Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

Bild:
<< vorherige Seite

künftig auch nennen) näherte sich ihm mit allen
ersinlichen Zeichen der Ehrerbietung und der
Dankbarkeit, kniete alsdan vor ihm nieder, legte
seinen Kopf abermahls plat auf die Erde, und
sezte eben so, wie er es das erstemahl gemacht
hatte, seines Befreiers Fuß auf seinen Nakken.

Robinsons Herz, welches die Freude über
einen so lange gewünschten Geselschafter und
Freund kaum fassen konte, hätte sich lieber durch
Liebkosungen und zärtliche Umarmungen ergos-
sen: aber der Gedanke, daß es zu seiner eigenen
Sicherheit gut sei, den neuen Gastfreund, des-
sen Gemüthsart er noch nicht kante, eine Zeit-
lang in den Schranken einer ehrerbietigen Unter-
werfung zu erhalten, bewog ihn, die Huldigung
desselben, als etwas, welches ihm gebühre, an-
zunehmen, und eine Zeitlang den König mit
ihm zu spielen. Er gab ihm also durch Zeichen
und Gebehrden zu verstehen, daß er ihn zwar
in seinen Schuz genommen habe, aber nur un-
ter der Bedingung eines strengen Gehorsams:
daß er sich also müsse gefallen lassen, alles das
zu thun oder zu lassen, was er, sein Herr und

Kö-

kuͤnftig auch nennen) naͤherte ſich ihm mit allen
erſinlichen Zeichen der Ehrerbietung und der
Dankbarkeit, kniete alsdan vor ihm nieder, legte
ſeinen Kopf abermahls plat auf die Erde, und
ſezte eben ſo, wie er es das erſtemahl gemacht
hatte, ſeines Befreiers Fuß auf ſeinen Nakken.

Robinſons Herz, welches die Freude uͤber
einen ſo lange gewuͤnſchten Geſelſchafter und
Freund kaum faſſen konte, haͤtte ſich lieber durch
Liebkoſungen und zaͤrtliche Umarmungen ergoſ-
ſen: aber der Gedanke, daß es zu ſeiner eigenen
Sicherheit gut ſei, den neuen Gaſtfreund, deſ-
ſen Gemuͤthsart er noch nicht kante, eine Zeit-
lang in den Schranken einer ehrerbietigen Unter-
werfung zu erhalten, bewog ihn, die Huldigung
deſſelben, als etwas, welches ihm gebuͤhre, an-
zunehmen, und eine Zeitlang den Koͤnig mit
ihm zu ſpielen. Er gab ihm alſo durch Zeichen
und Gebehrden zu verſtehen, daß er ihn zwar
in ſeinen Schuz genommen habe, aber nur un-
ter der Bedingung eines ſtrengen Gehorſams:
daß er ſich alſo muͤſſe gefallen laſſen, alles das
zu thun oder zu laſſen, was er, ſein Herr und

Koͤ-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0094" n="88"/>
ku&#x0364;nftig auch nennen) na&#x0364;herte &#x017F;ich ihm mit allen<lb/>
er&#x017F;inlichen Zeichen der Ehrerbietung und der<lb/>
Dankbarkeit, kniete alsdan vor ihm nieder, legte<lb/>
&#x017F;einen Kopf abermahls plat auf die Erde, und<lb/>
&#x017F;ezte eben &#x017F;o, wie er es das er&#x017F;temahl gemacht<lb/>
hatte, &#x017F;eines Befreiers Fuß auf &#x017F;einen Nakken.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Robin&#x017F;ons</hi> Herz, welches die Freude u&#x0364;ber<lb/>
einen &#x017F;o lange gewu&#x0364;n&#x017F;chten Ge&#x017F;el&#x017F;chafter und<lb/>
Freund kaum fa&#x017F;&#x017F;en konte, ha&#x0364;tte &#x017F;ich lieber durch<lb/>
Liebko&#x017F;ungen und za&#x0364;rtliche Umarmungen ergo&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en: aber der Gedanke, daß es zu &#x017F;einer eigenen<lb/>
Sicherheit gut &#x017F;ei, den neuen Ga&#x017F;tfreund, de&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en Gemu&#x0364;thsart er noch nicht kante, eine Zeit-<lb/>
lang in den Schranken einer ehrerbietigen Unter-<lb/>
werfung zu erhalten, bewog ihn, die Huldigung<lb/>
de&#x017F;&#x017F;elben, als etwas, welches ihm gebu&#x0364;hre, an-<lb/>
zunehmen, und eine Zeitlang den Ko&#x0364;nig mit<lb/>
ihm zu &#x017F;pielen. Er gab ihm al&#x017F;o durch Zeichen<lb/>
und Gebehrden zu ver&#x017F;tehen, daß er ihn zwar<lb/>
in &#x017F;einen Schuz genommen habe, aber nur un-<lb/>
ter der Bedingung eines &#x017F;trengen Gehor&#x017F;ams:<lb/>
daß er &#x017F;ich al&#x017F;o mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e gefallen la&#x017F;&#x017F;en, alles das<lb/>
zu thun oder zu la&#x017F;&#x017F;en, was er, &#x017F;ein Herr und<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Ko&#x0364;-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[88/0094] kuͤnftig auch nennen) naͤherte ſich ihm mit allen erſinlichen Zeichen der Ehrerbietung und der Dankbarkeit, kniete alsdan vor ihm nieder, legte ſeinen Kopf abermahls plat auf die Erde, und ſezte eben ſo, wie er es das erſtemahl gemacht hatte, ſeines Befreiers Fuß auf ſeinen Nakken. Robinſons Herz, welches die Freude uͤber einen ſo lange gewuͤnſchten Geſelſchafter und Freund kaum faſſen konte, haͤtte ſich lieber durch Liebkoſungen und zaͤrtliche Umarmungen ergoſ- ſen: aber der Gedanke, daß es zu ſeiner eigenen Sicherheit gut ſei, den neuen Gaſtfreund, deſ- ſen Gemuͤthsart er noch nicht kante, eine Zeit- lang in den Schranken einer ehrerbietigen Unter- werfung zu erhalten, bewog ihn, die Huldigung deſſelben, als etwas, welches ihm gebuͤhre, an- zunehmen, und eine Zeitlang den Koͤnig mit ihm zu ſpielen. Er gab ihm alſo durch Zeichen und Gebehrden zu verſtehen, daß er ihn zwar in ſeinen Schuz genommen habe, aber nur un- ter der Bedingung eines ſtrengen Gehorſams: daß er ſich alſo muͤſſe gefallen laſſen, alles das zu thun oder zu laſſen, was er, ſein Herr und Koͤ-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/94
Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 88. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/94>, abgerufen am 15.04.2024.