Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hartmann, Eugen: Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig, 1868.

Bild:
<< vorherige Seite

sandte er einen Boten nach Susa ab, um die Nachricht von
seiner erlittenen Niederlage dahin zu überbringen."

"Nichts in der Welt ist geschwinder", fällt er nun hier
ein, "als diese Boten. Die Perser haben sie auf folgende
Art erfunden: "So viel Tage man zu einem langen Wege nöthig
hat, um ihn zu vollenden, eben so viel Pferde und Leute sollen
sie in einer Weite von einander gestellt haben, als der Weg
Tage erfordert. Weder Schnee, noch Regen, weder Hitze, noch
die Nacht kann und darf sie abhalten, ihre Reise zu vollenden.
Der erste Bote übergibt seine Aufträge dem zweiten, dieser
dem dritten, so daß sie immer von dem einen zum andern
gehen, bis sie an den bestimmten Ort gekommen sind."

Herodot schildert in diesen Worten hauptsächlich die Ge-
schwindigkeit der persischen Posten und gibt einen Anhaltspunkt
über die Entfernung der Wechselstationen von einander und
über den Maßstab, den die Perser hiebei zu Grunde gelegt
hatten. Daß diese Einrichtung gerade erst unter Xerxes auf-
gekommen
war, kann ich nicht daraus entnehmen.

Viel prägnanter schildert Xenophon, der erfahrene Kenner
des Orients, diese Einrichtung1), indem er schreibt: "Cyrus
traf eine der Größe seines Reiches entsprechende Einrichtung, wo-
durch er Nachrichten von dem Allerentferntesten schnell erfuhr. Nach
Ermittlung, welchen Weg ein Pferd bei einem Tagesritte zurück-
legen könne, bis es gefüttert werden müsse, errichtete er in
solchen Entfernungen Stationen und stellte Pferde nebst Wärtern
derselben dahin; auch ernannte er an jedem dieser Orte einen

1) Xenophont. Cyropaed, VIII. 6. §, 17.

ſandte er einen Boten nach Suſa ab, um die Nachricht von
ſeiner erlittenen Niederlage dahin zu überbringen.“

„Nichts in der Welt iſt geſchwinder“, fällt er nun hier
ein, „als dieſe Boten. Die Perſer haben ſie auf folgende
Art erfunden: „So viel Tage man zu einem langen Wege nöthig
hat, um ihn zu vollenden, eben ſo viel Pferde und Leute ſollen
ſie in einer Weite von einander geſtellt haben, als der Weg
Tage erfordert. Weder Schnee, noch Regen, weder Hitze, noch
die Nacht kann und darf ſie abhalten, ihre Reiſe zu vollenden.
Der erſte Bote übergibt ſeine Aufträge dem zweiten, dieſer
dem dritten, ſo daß ſie immer von dem einen zum andern
gehen, bis ſie an den beſtimmten Ort gekommen ſind.“

Herodot ſchildert in dieſen Worten hauptſächlich die Ge-
ſchwindigkeit der perſiſchen Poſten und gibt einen Anhaltspunkt
über die Entfernung der Wechſelſtationen von einander und
über den Maßſtab, den die Perſer hiebei zu Grunde gelegt
hatten. Daß dieſe Einrichtung gerade erſt unter Xerxes auf-
gekommen
war, kann ich nicht daraus entnehmen.

Viel prägnanter ſchildert Xenophon, der erfahrene Kenner
des Orients, dieſe Einrichtung1), indem er ſchreibt: „Cyrus
traf eine der Größe ſeines Reiches entſprechende Einrichtung, wo-
durch er Nachrichten von dem Allerentfernteſten ſchnell erfuhr. Nach
Ermittlung, welchen Weg ein Pferd bei einem Tagesritte zurück-
legen könne, bis es gefüttert werden müſſe, errichtete er in
ſolchen Entfernungen Stationen und ſtellte Pferde nebſt Wärtern
derſelben dahin; auch ernannte er an jedem dieſer Orte einen

