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Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

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König ihm zu befehlen oder zu verbieten für gut
erachten würde. Er bediente sich dabei des Worts
Ratschike, womit die wilden Amerikaner ihre
Oberhäupter zu benennen pflegen, wie er sich
glüklicher Weise erinnerte, einmahl gehört zu
haben.

Mehr durch dieses Wort, als durch die da-
mit verbundenen Zeichen, verstand Freitag die
Meinung seines Herrn und äusserte seine Zufrie-
denheit darüber, indem er das Wort Katschike
einige mahl mit lauter Stimme widerholte, da-
bei auf Robinson wies und sich von neuem
ihm zu Füßen warf. Ja, um zu zeigen, daß
er recht gut wisse, was es mit der königlichen
Gewalt zu bedeuten habe, ergrif er den Spieß,
gab ihn seinem Herrn in die Hand, und sezte
die Spize desselben sich selbst auf die Brust, ver-
muthlich um dadurch anzuzeigen, daß er mit Leib
und Leben in seiner Macht stehe. Robinson
reichte ihm hierauf mit der Würde eines Mo-
narchen freundlich die Hand zum Zeichen seiner
königlichen Huld, und befahl ihm abermahls,
sich zu lagern, um die Abendmahlzeit mit ihm

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Koͤnig ihm zu befehlen oder zu verbieten fuͤr gut
erachten wuͤrde. Er bediente ſich dabei des Worts
Ratſchike, womit die wilden Amerikaner ihre
Oberhaͤupter zu benennen pflegen, wie er ſich
gluͤklicher Weiſe erinnerte, einmahl gehoͤrt zu
haben.

Mehr durch dieſes Wort, als durch die da-
mit verbundenen Zeichen, verſtand Freitag die
Meinung ſeines Herrn und aͤuſſerte ſeine Zufrie-
denheit daruͤber, indem er das Wort Katſchike
einige mahl mit lauter Stimme widerholte, da-
bei auf Robinſon wies und ſich von neuem
ihm zu Fuͤßen warf. Ja, um zu zeigen, daß
er recht gut wiſſe, was es mit der koͤniglichen
Gewalt zu bedeuten habe, ergrif er den Spieß,
gab ihn ſeinem Herrn in die Hand, und ſezte
die Spize deſſelben ſich ſelbſt auf die Bruſt, ver-
muthlich um dadurch anzuzeigen, daß er mit Leib
und Leben in ſeiner Macht ſtehe. Robinſon
reichte ihm hierauf mit der Wuͤrde eines Mo-
narchen freundlich die Hand zum Zeichen ſeiner
koͤniglichen Huld, und befahl ihm abermahls,
ſich zu lagern, um die Abendmahlzeit mit ihm

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[89/0095] Koͤnig ihm zu befehlen oder zu verbieten fuͤr gut erachten wuͤrde. Er bediente ſich dabei des Worts Ratſchike, womit die wilden Amerikaner ihre Oberhaͤupter zu benennen pflegen, wie er ſich gluͤklicher Weiſe erinnerte, einmahl gehoͤrt zu haben. Mehr durch dieſes Wort, als durch die da- mit verbundenen Zeichen, verſtand Freitag die Meinung ſeines Herrn und aͤuſſerte ſeine Zufrie- denheit daruͤber, indem er das Wort Katſchike einige mahl mit lauter Stimme widerholte, da- bei auf Robinſon wies und ſich von neuem ihm zu Fuͤßen warf. Ja, um zu zeigen, daß er recht gut wiſſe, was es mit der koͤniglichen Gewalt zu bedeuten habe, ergrif er den Spieß, gab ihn ſeinem Herrn in die Hand, und ſezte die Spize deſſelben ſich ſelbſt auf die Bruſt, ver- muthlich um dadurch anzuzeigen, daß er mit Leib und Leben in ſeiner Macht ſtehe. Robinſon reichte ihm hierauf mit der Wuͤrde eines Mo- narchen freundlich die Hand zum Zeichen ſeiner koͤniglichen Huld, und befahl ihm abermahls, ſich zu lagern, um die Abendmahlzeit mit ihm ein- F 5

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Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 89. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/95>, abgerufen am 15.04.2024.