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Hartwig, Georg Ludwig: Die physische Erziehung der Kinder. Düsseldorf, 1847.

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Es wäre schwer ein Hauptorgan unseres Kör-
pers zu nennen, welches nicht durch die Bewegung
gestärkt würde. Was bemerken wir bei einem jeden
Spaziergange? Der Kreislauf des Blutes wird be-
schleunigt, der Puls geht schneller, die Athemzüge
wiederholen sich rascher. Ein angenehmes Gefühl
von Wärme, welches immer ein Zeichen von erhöh-
ter Vitalität ist, verbreitet sich über die ganze Haut,
und Theile, wo sonst die Circulation stockte (kalte
Hände und Füße) werden roth und lebendig.

Der raschere Umtrieb des Blutes hat bedeuten-
dere Ausscheidungen zur Folge. Durch die vermehrte
Anzahl und größere Tiefe der Athemzüge, durch den
vermehrten Andrang des Blutes nach der Haut, wer-
den eine größere Menge verbrauchter Stoffe aus dem
Körper entfernt. Jndem durch die Bewegung das
Blut gleichmäßiger in allen Körpertheilen circulirt,
werden Congestionen in innern edlen Organen (Ge-
hirn, Lungen, Eingeweide des Unterleibes) verhin-
dert, die den Ausgangspunkt so vieler gefährlicher
Krankheiten bilden.

Beschränkten sich die Wohlthaten der Bewegung
nur allein auf diese Punkte, so wären sie schon höchst
bedeutend, denn wie viel lebensverlängernde und
verschönernde Kraft liegt nicht in Stärkung der Lun-
gen und des Herzens, in regulirter Hautthätigkeit,
in reinen Säften, in gleichmäßiger Blutvertheilung!

Es waͤre ſchwer ein Hauptorgan unſeres Koͤr-
pers zu nennen, welches nicht durch die Bewegung
geſtaͤrkt würde. Was bemerken wir bei einem jeden
Spaziergange? Der Kreislauf des Blutes wird be-
ſchleunigt, der Puls geht ſchneller, die Athemzüge
wiederholen ſich raſcher. Ein angenehmes Gefühl
von Waͤrme, welches immer ein Zeichen von erhoͤh-
ter Vitalitaͤt iſt, verbreitet ſich uͤber die ganze Haut,
und Theile, wo ſonſt die Circulation ſtockte (kalte
Haͤnde und Fuͤße) werden roth und lebendig.

Der raſchere Umtrieb des Blutes hat bedeuten-
dere Ausſcheidungen zur Folge. Durch die vermehrte
Anzahl und groͤßere Tiefe der Athemzüge, durch den
vermehrten Andrang des Blutes nach der Haut, wer-
den eine groͤßere Menge verbrauchter Stoffe aus dem
Koͤrper entfernt. Jndem durch die Bewegung das
Blut gleichmaͤßiger in allen Koͤrpertheilen circulirt,
werden Congestionen in innern edlen Organen (Ge-
hirn, Lungen, Eingeweide des Unterleibes) verhin-
dert, die den Ausgangspunkt ſo vieler gefaͤhrlicher
Krankheiten bilden.

Beſchraͤnkten ſich die Wohlthaten der Bewegung
nur allein auf dieſe Punkte, ſo waͤren ſie ſchon hoͤchſt
bedeutend, denn wie viel lebensverlaͤngernde und
verſchoͤnernde Kraft liegt nicht in Staͤrkung der Lun-
gen und des Herzens, in regulirter Hautthaͤtigkeit,
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[26/0036] Es waͤre ſchwer ein Hauptorgan unſeres Koͤr- pers zu nennen, welches nicht durch die Bewegung geſtaͤrkt würde. Was bemerken wir bei einem jeden Spaziergange? Der Kreislauf des Blutes wird be- ſchleunigt, der Puls geht ſchneller, die Athemzüge wiederholen ſich raſcher. Ein angenehmes Gefühl von Waͤrme, welches immer ein Zeichen von erhoͤh- ter Vitalitaͤt iſt, verbreitet ſich uͤber die ganze Haut, und Theile, wo ſonſt die Circulation ſtockte (kalte Haͤnde und Fuͤße) werden roth und lebendig. Der raſchere Umtrieb des Blutes hat bedeuten- dere Ausſcheidungen zur Folge. Durch die vermehrte Anzahl und groͤßere Tiefe der Athemzüge, durch den vermehrten Andrang des Blutes nach der Haut, wer- den eine groͤßere Menge verbrauchter Stoffe aus dem Koͤrper entfernt. Jndem durch die Bewegung das Blut gleichmaͤßiger in allen Koͤrpertheilen circulirt, werden Congestionen in innern edlen Organen (Ge- hirn, Lungen, Eingeweide des Unterleibes) verhin- dert, die den Ausgangspunkt ſo vieler gefaͤhrlicher Krankheiten bilden. Beſchraͤnkten ſich die Wohlthaten der Bewegung nur allein auf dieſe Punkte, ſo waͤren ſie ſchon hoͤchſt bedeutend, denn wie viel lebensverlaͤngernde und verſchoͤnernde Kraft liegt nicht in Staͤrkung der Lun- gen und des Herzens, in regulirter Hautthaͤtigkeit, in reinen Saͤften, in gleichmaͤßiger Blutvertheilung!

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Zitationshilfe: Hartwig, Georg Ludwig: Die physische Erziehung der Kinder. Düsseldorf, 1847, S. 26. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hartwig_erziehung_1847/36>, abgerufen am 02.03.2024.