Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Grabbe, Christian Dietrich: Napoleon oder Die hundert Tage. Frankfurt (Main), 1831.

Bild:
<< vorherige Seite
mit Soldaten gesprochen, vorbeigekommen, und
alles Volk hat ihm ein Lebehoch zugerufen.
Herzog von Berry.
Ja, und noch mehr. Sie nannten ihn: "einst
König". Nun der Einst-König hüte sich vor uns
und vor Ihnen, Sire, wenn er conspiriren sollte,
und ich glaube, er thut es.
Herzogin von Angouleme.
Das wäre kein Wunder, Freund. Das Haus
der Orleans wimmelte stets von Mördern der
Bourbons. Sie wollen die ersten in dem Geschlecht
seyn, wo sie nur die zweiten sind. Vergiftete der
Regent nicht die Nachkommenschaft des großen
Ludwigs? Brachte der sogenannte Egalite nicht
meinen Vater auf das Schaffot?
Herzog von Angouleme.
Doch der jetzige Orleans, Gemahlin, ist besser
als seine Vorfahren.
Herzogin von Angouleme.
Er ist -- ein Orleans.
Herzog von Angouleme.
Und das --?
Herzogin von Angouleme.
Sagt alles. Jeder artet nach dem Geschlecht,
aus dem er entsprossen. Zeige mir in Bonapar-
mit Soldaten geſprochen, vorbeigekommen, und
alles Volk hat ihm ein Lebehoch zugerufen.
Herzog von Berry.
Ja, und noch mehr. Sie nannten ihn: »einſt
König«. Nun der Einſt-König hüte ſich vor uns
und vor Ihnen, Sire, wenn er conſpiriren ſollte,
und ich glaube, er thut es.
Herzogin von Angouleme.
Das wäre kein Wunder, Freund. Das Haus
der Orleans wimmelte ſtets von Mördern der
Bourbons. Sie wollen die erſten in dem Geſchlecht
ſeyn, wo ſie nur die zweiten ſind. Vergiftete der
Regent nicht die Nachkommenſchaft des großen
Ludwigs? Brachte der ſogenannte Egalité nicht
meinen Vater auf das Schaffot?
Herzog von Angouleme.
Doch der jetzige Orleans, Gemahlin, iſt beſſer
als ſeine Vorfahren.
Herzogin von Angouleme.
Er iſt — ein Orleans.
Herzog von Angouleme.
Und das —?
Herzogin von Angouleme.
Sagt alles. Jeder artet nach dem Geſchlecht,
aus dem er entſproſſen. Zeige mir in Bonapar-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <sp who="#ANGO">
              <p><pb facs="#f0060" n="52"/>
mit Soldaten ge&#x017F;prochen, vorbeigekommen, und<lb/>
alles Volk hat ihm ein Lebehoch zugerufen.</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#BERR">
              <speaker><hi rendition="#g">Herzog von Berry</hi>.</speaker><lb/>
              <p>Ja, und noch mehr. Sie nannten ihn: »ein&#x017F;t<lb/>
König«. Nun der Ein&#x017F;t-König hüte &#x017F;ich vor uns<lb/>
und vor Ihnen, Sire, wenn er con&#x017F;piriren &#x017F;ollte,<lb/>
und ich glaube, er thut es.</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#ANGOI">
              <speaker><hi rendition="#g">Herzogin von Angouleme</hi>.</speaker><lb/>
              <p>Das wäre kein Wunder, Freund. Das Haus<lb/>
der Orleans wimmelte &#x017F;tets von Mördern der<lb/>
Bourbons. Sie wollen die er&#x017F;ten in dem Ge&#x017F;chlecht<lb/>
&#x017F;eyn, wo &#x017F;ie nur die zweiten &#x017F;ind. Vergiftete der<lb/>
Regent nicht die Nachkommen&#x017F;chaft des großen<lb/>
Ludwigs? Brachte der &#x017F;ogenannte Egalit<hi rendition="#aq">é</hi> nicht<lb/>
meinen Vater auf das Schaffot?</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#ANGO">
              <speaker><hi rendition="#g">Herzog von Angouleme</hi>.</speaker><lb/>
              <p>Doch der jetzige Orleans, Gemahlin, i&#x017F;t be&#x017F;&#x017F;er<lb/>
als &#x017F;eine Vorfahren.</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#ANGOI">
              <speaker><hi rendition="#g">Herzogin von Angouleme</hi>.</speaker><lb/>
              <p>Er i&#x017F;t &#x2014; ein Orleans.</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#ANGO">
              <speaker><hi rendition="#g">Herzog von Angouleme</hi>.</speaker><lb/>
              <p>Und das &#x2014;?</p>
            </sp><lb/>
            <sp who="#ANGOI">
              <speaker><hi rendition="#g">Herzogin von Angouleme</hi>.</speaker><lb/>
              <p>Sagt alles. Jeder artet nach dem Ge&#x017F;chlecht,<lb/>
aus dem er ent&#x017F;pro&#x017F;&#x017F;en. Zeige mir in Bonapar-<lb/></p>
            </sp>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[52/0060] mit Soldaten geſprochen, vorbeigekommen, und alles Volk hat ihm ein Lebehoch zugerufen. Herzog von Berry. Ja, und noch mehr. Sie nannten ihn: »einſt König«. Nun der Einſt-König hüte ſich vor uns und vor Ihnen, Sire, wenn er conſpiriren ſollte, und ich glaube, er thut es. Herzogin von Angouleme. Das wäre kein Wunder, Freund. Das Haus der Orleans wimmelte ſtets von Mördern der Bourbons. Sie wollen die erſten in dem Geſchlecht ſeyn, wo ſie nur die zweiten ſind. Vergiftete der Regent nicht die Nachkommenſchaft des großen Ludwigs? Brachte der ſogenannte Egalité nicht meinen Vater auf das Schaffot? Herzog von Angouleme. Doch der jetzige Orleans, Gemahlin, iſt beſſer als ſeine Vorfahren. Herzogin von Angouleme. Er iſt — ein Orleans. Herzog von Angouleme. Und das —? Herzogin von Angouleme. Sagt alles. Jeder artet nach dem Geſchlecht, aus dem er entſproſſen. Zeige mir in Bonapar-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/grabbe_napoleon_1831
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/grabbe_napoleon_1831/60
Zitationshilfe: Grabbe, Christian Dietrich: Napoleon oder Die hundert Tage. Frankfurt (Main), 1831, S. 52. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/grabbe_napoleon_1831/60>, abgerufen am 16.04.2024.