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Gehler, Johann Samuel Traugott: Physikalisches Wörterbuch, oder, Versuch einer Erklärung der vornehmsten Begriffe und Kunstwörter der Naturlehre. Bd. 5. Leipzig, 1799.

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und Chemikers, Meunier, einen Theil ausmachen sollen.

Europäische Annalen von D. E. L. Posselt, Jahrgang 1795. Zweytes Stück. Tübingen, 8. S. 142--145.

Akustik.

Zus. zu Th. I. S. 89. 90.

Herr D. Chladni hat durch scharssinnige Experimentaluntersuchungen über den Klang elastischer Ringe und Scheiben (s. den Art. Klang, Th. II. S. 758. u. f.) diese Wissenschaft ungemein erweitert, und durch seine sinnreiche Methode, die Klänge der Körper sichtbar darzustellen, ein weites Feld zu fernerm Nachforschen eröfnet. Ueberhaupt hat sich die Akustik von den Bemühungen dieses erfinderischen Naturforschers noch vieles zu versprechen.

Nach seinem Vorschlage (in Hrn. Prof. Hindenburg Archiv der reinen und angewandten Mathematik. Leipzig, 1794. 1stes Heft, S. 127.) sollte die Klanglehre nicht, wie gewöhnlich, bey der Lehre von der Luft abgehandelt werden, indem jeder andere elastische Körper eben sowohl, als die Luft, klingen, oder einen Klang fortleiten kan. Es würde daher schicklicher seyn,. sie bey der Lehre von der Elasticität, oder von den Schwingungen der Pendel, oder am besten bey der Lehre von der Bewegung überhaupt, vorzutragen, indem jede mögliche Bewegung entweder fortschreitend oder drehend oder schwingend (motus progressivus, rotatorius, vibratorius) ist, unter welche letztere Art jeder Schall und Klang gehört. Er erinnert ferner, man habe bisher fast nur auf Saiten Rücksicht genommen, und andere klingende Körper, welche mit eben dem Rechte erwähnt zu werden verdienten, vernachläßiget, theils weil man aus Bequemlichkeit nicht von allen schon vorhandenen Beobachtungen habe Notiz nehmen wollen, theils auch, weil es noch bey vielen klingenden Körpern an gehöriger Untersuchung gefehlt habe. Er schlägt daher vor, nach vorausgeschickter allgemeiner Theorie der Schwingungen, jede Art der klingenden Körper einzeln abzuhandeln, und dann noch etwas über Leitung des Schalles und Klanges durch Luft und andere elastische


und Chemikers, Meunier, einen Theil ausmachen ſollen.

Europaͤiſche Annalen von D. E. L. Poſſelt, Jahrgang 1795. Zweytes Stuͤck. Tuͤbingen, 8. S. 142—145.

Akuſtik.

Zuſ. zu Th. I. S. 89. 90.

Herr D. Chladni hat durch ſcharſſinnige Experimentalunterſuchungen uͤber den Klang elaſtiſcher Ringe und Scheiben (ſ. den Art. Klang, Th. II. S. 758. u. f.) dieſe Wiſſenſchaft ungemein erweitert, und durch ſeine ſinnreiche Methode, die Klaͤnge der Koͤrper ſichtbar darzuſtellen, ein weites Feld zu fernerm Nachforſchen eroͤfnet. Ueberhaupt hat ſich die Akuſtik von den Bemuͤhungen dieſes erfinderiſchen Naturforſchers noch vieles zu verſprechen.

