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Hauptmann, Gerhart: Fuhrmann Henschel. Berlin, 1899.

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Se kinn se ruhig behal'n bis zum Winter. Sah'n Se,
was sol ich denn liega, dohie? Itze brauch' ich se nee.
Mir leit nischt dra und daß se mir sicher sein, das
weeß ich.
Siebenhaar. Na Henschel, da bin ich Ihnen sehr
dankbar; Sie thun mir einen großen Gefallen. Im Sommer
kommt Geld ein, wissen Sie ja, jetzt wär' es mir wirklich
schwer geworden.
Henschel. Nu sahn S' es, do kumma mir grade zu-
samma.

Pause.
Siebenhaar umhergehend. Ja ja, ich wundre mich manch-
mal selbst: In dem Hause bin ich doch groß geworden.
Heut', wenn ich nur halbwegs leidlich abschnitte, ich könnte
mit Seelenruhe rausgehn.
Henschel. Ich ging ni gerne, das muß ich san. Ich
weßte reen gar ni, wuhi mit mir!
Siebenhaar. Bei Ihnen ist es vorwärts gegangen,
Henschel. Dieselben Verhältnisse, sehen Sie mal an, gegen
die ich mich nur mit höchster Mühe behaupten konnte, die
eben haben Sie groß gemacht.
Henschel. Dam een'n fahlt 's do, 'm andern do. War
schlimmer dra is, war will das wissa?! Sah'n Se, mir
hot's halt a Weeze o verschlan. Und eb a amol werd
wieder ufstiehn .... Ich bin halt no gar nee bei mir
salber.

Pause.
Siebenhaar. Henschel, alles hat seine Zeit! Das
müssen Sie nun aber überwinden. Sie müssen unter die
Se kinn ſe ruhig behal’n bis zum Winter. Sah’n Se,
was ſol ich denn liega, dohie? Itze brauch’ ich ſe nee.
Mir leit niſcht dra und daß ſe mir ſicher ſein, das
weeß ich.
Siebenhaar. Na Henſchel, da bin ich Ihnen ſehr
dankbar; Sie thun mir einen großen Gefallen. Im Sommer
kommt Geld ein, wiſſen Sie ja, jetzt wär’ es mir wirklich
ſchwer geworden.
Henſchel. Nu ſahn S’ es, do kumma mir grade zu-
ſamma.

Pauſe.
Siebenhaar umhergehend. Ja ja, ich wundre mich manch-
mal ſelbſt: In dem Hauſe bin ich doch groß geworden.
Heut’, wenn ich nur halbwegs leidlich abſchnitte, ich könnte
mit Seelenruhe rausgehn.
Henſchel. Ich ging ni gerne, das muß ich ſan. Ich
weßte reen gar ni, wuhi mit mir!
Siebenhaar. Bei Ihnen iſt es vorwärts gegangen,
Henſchel. Dieſelben Verhältniſſe, ſehen Sie mal an, gegen
die ich mich nur mit höchſter Mühe behaupten konnte, die
eben haben Sie groß gemacht.
Henſchel. Dam een’n fahlt ’s do, ’m andern do. War
ſchlimmer dra is, war will das wiſſa?! Sah’n Se, mir
hot’s halt a Weeze o verſchlan. Und eb a amol werd
wieder ufſtiehn .... Ich bin halt no gar nee bei mir
ſalber.

Pauſe.
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[37/0047] Se kinn ſe ruhig behal’n bis zum Winter. Sah’n Se, was ſol ich denn liega, dohie? Itze brauch’ ich ſe nee. Mir leit niſcht dra und daß ſe mir ſicher ſein, das weeß ich. Siebenhaar. Na Henſchel, da bin ich Ihnen ſehr dankbar; Sie thun mir einen großen Gefallen. Im Sommer kommt Geld ein, wiſſen Sie ja, jetzt wär’ es mir wirklich ſchwer geworden. Henſchel. Nu ſahn S’ es, do kumma mir grade zu- ſamma. Pauſe. Siebenhaar umhergehend. Ja ja, ich wundre mich manch- mal ſelbſt: In dem Hauſe bin ich doch groß geworden. Heut’, wenn ich nur halbwegs leidlich abſchnitte, ich könnte mit Seelenruhe rausgehn. Henſchel. Ich ging ni gerne, das muß ich ſan. Ich weßte reen gar ni, wuhi mit mir! Siebenhaar. Bei Ihnen iſt es vorwärts gegangen, Henſchel. Dieſelben Verhältniſſe, ſehen Sie mal an, gegen die ich mich nur mit höchſter Mühe behaupten konnte, die eben haben Sie groß gemacht. Henſchel. Dam een’n fahlt ’s do, ’m andern do. War ſchlimmer dra is, war will das wiſſa?! Sah’n Se, mir hot’s halt a Weeze o verſchlan. Und eb a amol werd wieder ufſtiehn .... Ich bin halt no gar nee bei mir ſalber. Pauſe. Siebenhaar. Henſchel, alles hat ſeine Zeit! Das müſſen Sie nun aber überwinden. Sie müſſen unter die

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Zitationshilfe: Hauptmann, Gerhart: Fuhrmann Henschel. Berlin, 1899, S. 37. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauptmann_henschel_1899/47>, abgerufen am 03.08.2021.