Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll. Nebst einem Anhange von Gebeten für denselben. Dülmen, 1874.

Bild:
<< vorherige Seite

durch, daß sie dieselben nicht verhinderten, wo sie
konnten und sollten) schuldig machen!

Solche unanständige Reden, Scherze, Unterhal-
tungen, Lieder werden in einem christlichen Hause
nicht geduldet, sondern auf's Sorgfältigste vermie-
den und verhütet. Die Mutter hält es für hei-
lige Pflicht, in diesem Punkte eine sorgfältige Wach-
samkeit im Hause zu üben und mit Ernst und
Strenge darauf zu halten, daß kein unanständiges
Wort gehört werde. Sie hat auf die Dienstboten
und Tagelöhner ein wachsames Auge, daß sie nicht,
wie es leider nur zu oft der Fall ist, in Gegen-
wart der Kinder unvorsichtige oder unehrbare Re-
den führen. Geschieht das, so wird es mit Ernst
und Nachdruck gerügt, und solche Dienstboten oder
Tagelöhner, welche auf Ermahnungen nicht achten,
werden so bald wie möglich aus dem Dienste, aus
der Arbeit entlassen. Wie manches Kind (wie
mancher jüngere Dienstbote) verliert durch den
Leichtsinn und durch die Schlechtigkeit solcher Men-
schen seine Unschuld, sein kostbarstes Gut!*)

Wehe dem Hause, in welchem derartige Reden
sogar in Gegenwart der Hausfrau ungestört ge-
führt werden dürfen, ja wo der Hausherr, die
Hausfrau selbst leichtsinnig oder schlecht genug
wären, um einzustimmen.

Es ist ferner in einem christlichen Hause Regel,
daß über gewisse unzüchtige Vorfälle in der Ge-
meinde überhaupt, und zumal in Gegenwart der

*) Von einer Hansfrau auf dem Hofe N. an der Grenze
des Münsterlandes erzählte bei ihrer Beerdigung der
Pfarrer: Es war ein neuer Knecht auf den Hof ge-
kommen. Obwohl man bei der Dingung vom Dienst-
boten ein Hauptgewicht darauf legte, daß dieselben
gottesfürchtig und fromm wären, so hatte man sich
doch diesmal versehen. Der neue Knecht hatte ein
loses Maul, das gar reichlich überfloß von liederlicher
Rede. Und wie es denn solchen Unholden eigen ist,
daß sie ihr schmutziges Maul bei keiner Gelegenheit
halten können, so ließ der Gedachte auch selbst bei
Tische Proben seiner schändlichen Redeweise verneh-
men. Die Hausfrau ließ es hinlänglich bemerkbar
werden, daß dergleichen hier im Hause, zumal in Ge-
genwart der Kinder, nicht bräuchlich sei. Vergebens.
Von Neuem schmutzige Worte. Da trat sie ruhig
hinter den Stuhl, auf dem der Lose saß, und voll-
führte rechts und links zwei Ohrfeigen an dessen un-
gewaschenem Haupte, daß es sausete. Das half. War
das auch ein wenig derb, so hat auch unser Herr
einst über gewisse Leute die Geissel geschwungen und
wir glauben, Er würde es noch thun über manche der
Unholde, worüber hier Rede ist. Jedenfalls ist es
Pflicht, gegen solches Unwesen ernstlich vorzugehen.

durch, daß sie dieselben nicht verhinderten, wo sie
konnten und sollten) schuldig machen!

Solche unanständige Reden, Scherze, Unterhal-
tungen, Lieder werden in einem christlichen Hause
nicht geduldet, sondern auf's Sorgfältigste vermie-
den und verhütet. Die Mutter hält es für hei-
lige Pflicht, in diesem Punkte eine sorgfältige Wach-
samkeit im Hause zu üben und mit Ernst und
Strenge darauf zu halten, daß kein unanständiges
Wort gehört werde. Sie hat auf die Dienstboten
und Tagelöhner ein wachsames Auge, daß sie nicht,
wie es leider nur zu oft der Fall ist, in Gegen-
wart der Kinder unvorsichtige oder unehrbare Re-
den führen. Geschieht das, so wird es mit Ernst
und Nachdruck gerügt, und solche Dienstboten oder
Tagelöhner, welche auf Ermahnungen nicht achten,
werden so bald wie möglich aus dem Dienste, aus
der Arbeit entlassen. Wie manches Kind (wie
mancher jüngere Dienstbote) verliert durch den
Leichtsinn und durch die Schlechtigkeit solcher Men-
schen seine Unschuld, sein kostbarstes Gut!*)

Wehe dem Hause, in welchem derartige Reden
sogar in Gegenwart der Hausfrau ungestört ge-
führt werden dürfen, ja wo der Hausherr, die
Hausfrau selbst leichtsinnig oder schlecht genug
wären, um einzustimmen.

