oscilla-
tionen, oft alle Beobachtung unmöglich machen, ja oft
mehrere Nächte hinter einander zu derselben Zeit eintre-
ten, ohne daß irgend eine Einwirkung meteorologischer
Verhältnisse dabei bisher hat erkannt werden können.

Das Instrument, welches hier seit dem Monat De-
cember beobachtet wird, hat keine Aehnlichkeit mit der
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[330/0012] Ganges der Nadel eine fortlaufende ununterbrochene stünd- liche Beobachtung (observatio perpetua) von mehreren Tagen und Nächten den vereinzelten Beobachtungen vie- ler Monate vorzuziehen ist, beobachtete ich mit Herrn Oltmanns ununterbrochen, meist von halber zu halber Stunde, in den Solstitien und Aequinoctien, drei, vier, sieben, ja selbst neun Tage und eben so viele Nächte. Bisweilen haben andere sehr zuverlässige Beobachter, Hr. Bau-Conducteur Mämpel, Hr Friesen, Hr. Mechani- kus Mendelsohn und Hr. Leopold von Buch, einige nächtliche Stunden für uns übernommen. Das Journal der Beobachtungen, welches Hr. Oltmanns und ich der Academie vorzulegen die Ehre haben, enthält an 1500 Resultate, Mittelzahlen von etwa 6000 Beobachtungen, welche alle schon auf Bogentheile reducirt sind. Die ganze mühselige Arbeit liegt zum Drucke bereit, und ist blos deshalb nicht erschienen, weil ich immer die Hoff- nung hegte, sie in Berlin selbst zu vervollständigen. Diese Hoffnung ist bei der neuen Vorrichtung, die ich getrof- fen, zur Gewißheit geworden, und ich werde die älte- ren und neueren Beobachtungen zugleich herausgeben. Die älteren haben den Vorzug, daß damals (1806 und 1807) keine ähnlichen, weder in Frankreich noch in England, angestellt wurden. Sie gaben mir die ersten Spuren nächtlicher Maxima und Minima, die aber, zur Elimination der Störungen, nur durch Mittelzahlen aus vielen Beobachtungen vollständig ergründet werden kön- nen. Sie lehrten auch die merkwürdigen magnetischen Gewitter kennen, welche, durch die Stärke der Oscilla- tionen, oft alle Beobachtung unmöglich machen, ja oft mehrere Nächte hinter einander zu derselben Zeit eintre- ten, ohne daß irgend eine Einwirkung meteorologischer Verhältnisse dabei bisher hat erkannt werden können. Das Instrument, welches hier seit dem Monat De- cember beobachtet wird, hat keine Aehnlichkeit mit der Lunette aimantée von Prony, deren ich mich im George'-

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Zitationshilfe: Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336, hier S. 330. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_mittel_1829/12>, abgerufen am 24.04.2024.