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Hartmann, Eugen: Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig, 1868.

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Gegenden, wo nur immer die griechische Zunge ertönte, zu-
sammen und bot reichliche Gelegenheit dar, im gegenseitigen
Verkehre ihre Gedanken auszutauschen und sich über Verhält-
nisse und Ereignisse, welche ihre Heimath, ihre Freunde, ihre
Verwandten betrafen, mündliche Mittheilung zu machen.

So konnte die kleine, auf so zart gegliederten, aber doch
auch wieder auf so geringen Raum zusammen gedrängte und
darum so eng verbundene griechische Welt jene eigenthümlichen
Verkehrseinrichtungen entbehren, welche dem bunt zusammen
gesetzten Perserreiche und nachmals dem römischen Kaiserthum
ebenso zum Bedürfniß geworden waren, als sie unsern mo-
dernen abendländischen Staaten zur unabweisbaren Nothwendig-
keit geworden sind und sich allmählig über den ganzen Erd-
kreis verbreitet haben. --

Wenn aber in Griechenland einmal entfernten Freunden
und Angehörigen ein besonderes Familienereigniß zu melden
war, so leistete aus der zahlreichen Sclavenschaar ein flinker
Bursche denselben Dienst. Aber noch eine andere Ursache ist
zu erwähnen, weßhalb Postdienste in Griechenland kein Be-
dürfniß waren. Jn Persien waren die Eilboten eine durch
politische Rücksichten entstandene und gleichsam gebotene Jn-
stitution, eine Folge also der staatlichen Verhältnisse -- wie
der cursus publicus der römischen Kaiserzeit -- jener wie dieser
eine Stütze despotischer Regierungsform. Griechenland's politisches
Leben dagegen war ganz anderer Art, es war kein aus fremden und
feindseligen Elementen zusammen gesetzter Staat, keine absolute
Monarchie, kein Streben nach Weltherrschaft war sichtbar.

Darum bedurfte Griechenland solcher Einrichtungen nicht.
Wo also Sitte und Gewohnheit, Handel und Verkehr, Boden

Gegenden, wo nur immer die griechiſche Zunge ertönte, zu-
ſammen und bot reichliche Gelegenheit dar, im gegenſeitigen
Verkehre ihre Gedanken auszutauſchen und ſich über Verhält-
niſſe und Ereigniſſe, welche ihre Heimath, ihre Freunde, ihre
Verwandten betrafen, mündliche Mittheilung zu machen.

So konnte die kleine, auf ſo zart gegliederten, aber doch
auch wieder auf ſo geringen Raum zuſammen gedrängte und
darum ſo eng verbundene griechiſche Welt jene eigenthümlichen
Verkehrseinrichtungen entbehren, welche dem bunt zuſammen
geſetzten Perſerreiche und nachmals dem römiſchen Kaiſerthum
ebenſo zum Bedürfniß geworden waren, als ſie unſern mo-
dernen abendländiſchen Staaten zur unabweisbaren Nothwendig-
keit geworden ſind und ſich allmählig über den ganzen Erd-
kreis verbreitet haben. —

Wenn aber in Griechenland einmal entfernten Freunden
und Angehörigen ein beſonderes Familienereigniß zu melden
war, ſo leiſtete aus der zahlreichen Sclavenſchaar ein flinker
Burſche denſelben Dienſt. Aber noch eine andere Urſache iſt
zu erwähnen, weßhalb Poſtdienſte in Griechenland kein Be-
dürfniß waren. Jn Perſien waren die Eilboten eine durch
politiſche Rückſichten entſtandene und gleichſam gebotene Jn-
ſtitution, eine Folge alſo der ſtaatlichen Verhältniſſe — wie
der cursus publicus der römiſchen Kaiſerzeit — jener wie dieſer
eine Stütze despotiſcher Regierungsform. Griechenland's politiſches
Leben dagegen war ganz anderer Art, es war kein aus fremden und
feindſeligen Elementen zuſammen geſetzter Staat, keine abſolute
Monarchie, kein Streben nach Weltherrſchaft war ſichtbar.

Darum bedurfte Griechenland ſolcher Einrichtungen nicht.
Wo alſo Sitte und Gewohnheit, Handel und Verkehr, Boden

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[24/0037] Gegenden, wo nur immer die griechiſche Zunge ertönte, zu- ſammen und bot reichliche Gelegenheit dar, im gegenſeitigen Verkehre ihre Gedanken auszutauſchen und ſich über Verhält- niſſe und Ereigniſſe, welche ihre Heimath, ihre Freunde, ihre Verwandten betrafen, mündliche Mittheilung zu machen. So konnte die kleine, auf ſo zart gegliederten, aber doch auch wieder auf ſo geringen Raum zuſammen gedrängte und darum ſo eng verbundene griechiſche Welt jene eigenthümlichen Verkehrseinrichtungen entbehren, welche dem bunt zuſammen geſetzten Perſerreiche und nachmals dem römiſchen Kaiſerthum ebenſo zum Bedürfniß geworden waren, als ſie unſern mo- dernen abendländiſchen Staaten zur unabweisbaren Nothwendig- keit geworden ſind und ſich allmählig über den ganzen Erd- kreis verbreitet haben. — Wenn aber in Griechenland einmal entfernten Freunden und Angehörigen ein beſonderes Familienereigniß zu melden war, ſo leiſtete aus der zahlreichen Sclavenſchaar ein flinker Burſche denſelben Dienſt. Aber noch eine andere Urſache iſt zu erwähnen, weßhalb Poſtdienſte in Griechenland kein Be- dürfniß waren. Jn Perſien waren die Eilboten eine durch politiſche Rückſichten entſtandene und gleichſam gebotene Jn- ſtitution, eine Folge alſo der ſtaatlichen Verhältniſſe — wie der cursus publicus der römiſchen Kaiſerzeit — jener wie dieſer eine Stütze despotiſcher Regierungsform. Griechenland's politiſches Leben dagegen war ganz anderer Art, es war kein aus fremden und feindſeligen Elementen zuſammen geſetzter Staat, keine abſolute Monarchie, kein Streben nach Weltherrſchaft war ſichtbar. Darum bedurfte Griechenland ſolcher Einrichtungen nicht. Wo alſo Sitte und Gewohnheit, Handel und Verkehr, Boden

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Zitationshilfe: Hartmann, Eugen: Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig, 1868, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hartmann_posten_1868/37>, abgerufen am 23.04.2024.