Es ist ferner in einem christlichen Hause Regel,
daß über gewisse unzüchtige Vorfälle in der Ge-
meinde überhaupt, und zumal in Gegenwart der

*) Von einer Hansfrau auf dem Hofe N. an der Grenze
des Münsterlandes erzählte bei ihrer Beerdigung der
Pfarrer: Es war ein neuer Knecht auf den Hof ge-
kommen. Obwohl man bei der Dingung vom Dienst-
boten ein Hauptgewicht darauf legte, daß dieselben
gottesfürchtig und fromm wären, so hatte man sich
doch diesmal versehen. Der neue Knecht hatte ein
loses Maul, das gar reichlich überfloß von liederlicher
Rede. Und wie es denn solchen Unholden eigen ist,
daß sie ihr schmutziges Maul bei keiner Gelegenheit
halten können, so ließ der Gedachte auch selbst bei
Tische Proben seiner schändlichen Redeweise verneh-
men. Die Hausfrau ließ es hinlänglich bemerkbar
werden, daß dergleichen hier im Hause, zumal in Ge-
genwart der Kinder, nicht bräuchlich sei. Vergebens.
Von Neuem schmutzige Worte. Da trat sie ruhig
hinter den Stuhl, auf dem der Lose saß, und voll-
führte rechts und links zwei Ohrfeigen an dessen un-
gewaschenem Haupte, daß es sausete. Das half. War
das auch ein wenig derb, so hat auch unser Herr
einst über gewisse Leute die Geissel geschwungen und
wir glauben, Er würde es noch thun über manche der
Unholde, worüber hier Rede ist. Jedenfalls ist es
Pflicht, gegen solches Unwesen ernstlich vorzugehen.
<TEI>
  <text xml:id="C889_001_1874">
    <group>
      <text>
        <body>
          <div>
            <p><pb facs="#f0298" xml:id="C889_001_1874_pb0087_0001" n="87"/>
durch, daß sie dieselben nicht verhinderten, wo sie<lb/>
konnten und sollten) schuldig machen!</p>
            <p>Solche unanständige Reden, Scherze, Unterhal-<lb/>
tungen, Lieder werden in einem christlichen Hause<lb/>
nicht geduldet, sondern auf's Sorgfältigste vermie-<lb/>
den und verhütet. Die Mutter hält es für hei-<lb/>
lige Pflicht, in diesem Punkte eine sorgfältige Wach-<lb/>
samkeit im Hause zu üben und mit Ernst und<lb/>
Strenge darauf zu halten, daß kein unanständiges<lb/>
Wort gehört werde. Sie hat auf die Dienstboten<lb/>
und Tagelöhner ein wachsames Auge, daß sie nicht,<lb/>
wie es leider nur zu oft der Fall ist, in Gegen-<lb/>
wart der Kinder unvorsichtige oder unehrbare Re-<lb/>
den führen. Geschieht das, so wird es mit Ernst<lb/>
und Nachdruck gerügt, und solche Dienstboten oder<lb/>
Tagelöhner, welche auf Ermahnungen nicht achten,<lb/>
werden so bald wie möglich aus dem Dienste, aus<lb/>
der Arbeit entlassen. Wie manches Kind (wie<lb/>
mancher jüngere Dienstbote) verliert durch den<lb/>
Leichtsinn und durch die Schlechtigkeit solcher Men-<lb/>
schen seine Unschuld, sein kostbarstes Gut!<note place="foot" n="*)"><p>Von einer Hansfrau auf dem Hofe N. an der Grenze<lb/>
des Münsterlandes erzählte bei ihrer Beerdigung der<lb/>
Pfarrer: Es war ein neuer Knecht auf den Hof ge-<lb/>
kommen. Obwohl man bei der Dingung vom Dienst-<lb/>
boten ein Hauptgewicht darauf legte, daß dieselben<lb/>
gottesfürchtig und fromm wären, so hatte man sich<lb/>
doch diesmal versehen. Der neue Knecht hatte ein<lb/>
loses Maul, das gar reichlich überfloß von liederlicher<lb/>
Rede. Und wie es denn solchen Unholden eigen ist,<lb/>
daß sie ihr schmutziges Maul bei keiner Gelegenheit<lb/>
halten können, so ließ der Gedachte auch selbst bei<lb/>
Tische Proben seiner schändlichen Redeweise verneh-<lb/>
men. Die Hausfrau ließ es hinlänglich bemerkbar<lb/>
werden, daß dergleichen hier im Hause, zumal in Ge-<lb/>
genwart der Kinder, nicht bräuchlich sei. Vergebens.<lb/>
Von Neuem schmutzige Worte. Da trat sie ruhig<lb/>
hinter den Stuhl, auf dem der Lose saß, und voll-<lb/>
führte rechts und links zwei Ohrfeigen an dessen un-<lb/>
gewaschenem Haupte, daß es sausete. Das half. War<lb/>
das auch ein wenig derb, so hat auch unser Herr<lb/>
einst über gewisse Leute die Geissel geschwungen und<lb/>
wir glauben, Er würde es noch thun über manche der<lb/>
Unholde, worüber hier Rede ist. Jedenfalls ist es<lb/>
Pflicht, gegen solches Unwesen ernstlich vorzugehen.</p></note></p>
            <p>Wehe dem Hause, in welchem derartige Reden<lb/>
sogar in Gegenwart der Hausfrau ungestört ge-<lb/>
