Gehler, Johann Samuel Traugott: Physikalisches Wörterbuch, oder, Versuch einer Erklärung der vornehmsten Begriffe und Kunstwörter der Naturlehre. Bd. 4. Leipzig, 1798.
Mersenne scheint auf diesen Gedanken schon 1639 gekommen zu seyn. Wenigstens finden sich unter Descartes Briefen zween an ihn gerichtete (Renati Descartes Epistolae. Amst. 1682. 4. P. II. Epist. 29 et 32.), denen zwar das Datum fehlt, die aber doch nach ihrem Zusammenhange mit den übrigen in die Mitte des Jahres 1639 gesetzt werden müssen. Im ersten dieser Briefe äußert Descartes, die von Mersenne vorgeschlagnen Spiegel würden weniger leisten, als die Fernröhre mit Gläsern, 1. weil man das Auge nicht nahe genug an den kleinen Spiegel bringen, 2. weil man sie nicht in Röhren fassen, und das Licht von den Seiten abhalten könnte, 3. weil sie eben so lang, als die gewöhnlichen Fernröhre, seyn müßten, daher ihre Verfertigung eben so viel Schwierigkeit haben würde, 4. weil durch die Reflexion viel Licht verlohren gehe. Diese Einwürfe hatte Mersenne beantwortet und der zweyte Brief enthält nun Descartes Erinnerungen über diese Antwort. Die Einwürfe sind, den vierten ausgenommen, eben nicht von großer Erheblichkeit; inzwischen können sie doch den P. Mersenne abgehalten haben, die Ausführung des Vorschlags zu versuchen. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts suchte man die Abweichung der dioptrischen Fernröhre unter andern durch hyperbolische Objectivgläser zu verbessern, s. Abweichung, dioptrische (Th. I. S. 13). Diese Gläser mußten, ihrer Gestalt wegen, um die Mitte sehr dick ausfallen, dadurch eine Menge Licht wegnehmen, und die Helligkeit der Bilder ungemein schwächen. Ueberdies waren alle Versuche der Künstler, den Gläsern solche Gestalten zu geben, mißlungen. Durch diese Umstände fand sich Jacob Gregory im Jahre 1663 veranlasset, Spiegel anstatt der Gläser vorzuschlagen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß ihm die Schriften des Mersenne hiezu Anleitung gegeben
Merſenne ſcheint auf dieſen Gedanken ſchon 1639 gekommen zu ſeyn. Wenigſtens finden ſich unter Descartes Briefen zween an ihn gerichtete (Renati Descartes Epiſtolae. Amſt. 1682. 4. P. II. Epiſt. 29 et 32.), denen zwar das Datum fehlt, die aber doch nach ihrem Zuſammenhange mit den uͤbrigen in die Mitte des Jahres 1639 geſetzt werden muͤſſen. Im erſten dieſer Briefe aͤußert Descartes, die von Merſenne vorgeſchlagnen Spiegel wuͤrden weniger leiſten, als die Fernroͤhre mit Glaͤſern, 1. weil man das Auge nicht nahe genug an den kleinen Spiegel bringen, 2. weil man ſie nicht in Roͤhren faſſen, und das Licht von den Seiten abhalten koͤnnte, 3. weil ſie eben ſo lang, als die gewoͤhnlichen Fernroͤhre, ſeyn muͤßten, daher ihre Verfertigung eben ſo viel Schwierigkeit haben wuͤrde, 4. weil durch die Reflexion viel Licht verlohren gehe. Dieſe Einwuͤrfe hatte Merſenne beantwortet und der zweyte Brief enthaͤlt nun Descartes Erinnerungen uͤber dieſe Antwort. Die Einwuͤrfe ſind, den vierten ausgenommen, eben nicht von großer Erheblichkeit; inzwiſchen koͤnnen ſie doch den P. Merſenne abgehalten haben, die Ausfuͤhrung des Vorſchlags zu verſuchen. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ſuchte man die Abweichung der dioptriſchen Fernroͤhre unter andern durch hyperboliſche Objectivglaͤſer zu verbeſſern, ſ. Abweichung, dioptriſche (Th. I. S. 13). Dieſe Glaͤſer mußten, ihrer Geſtalt wegen, um die Mitte ſehr dick ausfallen, dadurch eine Menge Licht wegnehmen, und die Helligkeit der Bilder ungemein ſchwaͤchen. Ueberdies waren alle Verſuche der Kuͤnſtler, den Glaͤſern ſolche Geſtalten zu geben, mißlungen. Durch dieſe Umſtaͤnde fand ſich Jacob Gregory im Jahre 1663 veranlaſſet, Spiegel anſtatt der Glaͤſer vorzuſchlagen. Es iſt nicht wahrſcheinlich, daß ihm die Schriften des Merſenne hiezu Anleitung gegeben <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <p><pb facs="#f0145" xml:id="P.4.135" n="135"/><lb/> convergent reflectirt werden, wieder parallel zuruͤckwirft, und ſo durch eine in der großen Parabel befindliche Oefnung ins Auge ſendet. Nach dieſem Vorſchlage ſollte das Inſtrument nur Spiegel allein, und gar keine Glaͤſer, enthalten.