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Die Grenzboten. Jg. 36, 1877, II. Semester. II. Band.

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Dieser Spruch muß auf ein Papier geschrieben und dieser Zettel muß drei
Wochen am Leibe getragen und dann verbrannt werden. Ein westfälischer
Zauberspruch dieser Art heißt:


"Die Bienen ohne Lunge,
Die Störche ohne Zunge,
Die Tauben ohne Galle
Hilft für die siebenundsiebzig Fieber alle.
Im Namen Gottes, des Vaters n. f. w.

In Holstein schreibt man auf einen Zettel, den der Kranke verschlucken muß,
mit köstlicher Naivität: "Fieber, bleib aus, N. N. ist nicht zu Haus."

Andere Beschwörungsformeln der Volksmedizin sind folgende:

Gegen die "englische Krankheit" (Skrofeln): "Eugelske Krankheit, verswinu,
wie de Dau an de Surr, wie de Kukuk oäer den Saewenstern," (Schleswig-
Holstein).

Gegen Nasenbluten:


"Löß regen, wenn eS regen will,
Und lo dem Bach de Lauf,
lind wenn es gülte g'regnet hat,
So Horts von selber auf."

(Aaargcm). "Adel, Wädel, Fcibek. In Christigarten, da stehen drei rothe Rosen,
eine für das Gut, die andre für das Blut, die dritte für den Engel Gabriel.
Im Namen Gottes, des Vaters" u. f. w. (Provinz Preußen).

Gegen stark blutende Wunden: "Auf unserm Herrgott seinem Haupt, da
blühen drei Rosen, die erste ist seine Tugend, die zweite ist seine Jugend, die
dritte ist sein Wille. Blut, steh' du in der Wunde stille, daß du weder Ge-
schwürr uoch Eiterbulen gebest. Im Namen" u. s. w. (Schleswig-Holstein).
Zu Kerusalem stett en Baum, der hott drei Beere, eene heeßt Zobb, die armer
Kobb, die dritte Bludsdropp. Blut, du sollst steh! Im Namen", u. s. w.
Man spricht die Formel, indem man den rechten Daumen auf die Wunde
drückt und zuletzt darauf bläst. (Westfalen). Man nimmt ein Reiß von einem
Fruchtbaum und zwar so, daß man es herunterbiegt und von Abend gegen
Morgen abschneidet, dann dreht man sich um und schneidet das andere Ende
ebenfalls von Abend gegen Morgen schräg ab, drückt darauf das Reiß zweimal
und zwar kreuzweise, auf die Wunde, so daß es mit Blut benetzt wird, und
windet nun einen Leinwandlcippen um dasselbe, der mit einem Faden befestigt
wird. Beim Aufdrücken des Rüthchens anf die Wunde spricht man leise: "Ich
ging Morgens in einen Thau, da begegneten mir drei heilige Jungfrau'n; die
eine heißt Blutwvlfe, die andere heißt Blutstölfe, die dritte heißt Blutstehestill.
Im Namen" u. s. w. (Westfalen). "Blut, verlaß deinen Gang, wie unser


Dieser Spruch muß auf ein Papier geschrieben und dieser Zettel muß drei
Wochen am Leibe getragen und dann verbrannt werden. Ein westfälischer
Zauberspruch dieser Art heißt:


„Die Bienen ohne Lunge,
Die Störche ohne Zunge,
Die Tauben ohne Galle
Hilft für die siebenundsiebzig Fieber alle.
Im Namen Gottes, des Vaters n. f. w.

In Holstein schreibt man auf einen Zettel, den der Kranke verschlucken muß,
mit köstlicher Naivität: „Fieber, bleib aus, N. N. ist nicht zu Haus."

Andere Beschwörungsformeln der Volksmedizin sind folgende:

Gegen die „englische Krankheit" (Skrofeln): „Eugelske Krankheit, verswinu,
wie de Dau an de Surr, wie de Kukuk oäer den Saewenstern," (Schleswig-
Holstein).

Gegen Nasenbluten:


„Löß regen, wenn eS regen will,
Und lo dem Bach de Lauf,
lind wenn es gülte g'regnet hat,
So Horts von selber auf."

(Aaargcm). „Adel, Wädel, Fcibek. In Christigarten, da stehen drei rothe Rosen,
eine für das Gut, die andre für das Blut, die dritte für den Engel Gabriel.
Im Namen Gottes, des Vaters" u. f. w. (Provinz Preußen).

Gegen stark blutende Wunden: „Auf unserm Herrgott seinem Haupt, da
blühen drei Rosen, die erste ist seine Tugend, die zweite ist seine Jugend, die
dritte ist sein Wille. Blut, steh' du in der Wunde stille, daß du weder Ge-
schwürr uoch Eiterbulen gebest. Im Namen" u. s. w. (Schleswig-Holstein).
Zu Kerusalem stett en Baum, der hott drei Beere, eene heeßt Zobb, die armer
Kobb, die dritte Bludsdropp. Blut, du sollst steh! Im Namen", u. s. w.
Man spricht die Formel, indem man den rechten Daumen auf die Wunde
drückt und zuletzt darauf bläst. (Westfalen). Man nimmt ein Reiß von einem
Fruchtbaum und zwar so, daß man es herunterbiegt und von Abend gegen
Morgen abschneidet, dann dreht man sich um und schneidet das andere Ende
ebenfalls von Abend gegen Morgen schräg ab, drückt darauf das Reiß zweimal
und zwar kreuzweise, auf die Wunde, so daß es mit Blut benetzt wird, und
windet nun einen Leinwandlcippen um dasselbe, der mit einem Faden befestigt
wird. Beim Aufdrücken des Rüthchens anf die Wunde spricht man leise: „Ich
ging Morgens in einen Thau, da begegneten mir drei heilige Jungfrau'n; die
eine heißt Blutwvlfe, die andere heißt Blutstölfe, die dritte heißt Blutstehestill.
Im Namen" u. s. w. (Westfalen). „Blut, verlaß deinen Gang, wie unser


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Zitationshilfe: Die Grenzboten. Jg. 36, 1877, II. Semester. II. Band, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/grenzboten_341825_157645/180>, abgerufen am 22.07.2024.