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Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336.

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schen Garten bediente, und deren allzu große Beweg-
lichkeit wegen der Luftströmungen, welche die Nähe des
Körpers in dem Glaskasten zu erregen scheint, oft sehr
unbequem wurde. Ich bediene mich gegenwärtig des
Gambey'schen Apparats, welcher, dem älteren Cassi-
ni
'schen ähnlich, aber zu mikroskopischen Ablesungen
eingerichtet ist. Man beobachtet damit gegenwärtig in
Paris, in Kasan, in Berlin, und auf meine Bitte, nun
auch in Freiberg im Erzgebirge, und in der Provinz An-
tioquia
in Südamerica zu Marmato (Nördliche Breite 5° 27').
Die schönste und ausführlichste Reihe von Beobachtun-
gen stündlicher Abweichungen, welche wir besitzen, ist
die, welche man dem Entdecker des Rotations-Magne-
tismus, Herrn Arago, auf der Königl. Sternwarte zu Pa-
ris
verdankt.

Der gelehrte Reisende, Herr Boussingault, der
gleichzeitig die ausgezeichnetsten, chemischen, physikali-
schen und astronomischen Arbeiten nach Europa gesandt
hat, ist durch mehrere Briefe von mir aufgefordert wor-
den, an solchen Punkten der tropischen Regionen, wo die
Abweichung östlich ist, den stündlichen Gang der Nadel zu
beobachten. Eine Reihe von fast 500 Beobachtungen
(meist 6-7 täglich), welche er mir so eben von Mar-
mato
in der Republik Columbia einsendet, zeigt, daß
die östliche Abweichung daselbst, deren absoluter Werth
6° 33' beträgt, von 7 Uhr Morgens bis gegen Mittag ab-
nimmt*), ein Resultat, welches mit Herrn Duperrey's

*) Herr Boussingault sagt ausdrücklich in seinem Briefe vom
10. November 1828: "Mes observations de Marmato semblent prou-
ver qu'ici comme a Paris (quoique la declinaison magnetique
a Marmato soit vers l'est) la pointe nord de l'aiguille se meut
de l'est a l'oeust, depuis le lever du soleil jusqu'a midi. Ce
mouvement a eu lieu lorsque le soleil etoit au zenith, lorsque
le soleil a eu des declinaisons boreales et australes.
" In der
beigefügten Tafel nehmen zwar die Winkel von Morgen bis Mit-
tag zu, so daß die östliche Abweichung der Nadel (im Wider-
spruch mit den Worten des Briefes) größer zu werden scheint;

schen Garten bediente, und deren allzu große Beweg-
lichkeit wegen der Luftströmungen, welche die Nähe des
Körpers in dem Glaskasten zu erregen scheint, oft sehr
unbequem wurde. Ich bediene mich gegenwärtig des
Gambey'schen Apparats, welcher, dem älteren Cassi-
ni
'schen ähnlich, aber zu mikroskopischen Ablesungen
eingerichtet ist. Man beobachtet damit gegenwärtig in
Paris, in Kasan, in Berlin, und auf meine Bitte, nun
auch in Freiberg im Erzgebirge, und in der Provinz An-
tioquia
in Südamerica zu Marmato (Nördliche Breite 5° 27′).
Die schönste und ausführlichste Reihe von Beobachtun-
gen stündlicher Abweichungen, welche wir besitzen, ist
die, welche man dem Entdecker des Rotations-Magne-
tismus, Herrn Arago, auf der Königl. Sternwarte zu Pa-
ris
verdankt.

Der gelehrte Reisende, Herr Boussingault, der
gleichzeitig die ausgezeichnetsten, chemischen, physikali-
schen und astronomischen Arbeiten nach Europa gesandt
hat, ist durch mehrere Briefe von mir aufgefordert wor-
den, an solchen Punkten der tropischen Regionen, wo die
Abweichung östlich ist, den stündlichen Gang der Nadel zu
beobachten. Eine Reihe von fast 500 Beobachtungen
(meist 6–7 täglich), welche er mir so eben von Mar-
mato
in der Republik Columbia einsendet, zeigt, daß
die östliche Abweichung daselbst, deren absoluter Werth
6° 33′ beträgt, von 7 Uhr Morgens bis gegen Mittag ab-
nimmt*), ein Resultat, welches mit Herrn Duperrey's

*) Herr Boussingault sagt ausdrücklich in seinem Briefe vom
10. November 1828: „Mes observations de Marmato semblent prou-
ver qu'ici comme à Paris (quoique la déclinaison magnétique
à Marmato soit vers l'est) la pointe nord de l'aiguille se meut
de l'est à l'oeust, depuis le lever du soleil jusqu'à midi. Ce
mouvement a eu lieu lorsque le soleil étoit au zénith, lorsque
le soleil a eu des déclinaisons boréales et australes.
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[331/0013] schen Garten bediente, und deren allzu große Beweg- lichkeit wegen der Luftströmungen, welche die Nähe des Körpers in dem Glaskasten zu erregen scheint, oft sehr unbequem wurde. Ich bediene mich gegenwärtig des Gambey'schen Apparats, welcher, dem älteren Cassi- ni'schen ähnlich, aber zu mikroskopischen Ablesungen eingerichtet ist. Man beobachtet damit gegenwärtig in Paris, in Kasan, in Berlin, und auf meine Bitte, nun auch in Freiberg im Erzgebirge, und in der Provinz An- tioquia in Südamerica zu Marmato (Nördl. Breite 5° 27′). Die schönste und ausführlichste Reihe von Beobachtun- gen stündlicher Abweichungen, welche wir besitzen, ist die, welche man dem Entdecker des Rotations-Magne- tismus, Hrn. Arago, auf der Königl. Sternwarte zu Pa- ris verdankt. Der gelehrte Reisende, Hr. Boussingault, der gleichzeitig die ausgezeichnetsten, chemischen, physikali- schen und astronomischen Arbeiten nach Europa gesandt hat, ist durch mehrere Briefe von mir aufgefordert wor- den, an solchen Punkten der tropischen Regionen, wo die Abweichung östlich ist, den stündlichen Gang der Nadel zu beobachten. Eine Reihe von fast 500 Beobachtungen (meist 6–7 täglich), welche er mir so eben von Mar- mato in der Republik Columbia einsendet, zeigt, daß die östliche Abweichung daselbst, deren absoluter Werth 6° 33′ beträgt, von 7 Uhr Morgens bis gegen Mittag ab- nimmt *), ein Resultat, welches mit Hrn. Duperrey's *) Hr. Boussingault sagt ausdrücklich in seinem Briefe vom 10. Nov. 1828: „Mes observations de Marmato semblent prou- ver qu'ici comme à Paris (quoique la déclinaison magnétique à Marmato soit vers l'est) la pointe nord de l'aiguille se meut de l'est à l'oeust, depuis le lever du soleil jusqu'à midi. Ce mouvement a eu lieu lorsque le soleil étoit au zénith, lorsque le soleil a eu des déclinaisons boréales et australes.“ In der beigefügten Tafel nehmen zwar die Winkel von Morgen bis Mit- tag zu, so daß die östliche Abweichung der Nadel (im Wider- spruch mit den Worten des Briefes) größer zu werden scheint;

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Zitationshilfe: Humboldt, Alexander von: Ueber die Mittel, die Ergründung einiger Phänomene des tellurischen Magnetismus zu erleichtern. In: Annalen der Physik und Chemie, Bd. 15, St. 3, (1829), S. 319-336, hier S. 331. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_mittel_1829/13>, abgerufen am 24.04.2024.