</p> <p><hi rendition="#b">Merſenne</hi> ſcheint auf dieſen Gedanken ſchon 1639 gekommen zu ſeyn. Wenigſtens finden ſich unter <hi rendition="#b">Descartes</hi> Briefen zween an ihn gerichtete (<hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Renati Descartes</hi> Epiſtolae. Amſt. 1682. 4. P. II. Epiſt. 29 et 32.</hi>), denen zwar das Datum fehlt, die aber doch nach ihrem Zuſammenhange mit den uͤbrigen in die Mitte des Jahres 1639 geſetzt werden muͤſſen. Im erſten dieſer Briefe aͤußert Descartes, die von Merſenne vorgeſchlagnen Spiegel wuͤrden weniger leiſten, als die Fernroͤhre mit Glaͤſern, 1. weil man das Auge nicht nahe genug an den kleinen Spiegel bringen, 2. weil man ſie nicht in Roͤhren faſſen, und das Licht von den Seiten abhalten koͤnnte, 3. weil ſie eben ſo lang, als die gewoͤhnlichen Fernroͤhre, ſeyn muͤßten, daher ihre Verfertigung eben ſo viel Schwierigkeit haben wuͤrde, 4. weil durch die Reflexion viel Licht verlohren gehe. Dieſe Einwuͤrfe hatte Merſenne beantwortet und der zweyte Brief enthaͤlt nun Descartes Erinnerungen uͤber dieſe Antwort. Die Einwuͤrfe ſind, den vierten ausgenommen, eben nicht von großer Erheblichkeit; inzwiſchen koͤnnen ſie doch den <hi rendition="#b">P. Merſenne</hi> abgehalten haben, die Ausfuͤhrung des Vorſchlags zu verſuchen.</p> <p>Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ſuchte man die Abweichung der dioptriſchen Fernroͤhre unter andern durch hyperboliſche Objectivglaͤſer zu verbeſſern, <hi rendition="#b">ſ. Abweichung, dioptriſche</hi> (Th. <hi rendition="#aq">I.</hi> S. 13). Dieſe Glaͤſer mußten, ihrer Geſtalt wegen, um die Mitte ſehr dick ausfallen, dadurch eine Menge Licht wegnehmen, und die Helligkeit der Bilder ungemein ſchwaͤchen. Ueberdies waren alle Verſuche der Kuͤnſtler, den Glaͤſern ſolche Geſtalten zu geben, mißlungen. Durch dieſe Umſtaͤnde fand ſich <hi rendition="#b">Jacob Gregory</hi> im Jahre 1663 veranlaſſet, Spiegel anſtatt der Glaͤſer vorzuſchlagen. Es iſt nicht wahrſcheinlich, daß ihm die Schriften des <hi rendition="#b">Merſenne</hi> hiezu Anleitung gegeben<lb/></p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [135/0145]
convergent reflectirt werden, wieder parallel zuruͤckwirft, und ſo durch eine in der großen Parabel befindliche Oefnung ins Auge ſendet. Nach dieſem Vorſchlage ſollte das Inſtrument nur Spiegel allein, und gar keine Glaͤſer, enthalten.
Merſenne ſcheint auf dieſen Gedanken ſchon 1639 gekommen zu ſeyn. Wenigſtens finden ſich unter Descartes Briefen zween an ihn gerichtete (Renati Descartes Epiſtolae. Amſt. 1682. 4. P. II. Epiſt. 29 et 32.), denen zwar das Datum fehlt, die aber doch nach ihrem Zuſammenhange mit den uͤbrigen in die Mitte des Jahres 1639 geſetzt werden muͤſſen. Im erſten dieſer Briefe aͤußert Descartes, die von Merſenne vorgeſchlagnen Spiegel wuͤrden weniger leiſten, als die Fernroͤhre mit Glaͤſern, 1. weil man das Auge nicht nahe genug an den kleinen Spiegel bringen, 2. weil man ſie nicht in Roͤhren faſſen, und das Licht von den Seiten abhalten koͤnnte, 3. weil ſie eben ſo lang, als die gewoͤhnlichen Fernroͤhre, ſeyn muͤßten, daher ihre Verfertigung eben ſo viel Schwierigkeit haben wuͤrde, 4. weil durch die Reflexion viel Licht verlohren gehe. Dieſe Einwuͤrfe hatte Merſenne beantwortet und der zweyte Brief enthaͤlt nun Descartes Erinnerungen uͤber dieſe Antwort. Die Einwuͤrfe ſind, den vierten ausgenommen, eben nicht von großer Erheblichkeit; inzwiſchen koͤnnen ſie doch den P. Merſenne abgehalten haben, die Ausfuͤhrung des Vorſchlags zu verſuchen.
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ſuchte man die Abweichung der dioptriſchen Fernroͤhre unter andern durch hyperboliſche Objectivglaͤſer zu verbeſſern, ſ. Abweichung, dioptriſche (Th. I. S. 13). Dieſe Glaͤſer mußten, ihrer Geſtalt wegen, um die Mitte ſehr dick ausfallen, dadurch eine Menge Licht wegnehmen, und die Helligkeit der Bilder ungemein ſchwaͤchen. Ueberdies waren alle Verſuche der Kuͤnſtler, den Glaͤſern ſolche Geſtalten zu geben, mißlungen. Durch dieſe Umſtaͤnde fand ſich Jacob Gregory im Jahre 1663 veranlaſſet, Spiegel anſtatt der Glaͤſer vorzuſchlagen. Es iſt nicht wahrſcheinlich, daß ihm die Schriften des Merſenne hiezu Anleitung gegeben
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