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Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

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glükliche Menschen aus den Kähnen hohlen und
nach dem Feuerplaze hinschleppen sahe! Er zwei-
felte nicht, daß sie zur Schlachtbank geführt
werden solten, und in demselben Augenblikke
wurde diese seine Vermuthung auf die schrek-
lichste Weise bestätiget. Einige der Unmenschen
schlugen nemlich den einen Gefangenen zu Bo-
den und ein Paar andere fielen über ihn her,
vermuthlich, um ihm den Leib aufzuschneiden
und ihn zu ihrem abscheulichen Gastmahle zu
zubereiten. Unterdeß stand der andere Gefan-
gene als ein Zuschauer bei diesem unmenschlichen
Schauspiele da, bis die Reihe an ihn kommen
würde. Aber plözlich, da dieser arme Mensch
merkte, daß alle mit seinem geschlachteten Ka-
meraden beschäftiget waren und eben nicht sehr
auf ihn achteten, ergrif er, in der Hofnung
sein Leben zu retten, die Flucht, und lief mit
unglaublicher Geschwindigkeit grade nach der Ge-
gend zu, wo Robinsons Wohnung war.

Freude, Hofnung, Furcht und Grauen er-
griffen jezt zugleich das Herz unsers Helden und
färbten seine Wangen bald mit hoher Röthe,

bald

gluͤkliche Menſchen aus den Kaͤhnen hohlen und
nach dem Feuerplaze hinſchleppen ſahe! Er zwei-
felte nicht, daß ſie zur Schlachtbank gefuͤhrt
werden ſolten, und in demſelben Augenblikke
wurde dieſe ſeine Vermuthung auf die ſchrek-
lichſte Weiſe beſtaͤtiget. Einige der Unmenſchen
ſchlugen nemlich den einen Gefangenen zu Bo-
den und ein Paar andere fielen uͤber ihn her,
vermuthlich, um ihm den Leib aufzuſchneiden
und ihn zu ihrem abſcheulichen Gaſtmahle zu
zubereiten. Unterdeß ſtand der andere Gefan-
gene als ein Zuſchauer bei dieſem unmenſchlichen
Schauſpiele da, bis die Reihe an ihn kommen
wuͤrde. Aber ploͤzlich, da dieſer arme Menſch
merkte, daß alle mit ſeinem geſchlachteten Ka-
meraden beſchaͤftiget waren und eben nicht ſehr
auf ihn achteten, ergrif er, in der Hofnung
ſein Leben zu retten, die Flucht, und lief mit
unglaublicher Geſchwindigkeit grade nach der Ge-
gend zu, wo Robinſons Wohnung war.

Freude, Hofnung, Furcht und Grauen er-
griffen jezt zugleich das Herz unſers Helden und
faͤrbten ſeine Wangen bald mit hoher Roͤthe,

bald
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[70/0076] gluͤkliche Menſchen aus den Kaͤhnen hohlen und nach dem Feuerplaze hinſchleppen ſahe! Er zwei- felte nicht, daß ſie zur Schlachtbank gefuͤhrt werden ſolten, und in demſelben Augenblikke wurde dieſe ſeine Vermuthung auf die ſchrek- lichſte Weiſe beſtaͤtiget. Einige der Unmenſchen ſchlugen nemlich den einen Gefangenen zu Bo- den und ein Paar andere fielen uͤber ihn her, vermuthlich, um ihm den Leib aufzuſchneiden und ihn zu ihrem abſcheulichen Gaſtmahle zu zubereiten. Unterdeß ſtand der andere Gefan- gene als ein Zuſchauer bei dieſem unmenſchlichen Schauſpiele da, bis die Reihe an ihn kommen wuͤrde. Aber ploͤzlich, da dieſer arme Menſch merkte, daß alle mit ſeinem geſchlachteten Ka- meraden beſchaͤftiget waren und eben nicht ſehr auf ihn achteten, ergrif er, in der Hofnung ſein Leben zu retten, die Flucht, und lief mit unglaublicher Geſchwindigkeit grade nach der Ge- gend zu, wo Robinſons Wohnung war. Freude, Hofnung, Furcht und Grauen er- griffen jezt zugleich das Herz unſers Helden und faͤrbten ſeine Wangen bald mit hoher Roͤthe, bald

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Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 70. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/76>, abgerufen am 15.04.2024.