Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826.

Bild:
<< vorherige Seite

Phrasen werden dem Uebel abhelfen. Die
einzig wahre Poesie des Lebens, die aus
dem Gemüthe kommt: Güte und Liebe, freund-
liches berücksichtigendes Wohlwollen, mitem-
pfindendes Verstehen, williges Gewähren-
lassen und standhaftes Selbstbehaupten, sie
allein gönnen der Grazie freien Zutritt
und hauchen Seele in das vorüberrauschende
Wort. Dieses bildet sich von selbst, und
findet Folge und Nachdruck, ohne beides zu
suchen; denn nichts schärfet so den Ver-
stand, nichts stimmt das Empfindungsver-
mögen so zart und beflügelt den Geist zu
den kühnsten Schwingungen als lebendiger
Verkehr des Umganges, als das Blitzen
und Zünden einander zugeworfener Ansich-
ten, als das Suchen nach einem Echo
in der Menschenbrust, nichts erwärmt und
hebt wie das Leuchten des klar gewordenen
Gedankens.

Die Fähigkeit wie die Fertigkeit der
Conversation entwickelt und erwirbt sich da-
her durch die frühe Gewöhnung, den zu
achten, mit dem man redet, ihm das Beste

Phraſen werden dem Uebel abhelfen. Die
einzig wahre Poeſie des Lebens, die aus
dem Gemuͤthe kommt: Guͤte und Liebe, freund-
liches beruͤckſichtigendes Wohlwollen, mitem-
pfindendes Verſtehen, williges Gewaͤhren-
laſſen und ſtandhaftes Selbſtbehaupten, ſie
allein goͤnnen der Grazie freien Zutritt
und hauchen Seele in das voruͤberrauſchende
Wort. Dieſes bildet ſich von ſelbſt, und
findet Folge und Nachdruck, ohne beides zu
ſuchen; denn nichts ſchaͤrfet ſo den Ver-
ſtand, nichts ſtimmt das Empfindungsver-
moͤgen ſo zart und befluͤgelt den Geiſt zu
den kuͤhnſten Schwingungen als lebendiger
Verkehr des Umganges, als das Blitzen
und Zuͤnden einander zugeworfener Anſich-
ten, als das Suchen nach einem Echo
in der Menſchenbruſt, nichts erwaͤrmt und
hebt wie das Leuchten des klar gewordenen
Gedankens.

Die Faͤhigkeit wie die Fertigkeit der
Converſation entwickelt und erwirbt ſich da-
her durch die fruͤhe Gewoͤhnung, den zu
achten, mit dem man redet, ihm das Beſte

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0049" n="45"/>
Phra&#x017F;en werden dem Uebel abhelfen. Die<lb/>
einzig wahre Poe&#x017F;ie des Lebens, die aus<lb/>
dem Gemu&#x0364;the kommt: Gu&#x0364;te und Liebe, freund-<lb/>
liches beru&#x0364;ck&#x017F;ichtigendes Wohlwollen, mitem-<lb/>
pfindendes Ver&#x017F;tehen, williges Gewa&#x0364;hren-<lb/>
la&#x017F;&#x017F;en und &#x017F;tandhaftes Selb&#x017F;tbehaupten, &#x017F;ie<lb/>
allein go&#x0364;nnen der Grazie freien Zutritt<lb/>
und hauchen Seele in das voru&#x0364;berrau&#x017F;chende<lb/>
Wort. Die&#x017F;es bildet &#x017F;ich von &#x017F;elb&#x017F;t, und<lb/>
findet Folge und Nachdruck, ohne beides zu<lb/>
&#x017F;uchen; denn nichts &#x017F;cha&#x0364;rfet &#x017F;o den Ver-<lb/>
&#x017F;tand, nichts &#x017F;timmt das Empfindungsver-<lb/>
mo&#x0364;gen &#x017F;o zart und beflu&#x0364;gelt den Gei&#x017F;t zu<lb/>
den ku&#x0364;hn&#x017F;ten Schwingungen als lebendiger<lb/>
Verkehr des Umganges, als das Blitzen<lb/>
und Zu&#x0364;nden einander zugeworfener An&#x017F;ich-<lb/>
ten, als das Suchen nach einem Echo<lb/>
in der Men&#x017F;chenbru&#x017F;t, nichts erwa&#x0364;rmt und<lb/>
hebt wie das Leuchten des klar gewordenen<lb/>
Gedankens.</p><lb/>
          <p>Die Fa&#x0364;higkeit wie die Fertigkeit der<lb/>
Conver&#x017F;ation entwickelt und erwirbt &#x017F;ich da-<lb/>
her durch die fru&#x0364;he Gewo&#x0364;hnung, den zu<lb/>
achten, mit dem man redet, ihm das Be&#x017F;te<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[45/0049] Phraſen werden dem Uebel abhelfen. Die einzig wahre Poeſie des Lebens, die aus dem Gemuͤthe kommt: Guͤte und Liebe, freund- liches beruͤckſichtigendes Wohlwollen, mitem- pfindendes Verſtehen, williges Gewaͤhren- laſſen und ſtandhaftes Selbſtbehaupten, ſie allein goͤnnen der Grazie freien Zutritt und hauchen Seele in das voruͤberrauſchende Wort. Dieſes bildet ſich von ſelbſt, und findet Folge und Nachdruck, ohne beides zu ſuchen; denn nichts ſchaͤrfet ſo den Ver- ſtand, nichts ſtimmt das Empfindungsver- moͤgen ſo zart und befluͤgelt den Geiſt zu den kuͤhnſten Schwingungen als lebendiger Verkehr des Umganges, als das Blitzen und Zuͤnden einander zugeworfener Anſich- ten, als das Suchen nach einem Echo in der Menſchenbruſt, nichts erwaͤrmt und hebt wie das Leuchten des klar gewordenen Gedankens. Die Faͤhigkeit wie die Fertigkeit der Converſation entwickelt und erwirbt ſich da- her durch die fruͤhe Gewoͤhnung, den zu achten, mit dem man redet, ihm das Beſte

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/49
Zitationshilfe: Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 45. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/49>, abgerufen am 02.03.2024.