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Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

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eine Menge Lebensmittel, Schießpulver, Eisen
und Werkzeuge von dem Schiffe hohlen, womit
er der Kolonie ein Geschenk machte.

Gegen Abend bat sich Robinson die Er-
laubniß aus, eine Stunde allein sein zu dürfen,
weil er vor seiner Abreise noch einige wichtige
Geschäfte abzuthun habe. Jederman verließ
ihn; und er stieg den Hügel hinauf, um noch
einmahl der ganzen Geschichte seines Aufenthalts
auf dieser Insel nachzudenken, und sein volles
Herz in kindlicher Dankbarkeit vor Gott zu er-
gießen. Es fehlt mir an Worten, die frommen
dankbaren Empfindungen desselben auszudrükken;
aber wer ein Herz, wie das Seinige, hat, der
bedarf auch meiner Beschreibung nicht; er wird
es in sich selbst lesen können.

Jezt war der Augenblik zur Abreise da. Mit
Tränen in den Augen ermahnte Robinson die
Zurükbleibenden noch einmahl zur Eintracht,
zur Arbeitsamkeit und zur Frömmigkeit und
empfahl sie darauf mit brüderlichem Herzen dem
Schuze des Gottes, der ihn selbst so wunderbar
geleitet hatte. Dan sah er sich noch einmahl um-

her;

eine Menge Lebensmittel, Schießpulver, Eiſen
und Werkzeuge von dem Schiffe hohlen, womit
er der Kolonie ein Geſchenk machte.

Gegen Abend bat ſich Robinſon die Er-
laubniß aus, eine Stunde allein ſein zu duͤrfen,
weil er vor ſeiner Abreiſe noch einige wichtige
Geſchaͤfte abzuthun habe. Jederman verließ
ihn; und er ſtieg den Huͤgel hinauf, um noch
einmahl der ganzen Geſchichte ſeines Aufenthalts
auf dieſer Inſel nachzudenken, und ſein volles
Herz in kindlicher Dankbarkeit vor Gott zu er-
gießen. Es fehlt mir an Worten, die frommen
dankbaren Empfindungen deſſelben auszudruͤkken;
aber wer ein Herz, wie das Seinige, hat, der
bedarf auch meiner Beſchreibung nicht; er wird
es in ſich ſelbſt leſen koͤnnen.

Jezt war der Augenblik zur Abreiſe da. Mit
Traͤnen in den Augen ermahnte Robinſon die
Zuruͤkbleibenden noch einmahl zur Eintracht,
zur Arbeitſamkeit und zur Froͤmmigkeit und
empfahl ſie darauf mit bruͤderlichem Herzen dem
Schuze des Gottes, der ihn ſelbſt ſo wunderbar
geleitet hatte. Dan ſah er ſich noch einmahl um-

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[354/0360] eine Menge Lebensmittel, Schießpulver, Eiſen und Werkzeuge von dem Schiffe hohlen, womit er der Kolonie ein Geſchenk machte. Gegen Abend bat ſich Robinſon die Er- laubniß aus, eine Stunde allein ſein zu duͤrfen, weil er vor ſeiner Abreiſe noch einige wichtige Geſchaͤfte abzuthun habe. Jederman verließ ihn; und er ſtieg den Huͤgel hinauf, um noch einmahl der ganzen Geſchichte ſeines Aufenthalts auf dieſer Inſel nachzudenken, und ſein volles Herz in kindlicher Dankbarkeit vor Gott zu er- gießen. Es fehlt mir an Worten, die frommen dankbaren Empfindungen deſſelben auszudruͤkken; aber wer ein Herz, wie das Seinige, hat, der bedarf auch meiner Beſchreibung nicht; er wird es in ſich ſelbſt leſen koͤnnen. Jezt war der Augenblik zur Abreiſe da. Mit Traͤnen in den Augen ermahnte Robinſon die Zuruͤkbleibenden noch einmahl zur Eintracht, zur Arbeitſamkeit und zur Froͤmmigkeit und empfahl ſie darauf mit bruͤderlichem Herzen dem Schuze des Gottes, der ihn ſelbſt ſo wunderbar geleitet hatte. Dan ſah er ſich noch einmahl um- her;

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Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 354. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/360>, abgerufen am 13.04.2024.