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Gottschall, Rudolph: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik [v]om Standpunkte der Neuzeit. Breslau, 1858.

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Dritter Abschnitt.
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Die Dichtkunst und die Malerei.

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Als Kunst erscheint die Poesie neben den anderen Künsten, und es gilt pgo_036.004
zu bestimmen, was sie von jenen aufnimmt, und wie sie sich von ihnen pgo_036.005
sondert. Jean Paul erklärt sich zwar gegen den Parallelismus der pgo_036.006
Darstellung, aus welchem man Nichts lernen könne*); doch er faßt dies pgo_036.007
zu äußerlich. Jede Bestimmung ist nach Spinoza eine Negation; aber pgo_036.008
auch umgekehrt jede Negation eine Bestimmung. Das Reich existirt pgo_036.009
nur durch seine Grenze, und der Nachweis der Schranke gehört zum pgo_036.010
Nachweis des Wesens. Außerdem spielen in die Poesie als die vollkommenste pgo_036.011
Kunst die anderen so hinein, daß ihr eigenes Wesen am meisten pgo_036.012
durch die Erkenntniß aufgehellt wird, was ihr mit ihnen gemeinsam ist, pgo_036.013
und wodurch sie sich von ihnen unterscheidet. Daß hier der analytische pgo_036.014
Gang die schlagendsten positiven Resultate ergiebt, hat wohl am klarsten pgo_036.015
Lessing in seinem "Laokoon" bewiesen, dessen Grundsätze für das pgo_036.016
Verhältniß der Poesie und Malerei noch für den heutigen Tag maßgebend pgo_036.017
erscheinen müssen.

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Die Malerei mag hier die anderen bildenden Künste überhaupt pgo_036.019
vertreten, da sie gerade in den wesentlichen Vergleichungspunkten mit pgo_036.020
ihnen übereinstimmt und für sie gesetzt werden kann. Der Maler giebt pgo_036.021
dem geistigen Bild durch Linien und Farben eine sinnliche Wirklichkeit pgo_036.022
auf der Fläche, im Raume; der Dichter verwirklicht das seine in der pgo_036.023
Vorstellung, und zwar durch die Sprache, also in der Zeit. Der pgo_036.024
Maler schafft sein Bild durch das Nebeneinander der Linien und

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Vorschule der Aesthetik. S. 18 spricht er von den verschiedenen Wegen pgo_036.026
der neuen Aesthetiker, Nichts zu sagen: "der erste ist der des Parallelismus, auf welchem pgo_036.027
Reinhold, Schiller und Andere ebenso oft auch Systeme darstellen; man hält pgo_036.028
nämlich den Gegenstand, anstatt ihn absolut zu construiren, an irgend einen zweiten pgo_036.029
(in unserem Falle Dichtkunst etwa an Philosophie oder an bildende und zeichnende pgo_036.030
Künste) und vergleicht willkürliche Merkmale so unnütz hin und her, als es z. B. sein pgo_036.031
würde, wenn man von der Tanzkunst durch die Vergleichung mit der Fechtkunst einige pgo_036.032
Begriffe beibringen wollte und deswegen bemerkte, die eine rege mehr die Füße, die pgo_036.033
andere mehr die Arme, jene bewege sich mehr in krummen, diese in geraden Linien, pgo_036.034
jene für, diese gegen einen Menschen."
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Die Dichtkunst und die Malerei.

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Als Kunst erscheint die Poesie neben den anderen Künsten, und es gilt pgo_036.004
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Kunst die anderen so hinein, daß ihr eigenes Wesen am meisten pgo_036.012
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Lessing in seinem „Laokoon“ bewiesen, dessen Grundsätze für das pgo_036.016
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erscheinen müssen.

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Die Malerei mag hier die anderen bildenden Künste überhaupt pgo_036.019
vertreten, da sie gerade in den wesentlichen Vergleichungspunkten mit pgo_036.020
ihnen übereinstimmt und für sie gesetzt werden kann. Der Maler giebt pgo_036.021
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Reinhold, Schiller und Andere ebenso oft auch Systeme darstellen; man hält pgo_036.028
nämlich den Gegenstand, anstatt ihn absolut zu construiren, an irgend einen zweiten pgo_036.029
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Künste) und vergleicht willkürliche Merkmale so unnütz hin und her, als es z. B. sein pgo_036.031
würde, wenn man von der Tanzkunst durch die Vergleichung mit der Fechtkunst einige pgo_036.032
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Zitationshilfe: Gottschall, Rudolph: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik [v]om Standpunkte der Neuzeit. Breslau, 1858, S. 36. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gottschall_poetik_1858/58>, abgerufen am 13.07.2024.