Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

Bild:
<< vorherige Seite

beobachtete den Stand der Sonne und schloß
daraus auf die jedesmalige Tageszeit. End-
lich fiel 's ihm gar ein, eine Art von Son-
nenuhr zu machen.

Johannes. Na, was der doch nicht al-
les machen wil!

Vater. Freilig keine solche, als man bei
uns machen kan, denn wo hätt' er dazu die
nöthige Geschiklichkeit, die Werkzeuge und die
Materialien hergenommen? Aber doch eine,
an der er wenigstens sehen konte, zu welcher
Zeit es jedesmahl Mittag sei.

Johannes. Auch die wüst' ich doch ge-
wiß nicht zu machen!

Vater. Und doch ist nichts leichter, als
das! -- Er stekte nemlich blos eine grade
Stange senkrecht in die Erde. Je näher es
nun gegen Mittag kam, desto kürzer wurde
der Schatten dieser Stange. Er merkte sich
also den Ort, wohin der Schatten der Stange
fiel, wenn er am kürzesten war; bezeichnete
diesen Ort mit einem Striche, den er die
Mittagslinie nante, und so oft dan der

Schat-
C 2

beobachtete den Stand der Sonne und ſchloß
daraus auf die jedesmalige Tageszeit. End-
lich fiel 's ihm gar ein, eine Art von Son-
nenuhr zu machen.

Johannes. Na, was der doch nicht al-
les machen wil!

Vater. Freilig keine ſolche, als man bei
uns machen kan, denn wo haͤtt' er dazu die
noͤthige Geſchiklichkeit, die Werkzeuge und die
Materialien hergenommen? Aber doch eine,
an der er wenigſtens ſehen konte, zu welcher
Zeit es jedesmahl Mittag ſei.

Johannes. Auch die wuͤſt' ich doch ge-
wiß nicht zu machen!

Vater. Und doch iſt nichts leichter, als
das! — Er ſtekte nemlich blos eine grade
Stange ſenkrecht in die Erde. Je naͤher es
nun gegen Mittag kam, deſto kuͤrzer wurde
der Schatten dieſer Stange. Er merkte ſich
alſo den Ort, wohin der Schatten der Stange
fiel, wenn er am kuͤrzeſten war; bezeichnete
dieſen Ort mit einem Striche, den er die
Mittagslinie nante, und ſo oft dan der

Schat-
C 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0041" n="35"/>
beobachtete den Stand der Sonne und &#x017F;chloß<lb/>
daraus auf die jedesmalige Tageszeit. End-<lb/>
lich fiel 's ihm gar ein, eine Art von Son-<lb/>
nenuhr zu machen.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Johannes.</hi> Na, was der doch nicht al-<lb/>
les machen wil!</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Vater.</hi> Freilig keine &#x017F;olche, als man bei<lb/>
uns machen kan, denn wo ha&#x0364;tt' er dazu die<lb/>
no&#x0364;thige Ge&#x017F;chiklichkeit, die Werkzeuge und die<lb/>
Materialien hergenommen? Aber doch eine,<lb/>
an der er wenig&#x017F;tens &#x017F;ehen konte, zu welcher<lb/>
Zeit es jedesmahl Mittag &#x017F;ei.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Johannes.</hi> Auch die wu&#x0364;&#x017F;t' ich doch ge-<lb/>
wiß nicht zu machen!</p><lb/>
          <p><hi rendition="#fr">Vater.</hi> Und doch i&#x017F;t nichts leichter, als<lb/>
das! &#x2014; Er &#x017F;tekte nemlich blos eine grade<lb/>
Stange &#x017F;enkrecht in die Erde. Je na&#x0364;her es<lb/>
nun gegen Mittag kam, de&#x017F;to ku&#x0364;rzer wurde<lb/>
der Schatten die&#x017F;er Stange. Er merkte &#x017F;ich<lb/>
al&#x017F;o den Ort, wohin der Schatten der Stange<lb/>
fiel, wenn er am ku&#x0364;rze&#x017F;ten war; bezeichnete<lb/>
die&#x017F;en Ort mit einem Striche, den er die<lb/><hi rendition="#fr">Mittagslinie</hi> nante, und &#x017F;o oft dan der<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">C 2</fw><lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Schat-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[35/0041] beobachtete den Stand der Sonne und ſchloß daraus auf die jedesmalige Tageszeit. End- lich fiel 's ihm gar ein, eine Art von Son- nenuhr zu machen. Johannes. Na, was der doch nicht al- les machen wil! Vater. Freilig keine ſolche, als man bei uns machen kan, denn wo haͤtt' er dazu die noͤthige Geſchiklichkeit, die Werkzeuge und die Materialien hergenommen? Aber doch eine, an der er wenigſtens ſehen konte, zu welcher Zeit es jedesmahl Mittag ſei. Johannes. Auch die wuͤſt' ich doch ge- wiß nicht zu machen! Vater. Und doch iſt nichts leichter, als das! — Er ſtekte nemlich blos eine grade Stange ſenkrecht in die Erde. Je naͤher es nun gegen Mittag kam, deſto kuͤrzer wurde der Schatten dieſer Stange. Er merkte ſich alſo den Ort, wohin der Schatten der Stange fiel, wenn er am kuͤrzeſten war; bezeichnete dieſen Ort mit einem Striche, den er die Mittagslinie nante, und ſo oft dan der Schat- C 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/41
Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 35. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/41>, abgerufen am 27.02.2024.