Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Goethe, Johann Wolfgang von: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. [s. l.], 1773.

Bild:
<< vorherige Seite


Götz. Das war mir von jeher ein fataler Ort.
Elisabeth. (ließt.) "Da waren selbst einige
von den Bündischen, die zu mir sagten: ich habe
thörig gethan mich meinen ärgsten Feinden zu stel-
len, da ich doch vermuthen konnte sie würden nicht
glimpflich mit mir umgehn, da antwortet ich:"
Nun was antwortetest du? schreibe weiter.
Götz. Jch sagte: setz ich so oft meine Haut an
anderer Gut und Geld, sollt ich sie nicht an mein
Wort setzen.
Elisabeth. Diesen Ruf hast du.
Götz. Den sollen sie mir nicht nehmen! Sie
haben mir alles genommen, Gut, Freyheit --
Elisabeth. Es fällt in die Zeiten wie ich die
von Miltenberg und Singlingen in der Wirthstube
fand, die mich nicht kannten. Da hat ich eine
Freude als wenn ich einen Sohn gebohren hätte.
Sie rühmten dich unter einander, und sagten: Er
ist das Muster eines Ritters, tapfer und edel in
seiner Freyheit, und gelassen und treu im Unglück.
Götz. Sie sollen mir einen stellen dem ich mein
Wort gebrochen. Und Gott weiß, daß ich mehr
geschwitzt hab meinem Nächsten zu dienen als mir,
daß


Goͤtz. Das war mir von jeher ein fataler Ort.
Eliſabeth. (ließt.) „Da waren ſelbſt einige
von den Buͤndiſchen, die zu mir ſagten: ich habe
thoͤrig gethan mich meinen aͤrgſten Feinden zu ſtel-
len, da ich doch vermuthen konnte ſie wuͤrden nicht
glimpflich mit mir umgehn, da antwortet ich:„
Nun was antworteteſt du? ſchreibe weiter.
Goͤtz. Jch ſagte: ſetz ich ſo oft meine Haut an
anderer Gut und Geld, ſollt ich ſie nicht an mein
Wort ſetzen.
Eliſabeth. Dieſen Ruf haſt du.
Goͤtz. Den ſollen ſie mir nicht nehmen! Sie
haben mir alles genommen, Gut, Freyheit —
Eliſabeth. Es faͤllt in die Zeiten wie ich die
von Miltenberg und Singlingen in der Wirthſtube
fand, die mich nicht kannten. Da hat ich eine
Freude als wenn ich einen Sohn gebohren haͤtte.
Sie ruͤhmten dich unter einander, und ſagten: Er
iſt das Muſter eines Ritters, tapfer und edel in
ſeiner Freyheit, und gelaſſen und treu im Ungluͤck.
Goͤtz. Sie ſollen mir einen ſtellen dem ich mein
Wort gebrochen. Und Gott weiß, daß ich mehr
geſchwitzt hab meinem Naͤchſten zu dienen als mir,
daß
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <sp who="#ELI">
          <pb facs="#f0170" n="166"/>
          <fw place="top" type="header">
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          </fw>
        </sp>
        <sp who="#GOETZ">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Go&#x0364;tz.</hi> </speaker>
          <p>Das war mir von jeher ein fataler Ort.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#ELI">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Eli&#x017F;abeth.</hi> </speaker>
          <stage>(ließt.)</stage>
          <p>&#x201E;Da waren &#x017F;elb&#x017F;t einige<lb/>
von den Bu&#x0364;ndi&#x017F;chen, die zu mir &#x017F;agten: ich habe<lb/>
tho&#x0364;rig gethan mich meinen a&#x0364;rg&#x017F;ten Feinden zu &#x017F;tel-<lb/>
len, da ich doch vermuthen konnte &#x017F;ie wu&#x0364;rden nicht<lb/>
glimpflich mit mir umgehn, da antwortet ich:&#x201E;<lb/>
Nun was antwortete&#x017F;t du? &#x017F;chreibe weiter.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#GOETZ">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Go&#x0364;tz.</hi> </speaker>
          <p>Jch &#x017F;agte: &#x017F;etz ich &#x017F;o oft meine Haut an<lb/>
anderer Gut und Geld, &#x017F;ollt ich &#x017F;ie nicht an mein<lb/>
Wort &#x017F;etzen.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#ELI">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Eli&#x017F;abeth.</hi> </speaker>
          <p>Die&#x017F;en Ruf ha&#x017F;t du.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#GOETZ">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Go&#x0364;tz.</hi> </speaker>
          <p>Den &#x017F;ollen &#x017F;ie mir nicht nehmen! Sie<lb/>
haben mir alles genommen, Gut, Freyheit &#x2014;</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#ELI">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Eli&#x017F;abeth.</hi> </speaker>
          <p>Es fa&#x0364;llt in die Zeiten wie ich die<lb/>
von Miltenberg und Singlingen in der Wirth&#x017F;tube<lb/>
fand, die mich nicht kannten. Da hat ich eine<lb/>
Freude als wenn ich einen Sohn gebohren ha&#x0364;tte.<lb/>
Sie ru&#x0364;hmten dich unter einander, und &#x017F;agten: Er<lb/>
i&#x017F;t das Mu&#x017F;ter eines Ritters, tapfer und edel in<lb/>
&#x017F;einer Freyheit, und gela&#x017F;&#x017F;en und treu im Unglu&#x0364;ck.</p>
        </sp><lb/>
        <sp who="#GOETZ">
          <speaker> <hi rendition="#fr">Go&#x0364;tz.</hi> </speaker>
          <p>Sie &#x017F;ollen mir einen &#x017F;tellen dem ich mein<lb/>
Wort gebrochen. Und Gott weiß, daß ich mehr<lb/>
ge&#x017F;chwitzt hab meinem Na&#x0364;ch&#x017F;ten zu dienen als mir,<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">daß</fw><lb/></p>
        </sp>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[166/0170] Goͤtz. Das war mir von jeher ein fataler Ort. Eliſabeth. (ließt.) „Da waren ſelbſt einige von den Buͤndiſchen, die zu mir ſagten: ich habe thoͤrig gethan mich meinen aͤrgſten Feinden zu ſtel- len, da ich doch vermuthen konnte ſie wuͤrden nicht glimpflich mit mir umgehn, da antwortet ich:„ Nun was antworteteſt du? ſchreibe weiter. Goͤtz. Jch ſagte: ſetz ich ſo oft meine Haut an anderer Gut und Geld, ſollt ich ſie nicht an mein Wort ſetzen. Eliſabeth. Dieſen Ruf haſt du. Goͤtz. Den ſollen ſie mir nicht nehmen! Sie haben mir alles genommen, Gut, Freyheit — Eliſabeth. Es faͤllt in die Zeiten wie ich die von Miltenberg und Singlingen in der Wirthſtube fand, die mich nicht kannten. Da hat ich eine Freude als wenn ich einen Sohn gebohren haͤtte. Sie ruͤhmten dich unter einander, und ſagten: Er iſt das Muſter eines Ritters, tapfer und edel in ſeiner Freyheit, und gelaſſen und treu im Ungluͤck. Goͤtz. Sie ſollen mir einen ſtellen dem ich mein Wort gebrochen. Und Gott weiß, daß ich mehr geſchwitzt hab meinem Naͤchſten zu dienen als mir, daß

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_goetz_1773
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_goetz_1773/170
Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. [s. l.], 1773, S. 166. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_goetz_1773/170>, abgerufen am 21.04.2024.