Die Grenzboten. Jg. 9, 1850, I. Semester. I. Band.mit Windischgrätz geflüchtet, waren doch Viele -- im Vertrauen ans die magya¬ Da dem Feldmarschall das Suchen so schwer fällt, will ich ihm sein Werk Mit diesen fünf Urtheilen glaubte mau der Parteirache und dem Vaterlande Um Nichts zu verschweige"!, muß ich noch Eines Opfers erwähnen. Lange nach der Katastrophe zu Vit/,göö wurde in Komorn (11. September Und mit diesen Sees s Hinrichtungen, zu denen ^ sich auch bei den emsigsten mit Windischgrätz geflüchtet, waren doch Viele — im Vertrauen ans die magya¬ Da dem Feldmarschall das Suchen so schwer fällt, will ich ihm sein Werk Mit diesen fünf Urtheilen glaubte mau der Parteirache und dem Vaterlande Um Nichts zu verschweige»!, muß ich noch Eines Opfers erwähnen. Lange nach der Katastrophe zu Vit/,göö wurde in Komorn (11. September Und mit diesen Sees s Hinrichtungen, zu denen ^ sich auch bei den emsigsten <TEI> <text> <body> <div> <div n="1"> <pb facs="#f0480" corresp="http://brema.suub.uni-bremen.de/grenzboten/periodical/pageview/93303"/> <p xml:id="ID_1676" prev="#ID_1675"> mit Windischgrätz geflüchtet, waren doch Viele — im Vertrauen ans die magya¬<lb/> rische Großmuth, zurückgeblieben. Das Volk drang auf Untersuchung und Be¬<lb/> strafung. Daniel Jnmyi, bevollmächtigter Regierungscommissär für Pudapesth,<lb/> setzte am I. Mai, unter Alexius Fenyes' Präsidium, im Auftrage der Regierung<lb/> eine „standrechtlich urtheilende gemischte Militär- und Civilgerichtsbarkeit" nieder.<lb/> Diese Behörde war die einzige, welche das Henkerbeil des magyarischen Terro¬<lb/> rismus Schwange Aber nicht über unzählige Opfer.</p><lb/> <p xml:id="ID_1677"> Da dem Feldmarschall das Suchen so schwer fällt, will ich ihm sein Werk<lb/> erleichtern und die unglücklichen Opfer aufzählen und nahmhaft macheu. Es<lb/> waren ihrer fünf, nämlich: Franz Leugyel, Spion; Emerich Mikei, k. k. Monti-<lb/> rungscommissär; Chr. Ofener, Pulverfabrikant; Daniel Nvvick, Beamter und<lb/> Wilhelm Mayer, Pfaudhanswächter, Eine Unzahl war das nicht.</p><lb/> <p xml:id="ID_1678"> Mit diesen fünf Urtheilen glaubte mau der Parteirache und dem Vaterlande<lb/> Genüge gethan zu haben. Wiewohl noch sehr Viele in Budapesth eiuherschritten,<lb/> welche den Tod ebensowohl verdient hätten, wie irgend ein Füsilirter von Arad,<lb/> wurde doch kein einziges Urtheil, weder auf Tod noch- auf sonstige Bestrafung<lb/> mehr gefällt. Anfangs Juni reichte das Standgericht seine Demission ein. Sie<lb/> wurde angenommen. Das magyarische Henkerbeil rastete und röstete.</p><lb/> <p xml:id="ID_1679"> Um Nichts zu verschweige»!, muß ich noch Eines Opfers erwähnen.</p><lb/> <p xml:id="ID_1680"> Lange nach der Katastrophe zu Vit/,göö wurde in Komorn (11. September<lb/> 1849) ein Mähre, Namens Wetßberg aufgehängt. Der Mann war sehr loyal.<lb/> Sie- wissen das am besten, Excellenz? Wir finden es für-den Augenblick nichtian<lb/> >der Zeit, die Veranlassung zu diesem Todesurtheil anzugeben. Aber das Eine<lb/> wollen wir bemerken: Der Armselige, welcher vor dem Kriegsgericht Anfangs<lb/> hartnäckig leugnete, hat vor seinem Hinscheiden dem Schreiber dieser Zeilen ein<lb/> offenes Geständniß abgelegt.</p><lb/> <p xml:id="ID_1681"> Und mit diesen Sees s Hinrichtungen, zu denen ^ sich auch bei den emsigsten<lb/> „Nachsuchungen" keine siebente, gerichtlich angeordnete wird auffinden lassen, will<lb/> Haynau seine zahllosen Heukerthaten beschönigen, die öffentliche Meinung gegen<lb/> Ungarn aufregen und für sich gewinnen? -</p><lb/> <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [0480]
mit Windischgrätz geflüchtet, waren doch Viele — im Vertrauen ans die magya¬
rische Großmuth, zurückgeblieben. Das Volk drang auf Untersuchung und Be¬
strafung. Daniel Jnmyi, bevollmächtigter Regierungscommissär für Pudapesth,
setzte am I. Mai, unter Alexius Fenyes' Präsidium, im Auftrage der Regierung
eine „standrechtlich urtheilende gemischte Militär- und Civilgerichtsbarkeit" nieder.
Diese Behörde war die einzige, welche das Henkerbeil des magyarischen Terro¬
rismus Schwange Aber nicht über unzählige Opfer.
Da dem Feldmarschall das Suchen so schwer fällt, will ich ihm sein Werk
erleichtern und die unglücklichen Opfer aufzählen und nahmhaft macheu. Es
waren ihrer fünf, nämlich: Franz Leugyel, Spion; Emerich Mikei, k. k. Monti-
rungscommissär; Chr. Ofener, Pulverfabrikant; Daniel Nvvick, Beamter und
Wilhelm Mayer, Pfaudhanswächter, Eine Unzahl war das nicht.
Mit diesen fünf Urtheilen glaubte mau der Parteirache und dem Vaterlande
Genüge gethan zu haben. Wiewohl noch sehr Viele in Budapesth eiuherschritten,
welche den Tod ebensowohl verdient hätten, wie irgend ein Füsilirter von Arad,
wurde doch kein einziges Urtheil, weder auf Tod noch- auf sonstige Bestrafung
mehr gefällt. Anfangs Juni reichte das Standgericht seine Demission ein. Sie
wurde angenommen. Das magyarische Henkerbeil rastete und röstete.
Um Nichts zu verschweige»!, muß ich noch Eines Opfers erwähnen.
Lange nach der Katastrophe zu Vit/,göö wurde in Komorn (11. September
1849) ein Mähre, Namens Wetßberg aufgehängt. Der Mann war sehr loyal.
Sie- wissen das am besten, Excellenz? Wir finden es für-den Augenblick nichtian
>der Zeit, die Veranlassung zu diesem Todesurtheil anzugeben. Aber das Eine
wollen wir bemerken: Der Armselige, welcher vor dem Kriegsgericht Anfangs
hartnäckig leugnete, hat vor seinem Hinscheiden dem Schreiber dieser Zeilen ein
offenes Geständniß abgelegt.
Und mit diesen Sees s Hinrichtungen, zu denen ^ sich auch bei den emsigsten
„Nachsuchungen" keine siebente, gerichtlich angeordnete wird auffinden lassen, will
Haynau seine zahllosen Heukerthaten beschönigen, die öffentliche Meinung gegen
Ungarn aufregen und für sich gewinnen? -
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