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Erbkam, Georg Gustav: Tagebuch meiner egyptischen Reise. Teil 1. Ägypten, 1842-1843.

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Saale b standen 3 - 4 Mann Wache mit Gewehren, an der Thür zum Zimmer c, wo wahrscheinlich die Vasen (Geschenk des Königs) standen, 1 Mann Wache, verschiedene Türken lagen auf den Divans umher, oder standen. Wir warten nicht hier; Anastasi mit Lepsius voran, wir Andern folgend treten vor den Wachen vorbei in das Audienzzimmer b, wo in der rechten Hinterecke, von Dolmetschern und Andren umgeben, deren Kreis sich bei unserm Eintritt öffnet, der Pascha uns stehend empfängt; Lepsius wird ihm von Anastasi vorgestellt, und einige Worte der Begrüßung gewechselt; sodann geht er auf seine Divanecke zu, wo ein eignes drap d'argent-Kissen für ihn liegt, steigt auf das sehr hohe und breite, rothe Divan, während wir ihm zur Rechten, zuerst Lepsius, dann ich, Bonomi, Wild etc., zur Linken aber Anastasi, Platz nehmen. Mehmet Ali hatte einen rothen Feß fast bis an die Augen auf den Kopf gedrückt, eine dunkelblaue Jacke und Tuchhosen von derselben Farbe, und rothe Saffianschuhe an; durchaus einfach; nur seine Brust schmückte die große brillantne Dekoration des Großvesier Ordens. Der krumme Säbel, der über den Knieen lag, hing an einer blau und weißen gedrehten Schnur; um den Leib unter der Jacke hatte er von gestreiftem roth und weißen ordinären Zeuge eine breite Schaalbinde; das Gesicht, nicht allzu braun mit glänzenden etwas stechenden Augen, schmückt ein prächtiger weißer Bart; die Nase stark hervortretend, der Mund ein wenig offen, wenigstens bisweilen. Er war meist freundlich und der Eindruck seines Gesichts im Ganzen mehr klug und energisch, als imponierend, aber höchst interressant. Vor ihm stand der Dollmetscher mit einem Fliegenwedel. Die Unterhaltung begann mit Erkundigung nach der Gesundheit des Königs, ging auf

Saale b standen 3 - 4 Mann Wache mit Gewehren, an der Thür zum Zimmer c, wo wahrscheinlich die Vasen (Geschenk des Königs) standen, 1 Mann Wache, verschiedene Türken lagen auf den Divans umher, oder standen. Wir warten nicht hier; Anastasi mit Lepsius voran, wir Andern folgend treten vor den Wachen vorbei in das Audienzzimmer b, wo in der rechten Hinterecke, von Dolmetschern und Andren umgeben, deren Kreis sich bei unserm Eintritt öffnet, der Pascha uns stehend empfängt; Lepsius wird ihm von Anastasi vorgestellt, und einige Worte der Begrüßung gewechselt; sodann geht er auf seine Divanecke zu, wo ein eignes drap d’argent-Kissen für ihn liegt, steigt auf das sehr hohe und breite, rothe Divan, während wir ihm zur Rechten, zuerst Lepsius, dann ich, Bonomi, Wild etc., zur Linken aber Anastasi, Platz nehmen. Mehmet Ali hatte einen rothen Feß fast bis an die Augen auf den Kopf gedrückt, eine dunkelblaue Jacke und Tuchhosen von derselben Farbe, und rothe Saffianschuhe an; durchaus einfach; nur seine Brust schmückte die große brillantne Dekoration des Großvesier Ordens. Der krumme Säbel, der über den Knieen lag, hing an einer blau und weißen gedrehten Schnur; um den Leib unter der Jacke hatte er von gestreiftem roth und weißen ordinären Zeuge eine breite Schaalbinde; das Gesicht, nicht allzu braun mit glänzenden etwas stechenden Augen, schmückt ein prächtiger weißer Bart; die Nase stark hervortretend, der Mund ein wenig offen, wenigstens bisweilen. Er war meist freundlich und der Eindruck seines Gesichts im Ganzen mehr klug und energisch, als imponierend, aber höchst interressant. Vor ihm stand der Dollmetscher mit einem Fliegenwedel. Die Unterhaltung begann mit Erkundigung nach der Gesundheit des Königs, ging auf

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[36/0037] Saale b standen 3 - 4 Mann Wache mit Gewehren, an der Thür zum Zimmer c, wo wahrsch die Vasen (Geschenk des Königs) standen, 1 Mann Wache, verschiedene Türken lagen auf d Divans umher, oder standen. Wir warten nicht hier; Anastasi mit Lepsius voran, wir Andern folgend treten vor d Wachen vorbei in das Audienzzimmer b, wo in d rechten Hinterecke, von Dolmetschern und Andren umgeben, deren Kreis sich bei unserm Eintritt öffnet, der Pascha uns stehend empfängt; Leps wird ihm v Anastasi vorgestellt, d einige Worte der Begrüßung gewechselt; sodann geht er auf seine Divanecke zu, wo ein eignes drap d’argent-Kissen für ihn liegt, steigt auf das sehr hohe d breite, rothe Divan, während wir ihm zur Rechten, zuerst Lepsius, dann ich, Bonomi, Wild etc., zur Linken aber Anastasi, Platz nehmen. Mehmet Ali hatte einen rothen Feß fast bis an d Augen auf d Kopf gedrückt, eine dunkelblaue Jacke d Tuchhosen v derselben Farbe, d rothe Saffianschuhe an; durchaus einfach; nur seine Brust schmückte die große brillantne Dekoration des Großvesier Ordens. Der krumme Säbel, der über den Knieen lag, hing an einer blau d weißen gedrehten Schnur; um den Leib unter d Jacke hatte er von gestreiftem roth d weißen ordinären Zeuge eine breite Schaalbinde; das Gesicht, nicht allzu braun mit glänzenden etwas stechenden Augen, schmückt ein prächtiger weißer Bart; die Nase stark hervortretend, der Mund ein wenig offen, wenigstens bisweilen. Er war meist freundlich d der Eindruck seines Gesichts im Ganzen mehr klug und energisch, als imponierend, aber höchst interressant. Vor ihm stand der Dollmetscher mit einem Fliegenwedel. Die Unterhaltung begann mit Erkundigung nach d Gesundheit des Königs, ging auf

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Zitationshilfe: Erbkam, Georg Gustav: Tagebuch meiner egyptischen Reise. Teil 1. Ägypten, 1842-1843, S. 36. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/erbkam_tagebuch01_1842/37>, abgerufen am 16.05.2021.