Nach ſeinem Vorſchlage (in Hrn. Prof. Hindenburg Archiv der reinen und angewandten Mathematik. Leipzig, 1794. 1ſtes Heft, S. 127.) ſollte die Klanglehre nicht, wie gewoͤhnlich, bey der Lehre von der Luft abgehandelt werden, indem jeder andere elaſtiſche Koͤrper eben ſowohl, als die Luft, klingen, oder einen Klang fortleiten kan. Es wuͤrde daher ſchicklicher ſeyn,. ſie bey der Lehre von der Elaſticitaͤt, oder von den Schwingungen der Pendel, oder am beſten bey der Lehre von der Bewegung uͤberhaupt, vorzutragen, indem jede moͤgliche Bewegung entweder fortſchreitend oder drehend oder ſchwingend (motus progreſſivus, rotatorius, vibratorius) iſt, unter welche letztere Art jeder Schall und Klang gehoͤrt. Er erinnert ferner, man habe bisher faſt nur auf Saiten Ruͤckſicht genommen, und andere klingende Koͤrper, welche mit eben dem Rechte erwaͤhnt zu werden verdienten, vernachlaͤßiget, theils weil man aus Bequemlichkeit nicht von allen ſchon vorhandenen Beobachtungen habe Notiz nehmen wollen, theils auch, weil es noch bey vielen klingenden Koͤrpern an gehoͤriger Unterſuchung gefehlt habe. Er ſchlaͤgt daher vor, nach vorausgeſchickter allgemeiner Theorie der Schwingungen, jede Art der klingenden Koͤrper einzeln abzuhandeln, und dann noch etwas uͤber Leitung des Schalles und Klanges durch Luft und andere elaſtiſche

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[17/0029] und Chemikers, Meunier, einen Theil ausmachen ſollen. Europaͤiſche Annalen von D. E. L. Poſſelt, Jahrgang 1795. Zweytes Stuͤck. Tuͤbingen, 8. S. 142—145. Akuſtik. Zuſ. zu Th. I. S. 89. 90. Herr D. Chladni hat durch ſcharſſinnige Experimentalunterſuchungen uͤber den Klang elaſtiſcher Ringe und Scheiben (ſ. den Art. Klang, Th. II. S. 758. u. f.) dieſe Wiſſenſchaft ungemein erweitert, und durch ſeine ſinnreiche Methode, die Klaͤnge der Koͤrper ſichtbar darzuſtellen, ein weites Feld zu fernerm Nachforſchen eroͤfnet. Ueberhaupt hat ſich die Akuſtik von den Bemuͤhungen dieſes erfinderiſchen Naturforſchers noch vieles zu verſprechen. Nach ſeinem Vorſchlage (in Hrn. Prof. Hindenburg Archiv der reinen und angewandten Mathematik. Leipzig, 1794. 1ſtes Heft, S. 127.) ſollte die Klanglehre nicht, wie gewoͤhnlich, bey der Lehre von der Luft abgehandelt werden, indem jeder andere elaſtiſche Koͤrper eben ſowohl, als die Luft, klingen, oder einen Klang fortleiten kan. Es wuͤrde daher ſchicklicher ſeyn,. ſie bey der Lehre von der Elaſticitaͤt, oder von den Schwingungen der Pendel, oder am beſten bey der Lehre von der Bewegung uͤberhaupt, vorzutragen, indem jede moͤgliche Bewegung entweder fortſchreitend oder drehend oder ſchwingend (motus progreſſivus, rotatorius, vibratorius) iſt, unter welche letztere Art jeder Schall und Klang gehoͤrt. Er erinnert ferner, man habe bisher faſt nur auf Saiten Ruͤckſicht genommen, und andere klingende Koͤrper, welche mit eben dem Rechte erwaͤhnt zu werden verdienten, vernachlaͤßiget, theils weil man aus Bequemlichkeit nicht von allen ſchon vorhandenen Beobachtungen habe Notiz nehmen wollen, theils auch, weil es noch bey vielen klingenden Koͤrpern an gehoͤriger Unterſuchung gefehlt habe. Er ſchlaͤgt daher vor, nach vorausgeſchickter allgemeiner Theorie der Schwingungen, jede Art der klingenden Koͤrper einzeln abzuhandeln, und dann noch etwas uͤber Leitung des Schalles und Klanges durch Luft und andere elaſtiſche

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Zitationshilfe: Gehler, Johann Samuel Traugott: Physikalisches Wörterbuch, oder, Versuch einer Erklärung der vornehmsten Begriffe und Kunstwörter der Naturlehre. Bd. 5. Leipzig, 1799, S. 17. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gehler_woerterbuch05_1799/29>, abgerufen am 01.03.2024.