1) Xenophont. Cyropaed, VIII. 6. §, 17.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0027" n="14"/>
&#x017F;andte er einen Boten nach Su&#x017F;a ab, um die Nachricht von<lb/>
&#x017F;einer erlittenen Niederlage dahin zu überbringen.&#x201C;</p><lb/>
            <p>&#x201E;Nichts in der Welt i&#x017F;t ge&#x017F;chwinder&#x201C;, fällt er nun hier<lb/>
ein, &#x201E;als die&#x017F;e Boten. Die Per&#x017F;er haben &#x017F;ie auf folgende<lb/>
Art erfunden: &#x201E;So viel Tage man zu einem langen Wege nöthig<lb/>
hat, um ihn zu vollenden, eben &#x017F;o viel Pferde und Leute &#x017F;ollen<lb/>
&#x017F;ie in einer Weite von einander ge&#x017F;tellt haben, als der Weg<lb/>
Tage erfordert. Weder Schnee, noch Regen, weder Hitze, noch<lb/>
die Nacht kann und darf &#x017F;ie abhalten, ihre Rei&#x017F;e zu vollenden.<lb/>
Der er&#x017F;te Bote übergibt &#x017F;eine Aufträge dem zweiten, die&#x017F;er<lb/>
dem dritten, &#x017F;o daß &#x017F;ie immer von dem einen zum andern<lb/>
gehen, bis &#x017F;ie an den be&#x017F;timmten Ort gekommen &#x017F;ind.&#x201C;</p><lb/>
            <p>Herodot &#x017F;childert in die&#x017F;en Worten haupt&#x017F;ächlich die Ge-<lb/>
&#x017F;chwindigkeit der per&#x017F;i&#x017F;chen Po&#x017F;ten und gibt einen Anhaltspunkt<lb/>
über die Entfernung der Wech&#x017F;el&#x017F;tationen von einander und<lb/>
über den Maß&#x017F;tab, den die Per&#x017F;er hiebei zu Grunde gelegt<lb/>
hatten. Daß die&#x017F;e Einrichtung gerade er&#x017F;t unter Xerxes <hi rendition="#g">auf-<lb/>
gekommen</hi> war, kann ich nicht daraus entnehmen.</p><lb/>
            <p>Viel prägnanter &#x017F;childert Xenophon, der erfahrene Kenner<lb/>
des Orients, die&#x017F;e Einrichtung<note place="foot" n="1)"><hi rendition="#aq">Xenophont. Cyropaed, VIII.</hi> 6. §, 17.</note>, indem er &#x017F;chreibt: &#x201E;Cyrus<lb/>
traf eine der Größe &#x017F;eines Reiches ent&#x017F;prechende Einrichtung, wo-<lb/>
durch er Nachrichten von dem Allerentfernte&#x017F;ten &#x017F;chnell erfuhr. Nach<lb/>
Ermittlung, welchen Weg ein Pferd bei einem Tagesritte zurück-<lb/>
legen könne, bis es gefüttert werden mü&#x017F;&#x017F;e, errichtete er in<lb/>
&#x017F;olchen Entfernungen Stationen und &#x017F;tellte Pferde neb&#x017F;t Wärtern<lb/>
der&#x017F;elben dahin; auch ernannte er an jedem die&#x017F;er Orte einen<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[14/0027] ſandte er einen Boten nach Suſa ab, um die Nachricht von ſeiner erlittenen Niederlage dahin zu überbringen.“ „Nichts in der Welt iſt geſchwinder“, fällt er nun hier ein, „als dieſe Boten. Die Perſer haben ſie auf folgende Art erfunden: „So viel Tage man zu einem langen Wege nöthig hat, um ihn zu vollenden, eben ſo viel Pferde und Leute ſollen ſie in einer Weite von einander geſtellt haben, als der Weg Tage erfordert. Weder Schnee, noch Regen, weder Hitze, noch die Nacht kann und darf ſie abhalten, ihre Reiſe zu vollenden. Der erſte Bote übergibt ſeine Aufträge dem zweiten, dieſer dem dritten, ſo daß ſie immer von dem einen zum andern gehen, bis ſie an den beſtimmten Ort gekommen ſind.“ Herodot ſchildert in dieſen Worten hauptſächlich die Ge- ſchwindigkeit der perſiſchen Poſten und gibt einen Anhaltspunkt über die Entfernung der Wechſelſtationen von einander und über den Maßſtab, den die Perſer hiebei zu Grunde gelegt hatten. Daß dieſe Einrichtung gerade erſt unter Xerxes auf- gekommen war, kann ich nicht daraus entnehmen. Viel prägnanter ſchildert Xenophon, der erfahrene Kenner des Orients, dieſe Einrichtung 1), indem er ſchreibt: „Cyrus traf eine der Größe ſeines Reiches entſprechende Einrichtung, wo- durch er Nachrichten von dem Allerentfernteſten ſchnell erfuhr. Nach Ermittlung, welchen Weg ein Pferd bei einem Tagesritte zurück- legen könne, bis es gefüttert werden müſſe, errichtete er in ſolchen Entfernungen Stationen und ſtellte Pferde nebſt Wärtern derſelben dahin; auch ernannte er an jedem dieſer Orte einen 1) Xenophont. Cyropaed, VIII. 6. §, 17.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hartmann_posten_1868
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hartmann_posten_1868/27
Zitationshilfe: Hartmann, Eugen: Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig, 1868, S. 14. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hartmann_posten_1868/27>, abgerufen am 18.04.2024.