Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Campe, Joachim Heinrich: Theophron oder der erfahrne Rathgeber für die unerfahrne Jugend. Bd. 2. Hamburg, 1783.

Bild:
<< vorherige Seite

Possenreisser, Wizlinge, Harlekins, Nachäffer
und lustigen Brüder, welche alle gemeiniglich die
seichtesten Köpfe von der Welt sind. Wenn du
einmahl aus bloßer Neugierde in solch eine Gesel-
schaft gehst, so kom nicht als ein strenger Philo-
soph mit der Mine der Verachtung für ihre unedle
Lustigkeit hinein, sondern begnüge dich damit, eine
der geringern Rollen unter ihnen zu spielen.
Werde mit keiner unter den spielenden Personen
vertraut; denn das würde sie zu Ansprüchen auf
dich berechtigen, die du mit guter Art weder be-
friedigen, noch abweisen kanst. Nenne keinen von
ihnen bei ihren Vornamen: Hans, Franz u. s. w.
sondern sei höflich gegen sie, und rufe ein wenig
mehr Zeremonie zu Hülfe als mit deines Gleichen;
dis ist das einzige wirksame Mittel, solche vor-
wizige und muthwillige Burschen in gehöriger
Entfernung zu erhalten.


Schlechte Geselschaft ist leichter beschrieben,
als gute; denn alles schlechte ist jederman beim
ersten Anblik auffallend, und wer wird jemahls
Narheit, Schurkerei, Zügellosigkeit mit Wiz,

Ehre
C 4

Poſſenreiſſer, Wizlinge, Harlekins, Nachaͤffer
und luſtigen Bruͤder, welche alle gemeiniglich die
ſeichteſten Koͤpfe von der Welt ſind. Wenn du
einmahl aus bloßer Neugierde in ſolch eine Geſel-
ſchaft gehſt, ſo kom nicht als ein ſtrenger Philo-
ſoph mit der Mine der Verachtung fuͤr ihre unedle
Luſtigkeit hinein, ſondern begnuͤge dich damit, eine
der geringern Rollen unter ihnen zu ſpielen.
Werde mit keiner unter den ſpielenden Perſonen
vertraut; denn das wuͤrde ſie zu Anſpruͤchen auf
dich berechtigen, die du mit guter Art weder be-
friedigen, noch abweiſen kanſt. Nenne keinen von
ihnen bei ihren Vornamen: Hans, Franz u. ſ. w.
ſondern ſei hoͤflich gegen ſie, und rufe ein wenig
mehr Zeremonie zu Huͤlfe als mit deines Gleichen;
dis iſt das einzige wirkſame Mittel, ſolche vor-
wizige und muthwillige Burſchen in gehoͤriger
Entfernung zu erhalten.


Schlechte Geſelſchaft iſt leichter beſchrieben,
als gute; denn alles ſchlechte iſt jederman beim
erſten Anblik auffallend, und wer wird jemahls
Narheit, Schurkerei, Zuͤgelloſigkeit mit Wiz,

Ehre
C 4
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0045" n="39"/>
Po&#x017F;&#x017F;enrei&#x017F;&#x017F;er, Wizlinge, Harlekins, Nacha&#x0364;ffer<lb/>
und lu&#x017F;tigen Bru&#x0364;der, welche alle gemeiniglich die<lb/>
&#x017F;eichte&#x017F;ten Ko&#x0364;pfe von der Welt &#x017F;ind. Wenn du<lb/>
einmahl aus bloßer Neugierde in &#x017F;olch eine Ge&#x017F;el-<lb/>
&#x017F;chaft geh&#x017F;t, &#x017F;o kom nicht als ein &#x017F;trenger Philo-<lb/>
&#x017F;oph mit der Mine der Verachtung fu&#x0364;r ihre unedle<lb/>
Lu&#x017F;tigkeit hinein, &#x017F;ondern begnu&#x0364;ge dich damit, eine<lb/>
der geringern Rollen unter ihnen zu &#x017F;pielen.<lb/>
Werde mit keiner unter den &#x017F;pielenden Per&#x017F;onen<lb/>
vertraut; denn das wu&#x0364;rde &#x017F;ie zu An&#x017F;pru&#x0364;chen auf<lb/>
dich berechtigen, die du mit guter Art weder be-<lb/>
friedigen, noch abwei&#x017F;en kan&#x017F;t. Nenne keinen von<lb/>
ihnen bei ihren Vornamen: <hi rendition="#fr">Hans, Franz</hi> u. &#x017F;. w.<lb/>
&#x017F;ondern &#x017F;ei ho&#x0364;flich gegen &#x017F;ie, und rufe ein wenig<lb/>
mehr Zeremonie zu Hu&#x0364;lfe als mit deines Gleichen;<lb/>
dis i&#x017F;t das einzige wirk&#x017F;ame Mittel, &#x017F;olche vor-<lb/>
wizige und muthwillige Bur&#x017F;chen in geho&#x0364;riger<lb/>
Entfernung zu erhalten.</p><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <p>Schlechte Ge&#x017F;el&#x017F;chaft i&#x017F;t leichter be&#x017F;chrieben,<lb/>
als gute; denn alles &#x017F;chlechte i&#x017F;t jederman beim<lb/>
er&#x017F;ten Anblik auffallend, und wer wird jemahls<lb/>
Narheit, Schurkerei, Zu&#x0364;gello&#x017F;igkeit mit Wiz,<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">C 4</fw><fw place="bottom" type="catch">Ehre</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[39/0045] Poſſenreiſſer, Wizlinge, Harlekins, Nachaͤffer und luſtigen Bruͤder, welche alle gemeiniglich die ſeichteſten Koͤpfe von der Welt ſind. Wenn du einmahl aus bloßer Neugierde in ſolch eine Geſel- ſchaft gehſt, ſo kom nicht als ein ſtrenger Philo- ſoph mit der Mine der Verachtung fuͤr ihre unedle Luſtigkeit hinein, ſondern begnuͤge dich damit, eine der geringern Rollen unter ihnen zu ſpielen. Werde mit keiner unter den ſpielenden Perſonen vertraut; denn das wuͤrde ſie zu Anſpruͤchen auf dich berechtigen, die du mit guter Art weder be- friedigen, noch abweiſen kanſt. Nenne keinen von ihnen bei ihren Vornamen: Hans, Franz u. ſ. w. ſondern ſei hoͤflich gegen ſie, und rufe ein wenig mehr Zeremonie zu Huͤlfe als mit deines Gleichen; dis iſt das einzige wirkſame Mittel, ſolche vor- wizige und muthwillige Burſchen in gehoͤriger Entfernung zu erhalten. Schlechte Geſelſchaft iſt leichter beſchrieben, als gute; denn alles ſchlechte iſt jederman beim erſten Anblik auffallend, und wer wird jemahls Narheit, Schurkerei, Zuͤgelloſigkeit mit Wiz, Ehre C 4

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_theophron02_1783
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_theophron02_1783/45
Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Theophron oder der erfahrne Rathgeber für die unerfahrne Jugend. Bd. 2. Hamburg, 1783, S. 39. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_theophron02_1783/45>, abgerufen am 22.04.2024.