kauet werden müsse, und daß die Ructus hierzu nö- thig seyn. Daß aber die wiedergekauete Speise nicht wieder in den Wanst, sondern in den Magen- zipfel sogleich hineinfalle, habe ich bereits §. 9. an- gezeiget. Wem dieses unbegreiflich vorkommen möch- te, der wird bey einer genauen Untersuchung des eröfneten Viehes, wozu man die beste Gelegenheit bey den Fleischhauern hat, bald finden, daß es sich so und nicht anders verhalte. Vielleicht kann folgen- des zu einer mehrern Erläuterung dienen, wenn
§. 11.
Erwogen wird: daß ein Kalb, so lange es die Muttermilch genießt, nicht wiederkauet; sobald es aber Futter frißt, so thut es dasselbe. Man schlachte ein solches Kalb, das noch kein Futter gefressen, so wird man die Milch, die es eingesogen, nicht in der ersten Abtheilung, als dem Wanste, der zu der Zeit leer, und noch sehr klein ist, sondern in der zweyten Abtheilung, dem Magenzipfel, wohin sie durch den Schlund sogleich fället, finden. Da die Milch des Kauens und also auch des Wiederkauens nicht be- darf; so ist auch nicht nöthig, daß sie zuvörderst in den ersten Magen gehe; denn wenn sie dahin gienge, so würde 1) etwas ohne Noth geschehen, und 2) würde sie bey dem Uebergehen Ructus erregen und aufsteigen; welches wo es nicht schädlich, doch ohne Nothwendigkeit wäre, das man in der Natur nicht anzutreffen pfleget. Da nun das, was zum Wie- derkauen nicht nöthig ist, sogleich in den zweyten Ma- gen gehet; so lernet man einsehen, warum die bey dem alten Vieh gewiederkauete Speise, nicht wieder da- hin gehet, wo sie hergekommen; und ferner, daß der erste Magen, der Wanst, nicht zur Verdauung, son- dern nur zu einer Vorrathskammer geschaffen sey, die
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kauet werden muͤſſe, und daß die Ructus hierzu noͤ- thig ſeyn. Daß aber die wiedergekauete Speiſe nicht wieder in den Wanſt, ſondern in den Magen- zipfel ſogleich hineinfalle, habe ich bereits §. 9. an- gezeiget. Wem dieſes unbegreiflich vorkommen moͤch- te, der wird bey einer genauen Unterſuchung des eroͤfneten Viehes, wozu man die beſte Gelegenheit bey den Fleiſchhauern hat, bald finden, daß es ſich ſo und nicht anders verhalte. Vielleicht kann folgen- des zu einer mehrern Erlaͤuterung dienen, wenn
§. 11.
Erwogen wird: daß ein Kalb, ſo lange es die Muttermilch genießt, nicht wiederkauet; ſobald es aber Futter frißt, ſo thut es daſſelbe. Man ſchlachte ein ſolches Kalb, das noch kein Futter gefreſſen, ſo wird man die Milch, die es eingeſogen, nicht in der erſten Abtheilung, als dem Wanſte, der zu der Zeit leer, und noch ſehr klein iſt, ſondern in der zweyten Abtheilung, dem Magenzipfel, wohin ſie durch den Schlund ſogleich faͤllet, finden. Da die Milch des Kauens und alſo auch des Wiederkauens nicht be- darf; ſo iſt auch nicht noͤthig, daß ſie zuvoͤrderſt in den erſten Magen gehe; denn wenn ſie dahin gienge, ſo wuͤrde 1) etwas ohne Noth geſchehen, und 2) wuͤrde ſie bey dem Uebergehen Ructus erregen und aufſteigen; welches wo es nicht ſchaͤdlich, doch ohne Nothwendigkeit waͤre, das man in der Natur nicht anzutreffen pfleget. Da nun das, was zum Wie- derkauen nicht noͤthig iſt, ſogleich in den zweyten Ma- gen gehet; ſo lernet man einſehen, warum die bey dem alten Vieh gewiederkauete Speiſe, nicht wieder da- hin gehet, wo ſie hergekommen; und ferner, daß der erſte Magen, der Wanſt, nicht zur Verdauung, ſon- dern nur zu einer Vorrathskammer geſchaffen ſey, die
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kauet werden muͤſſe, und daß die Ructus hierzu noͤ-
thig ſeyn. Daß aber die wiedergekauete Speiſe
nicht wieder in den Wanſt, ſondern in den Magen-
zipfel ſogleich hineinfalle, habe ich bereits §. 9. an-
gezeiget. Wem dieſes unbegreiflich vorkommen moͤch-
te, der wird bey einer genauen Unterſuchung des
eroͤfneten Viehes, wozu man die beſte Gelegenheit
bey den Fleiſchhauern hat, bald finden, daß es ſich
ſo und nicht anders verhalte. Vielleicht kann folgen-
des zu einer mehrern Erlaͤuterung dienen, wenn
§. 11.
Erwogen wird: daß ein Kalb, ſo lange es die
Muttermilch genießt, nicht wiederkauet; ſobald es
aber Futter frißt, ſo thut es daſſelbe. Man ſchlachte
ein ſolches Kalb, das noch kein Futter gefreſſen, ſo
wird man die Milch, die es eingeſogen, nicht in der
erſten Abtheilung, als dem Wanſte, der zu der Zeit
leer, und noch ſehr klein iſt, ſondern in der zweyten
Abtheilung, dem Magenzipfel, wohin ſie durch den
Schlund ſogleich faͤllet, finden. Da die Milch des
Kauens und alſo auch des Wiederkauens nicht be-
darf; ſo iſt auch nicht noͤthig, daß ſie zuvoͤrderſt in
den erſten Magen gehe; denn wenn ſie dahin gienge,
ſo wuͤrde 1) etwas ohne Noth geſchehen, und 2)
wuͤrde ſie bey dem Uebergehen Ructus erregen und
aufſteigen; welches wo es nicht ſchaͤdlich, doch ohne
Nothwendigkeit waͤre, das man in der Natur nicht
anzutreffen pfleget. Da nun das, was zum Wie-
derkauen nicht noͤthig iſt, ſogleich in den zweyten Ma-
gen gehet; ſo lernet man einſehen, warum die bey dem
alten Vieh gewiederkauete Speiſe, nicht wieder da-
hin gehet, wo ſie hergekommen; und ferner, daß der
erſte Magen, der Wanſt, nicht zur Verdauung, ſon-
dern nur zu einer Vorrathskammer geſchaffen ſey, die
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Gleditsch, Johann Gottlieb: Vermischte botanische und ökonomische Abhandlungen. Bd. 3. Berlin, 1789, S. 125. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gleditsch_abhandlungen03_1789/135>, abgerufen am 16.02.2025.
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