führt werden dürfen, ja wo der Hausherr, die<lb/>
Hausfrau selbst leichtsinnig oder schlecht genug<lb/>
wären, um einzustimmen.</p>
            <p>Es ist ferner in einem christlichen Hause Regel,<lb/>
daß über gewisse unzüchtige Vorfälle in der Ge-<lb/>
meinde überhaupt, und zumal in Gegenwart der<lb/></p>
          </div>
        </body>
      </text>
    </group>
  </text>
</TEI>
[87/0298] durch, daß sie dieselben nicht verhinderten, wo sie konnten und sollten) schuldig machen! Solche unanständige Reden, Scherze, Unterhal- tungen, Lieder werden in einem christlichen Hause nicht geduldet, sondern auf's Sorgfältigste vermie- den und verhütet. Die Mutter hält es für hei- lige Pflicht, in diesem Punkte eine sorgfältige Wach- samkeit im Hause zu üben und mit Ernst und Strenge darauf zu halten, daß kein unanständiges Wort gehört werde. Sie hat auf die Dienstboten und Tagelöhner ein wachsames Auge, daß sie nicht, wie es leider nur zu oft der Fall ist, in Gegen- wart der Kinder unvorsichtige oder unehrbare Re- den führen. Geschieht das, so wird es mit Ernst und Nachdruck gerügt, und solche Dienstboten oder Tagelöhner, welche auf Ermahnungen nicht achten, werden so bald wie möglich aus dem Dienste, aus der Arbeit entlassen. Wie manches Kind (wie mancher jüngere Dienstbote) verliert durch den Leichtsinn und durch die Schlechtigkeit solcher Men- schen seine Unschuld, sein kostbarstes Gut! *) Wehe dem Hause, in welchem derartige Reden sogar in Gegenwart der Hausfrau ungestört ge- führt werden dürfen, ja wo der Hausherr, die Hausfrau selbst leichtsinnig oder schlecht genug wären, um einzustimmen. Es ist ferner in einem christlichen Hause Regel, daß über gewisse unzüchtige Vorfälle in der Ge- meinde überhaupt, und zumal in Gegenwart der *) Von einer Hansfrau auf dem Hofe N. an der Grenze des Münsterlandes erzählte bei ihrer Beerdigung der Pfarrer: Es war ein neuer Knecht auf den Hof ge- kommen. Obwohl man bei der Dingung vom Dienst- boten ein Hauptgewicht darauf legte, daß dieselben gottesfürchtig und fromm wären, so hatte man sich doch diesmal versehen. Der neue Knecht hatte ein loses Maul, das gar reichlich überfloß von liederlicher Rede. Und wie es denn solchen Unholden eigen ist, daß sie ihr schmutziges Maul bei keiner Gelegenheit halten können, so ließ der Gedachte auch selbst bei Tische Proben seiner schändlichen Redeweise verneh- men. Die Hausfrau ließ es hinlänglich bemerkbar werden, daß dergleichen hier im Hause, zumal in Ge- genwart der Kinder, nicht bräuchlich sei. Vergebens. Von Neuem schmutzige Worte. Da trat sie ruhig hinter den Stuhl, auf dem der Lose saß, und voll- führte rechts und links zwei Ohrfeigen an dessen un- gewaschenem Haupte, daß es sausete. Das half. War das auch ein wenig derb, so hat auch unser Herr einst über gewisse Leute die Geissel geschwungen und wir glauben, Er würde es noch thun über manche der Unholde, worüber hier Rede ist. Jedenfalls ist es Pflicht, gegen solches Unwesen ernstlich vorzugehen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Weitere Informationen:

Dieses Werk stammt vom Projekt Digitization Lifecycle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Anmerkungen zur Transkription:

Bei der Zeichenerkennung wurde nach Vorgabe des DLC modernisiert.

In Absprache mit dem MPI wurden die folgenden Aspekte der Vorlage nicht erfasst:

  • Bogensignaturen und Kustoden
  • Kolumnentitel
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizierung von titleParts verzichtet.
  • Bei Textpassagen, die als Abschnittsüberschrift ausgeweisen werden können, wird auf die zusätzliche Auszeichnung des Layouts verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.

Es wurden alle Anführungszeichen übernommen und die Zitate zusätzlich mit q ausgezeichnet.

Weiche und harte Zeilentrennungen werden identisch als 002D übernommen. Der Zeilenumbruch selbst über lb ausgezeichnet.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874/298
Zitationshilfe: Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll. Nebst einem Anhange von Gebeten für denselben. Dülmen, 1874, S. 87. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874/298>, abgerufen am 10.12.2022.